Wut über "Eifel-Blitze" - Tempo-Sünderin klagt

AACHEN - Eine Blitze in der Eifel ist der Aufreger in dem Touristen-Örtchen Heimbach. In nicht einmal einem Jahr rasten Tausende in die Falle. Die Wut entlud sich in brachialer Gewalt. Eine Temposünderin zog vors Gericht.

Zu tausenden sind Autofahrer in eine Eifeler Radarfalle gerast, seit Dienstag muss der zuständige Kreis Düren vor Gericht Tempo 50 und die damit verbundene Radarfalle verteidigen. Eine Temposünderin klagt gegen den Kreis, der die Maßnahmen angeordnet hatte. Die Frau aus der Eifel hält die Geschwindigkeitsbegrenzung für rechtswidrig.

Nach dem Ausbau des Straßenstücks an einem Vogelschutzgebiet hatte der Kreis die Höchstgeschwindigkeit wegen dort lebender Uhus von Tempo 70 auf 50 reduziert. In knapp einem Jahr gingen 7600 Raser in die Falle. Dreimal wurde die Anlage zerstört, einmal sogar mit einem Traktor vollständig niedergerissen. Das Urteil wird für den 10. April erwartet.

Es geht um die landschaftlich reizvolle Landstraße 249 zwischen den Ortschaften Heimbach-Blens und Heimbach-Hausen: 900 Meter Straße, neu ausgebaut. Der Kreis wusste, dass er mit dem Ausbau die Tierschutzer auf den Plan rufen würde. Die Buntsandsteinfelsen an der Straße sind europäisches Vogelschutzgebiet. Dort brütet der in Deutschland geschützte Uhu. Also machten alle Beteiligten einen Deal: Der Kreis sorgt für eine wirksame Geschwindigkeitsbegrenzung und die Naturschützer ziehen nicht vors Gericht.

Aber sie hatten die Rechnung ohne die Autofahrer gemacht. Nachdem die Blitze im Februar 2011 stand, sind die Autofahrer reihenweise in die Falle gerast - obwohl auf der Strecke Schilder auf die Radarfalle und auf die Uhus im Felsen hinweisen. "Das ist keine gemeine Falle", sagte der Sprecher des Kreises Düren, Josef Kreutzer.

Anders als die Klägerin reagierten wohl einige Autofahrer ihre Wut gleich an Ort und Stelle ab. Einer fuhr die Anlage sogar mit dem Traktor um. Vergeblich, die Anlage wurde aufgebaut, bis sie im Dezember gleich wieder zerstört wurde - nicht so brachial, aber nachhaltig. Und bevor sie repariert wurde, gab es eine dritte Attacke. Seitdem macht sie keinen Mucks, aber die Ersatzteile liegen schon bereit.

Die Klägerin war 33 Kilometer zu schnell, sieht aber das Unrecht beim Kreis. Die Frau hält die Geschwindigkeitsbegrenzung für rechtswidrig. Sie war zur Verhandlung nicht erscheinen, "da sie sich sonst wieder so aufregt", sagte ihr Anwalt Wolfgang Beyer.

Die Richter werden bei ihrer Entscheidung sicher auch die Einschätzung des Uhu-Experten Rolf Krechel berücksichtigen. Der sagte, das Tempo-Limit nütze den Uhus. Das Risiko der Tiefflieger, mit einem Auto zusammenzuprallen, werde so gesenkt: "Je langsamer, desto besser". - lnw

Quelle: wa.de

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