U3-Betreuung: Genauer Bedarf vielerorts unklar

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DÜSSELDORF - In wenigen Tagen können Eltern einen Betreuungsplatz für ihre Kleinkinder einklagen. Die Kommunen in Nordrhein-Westfalen haben ihr Angebot in den vergangenen Monaten massiv ausgebaut. Ob das reicht, wird sich erst in einigen Monaten zeigen, wie eine dpa-Umfrage ergab.

Das Jugendamt in Dortmund etwa suchte noch für 165 Kinder eine Betreuung. Es gebe allerdings noch freie Plätze in der Tagespflege, sagte eine Sprecherin. In Aachen standen 332 Suchende auf der Warteliste, in Bonn fehlten 183 Plätze. Beide Städte bauen ihr Angebot aber weiterhin aus.

Das Hauptproblem: Die meisten Städte und Kreise wissen nicht genau, wie viele Eltern tatsächlich einen Betreuungsplatz für ihre Kinder brauchen. Viele Kommunen erfassen den Bedarf nicht zentral, normalerweise melden die Eltern ihr Kind direkt bei den Einrichtungen an. "Etwaige Wartelisten führen die Kitas", erklärte etwa die Stadt Dortmund. Das Jugendamt helfe aber bei der Suche. Auch in Wuppertal haben nach Angaben der Stadt viele Eltern ihre Kinder in mehreren Einrichtungen angemeldet. Sie stünden deshalb mehrfach auf Wartelisten.

Die nötige Betreuungsquoten ist von Ort zu Ort unterschiedlich. Der Rhein-Sieg-Kreis geht beispielsweise davon aus, dass 35 Prozent der ein- und zweijährigen Kinder einen Betreuungsplatz brauchen. Diese Quote werde erfüllt, versicherte ein Sprecher.

In Duisburg gibt es für 37 Prozent der in Fragen kommenden Kinder einen Betreuungsplatz. Das reiche, um allen Anträgen nachkommen zu können, sagte eine Sprecherin. Allerdings habe die Stadt etwa 200 Eltern nicht die Wunsch-Kita erfüllen können. Aber auch für ihre Kinder gebe es Betreuungsplätze.

Die Stadt Wuppertal will 40 Prozent aller Kinder zwischen einem und drei Jahren einen Betreuungsplatz bieten - immer noch zu wenig, befürchtet ein Stadtsprecher. "Es wird aufgrund der hohen Nachfrage in den nächsten Jahren mit circa 1000 fehlenden Plätzen gerechnet."

Häufig sind diese Zahlen nur Schätzungen. "Wie hoch der Bedarf wirklich ist, wird man erst im Laufe des Jahres merken", sagte eine Essener Stadtsprecherin. Auch in Köln könnte es nach Angaben einer Sprecherin bis Jahresende dauern, ehe klar sei, ob der Bedarf gedeckt ist oder Kinder möglicherweise abgewiesen wurden.

Erschwerend kommt für die Kommunen hinzu, dass es anders als für die übrigen Kindergartenkinder bei der U3-Betreuung keinen einheitlichen ersten Tag gibt. Die Kinder kämen nach und nach in die Einrichtungen, hieß es in Münster. Die Stadt Bielefeld geht zudem davon aus, dass der Rechtsanspruch eine Sogwirkung entfalten wird.

Trotz der Unsicherheit sehen viele Städte und Kreise dem 1. August gelassen entgegen. In Münster und Bielefeld gab es keine Absagen. Auch in Düsseldorf, im Kreis Mettmann und im Kreis Steinfurt ist die Verwaltung zuversichtlich, dass es reicht. Statt sich auf eine ungenaue Schätzung zu stützen, hat Bielefeld übrigens einfach bei den Eltern nachgefragt. Eine Umfrage im vergangenen Jahr ergab einen Bedarf von 43 Prozent. Die Versorgungsquote liege jetzt bei 43,9 Prozent. - dpa

Quelle: wa.de

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