Mit Fotos und Video

Trecker-Trio aus Hamm und Welver tuckert zur Ostsee

+
Mit historischen Traktoren ging es für die drei Trecker-Freunde an die Ostsee. Geschlafen wurde in den Anhängern. Vorneweg fährt Dieter Kothenschulze mit seinem Deutz , dann folgen Karl-Adolf Krämer und Friedhelm Kappelhoff mit ihren Hanomags.

Dinker - Etwas abgekämpft sehen die drei älteren Männer am Steuer ihrer Trecker aus, als sie mit ihren Oldtimern und den skurrilen Anhängern auf dem Hof von Friedhelm Kappelhoff in Dinker zum Stehen kommen. 14 Tage waren sie unterwegs, um sich einen lang gehegten Traum zu erfüllen.

„Wir fahren mal mit dem Traktor nach Kellenhusen“, diese Idee schwirrte schon seit vielen Jahren durch die Köpfe von Dieter Kothenschulze (65) und Karl-Adolf Krämer (70) aus Norddinker und Friedhelm Kappelhoff (64) aus Dinker. Sie sind alle Mitglieder im Verein der Treckerfreunde Norddinker und haben sich den alten Glühzündern mit Herz und Seele verschrieben. Bis zur endgültigen Planung der Fahrt in ihren Lieblingsort an der Ostsee wollten sie jedoch warten bis der jüngste des Trios Rentner wurde. 

Im vergangenen Herbst war es soweit, der Termin wurde festgesetzt und die Planungen begannen. Die Traktoren sind seit vielen Jahren ihr ganzer Stolz, liebevoll gepflegt und restauriert und mit der Patina der vergangenen Jahre behaftet, haben sie eines gemeinsam – sie sind fast so alt wie ihre Besitzer. Der Hanomag des 70-jährigen Karl-Adolf Krämer trägt die Bezeichnung R 24, wurde 1955 gebaut und hat 24 Pferdestärken. Der Hanomag mit der Bezeichnung C 224 aus dem Jahr 1959, ebenfalls mit 24 PS, wurde von Friedhelm Kappelhoff gefahren. Der dritte im Bunde ist der Deutz D 25 von Dieter Kothenschulze, der immerhin eine Pferdestärke mehr auf die Straße bringt. „Ein unschätzbarer Vorteil am Berg mit den schweren Anhängern dahinter“, scherzt der 65-jährige ehemalige Justizvollzugsbeamte. 

Trecker Freunde Norddinker zurück vom Urlaub an der See

Gemeinsam haben sie viel erlebt, seit sie am 9. August zu ihrer Tour aufgebrochen sind. Rund 1200 bis 1300 Kilometer hat das Trio in dieser Zeit mit seinen Oldtimern zurückgelegt, schließlich konnten sie nicht den kürzesten Weg über die Autobahn nehmen. Immer wieder mussten sie deshalb Umwege fahren. Dennoch hätten sie viele schöne Momente erlebt und seien sie überall herzlich aufgenommen worden. 

Schlafplätze in zwei Anhängern

Nach den Tagesetappen, von denen die längste elf Stunden dauerte, schlief das Trio in einem umgebauten Bauwagen sowie einem alten Wohnwagen aus DDR-Zeiten. Mal wurden Campingplätze angefahren, aber auch befreundete Vereine halfen mit Stellplätzen. Ein Pferdeanhänger diente zur Lagerung von Werkzeug und Material, das nicht in den Wohnanhängern Platz hatte. Außerdem hing das Trio hier seine Wäsche zum Trocknen auf. In Kellenhusen, nach vier Tagen am Ziel der Reise angekommen, durften die Traktoren an der Uferpromenade parken. Viele Touristen machten Fotos von den Schleppern. Während ihres viertägigen Urlaubs an der See blieben die Trecker stehen. Es blieb auch Zeit für die Reparatur des Pferdeanhängers. Ein Stein hatte einen Reifen beschädigt. Per Internet und mit Hilfe von Einheimischen ließ sich Ersatz für die selten gewordene Reifengröße auftreiben. 

Auch der Deutz hatte auf der Hinfahrt geschwächelt, eine Dieselleitung war kurz vor Hannover undicht geworden. Hier zahlte sich die Fachkenntnis von Kappelhoff aus. Als Kfz-Mechanikermeister hatte er das defekte Teil schnell ausgebaut. Ein Treckerfahrer brachte den Fachmann in die nächste Ortschaft, dort konnte die Leitung aber nicht gelötet werden. Hilfe kam von einem Handwerker, den Kappelhoff aufgrund seines Blaumannes als solchen erkannt und spontan angesprochen hatte. 

Wer überholen musste, war nicht so freundlich

Für die Rückfahrt ließen sich die Treckerfreunde dann mehr Zeit. Sieben Tage bummelten sie mit ihren Schleppern durch Deutschland, in der Lüneburger Heide besuchten sie das Landwirtschaftmuseum, ein Teil der Fahrt führte dabei über den Jakobsweg. Das letzte Etappenziel war Delbrück, dort erwartete sie ein befreundeter Treckerclub. Ein zünftiger Abend mit vielen „Dieselgesprächen“ unter Gleichgesinnten war ein schöner Abschluss der Fahrt. Kritik üben die drei jedoch am Verhalten vieler Verkehrsteilnehmer: „Alle, die uns entgegen kamen, haben freundlich gegrüßt“ sagt Dieter Kothenschulze. „Aber alle, die uns überholen mussten, waren nicht so freundlich.“ 

Diesen Mittwoch um kurz nach 13 Uhr war es dann soweit und die Freunde, die sich von klein auf kennen, trafen nach der letzten Etappe und einer vierstündigen Fahrt auf dem Hof Kappelhoff in Dinker ein. Ihr Lächeln auf den letzten Metern sagte dabei mehr als tausend Worte. „Vielleicht machen wir das nächstes Jahr wieder, dann aber nicht so lange“, kündigte Kappelhoff an. 

Stolz, dass sie die Tour meisterten, waren übrigens nicht nur die drei Fahrer. „Er hat so eine große Treckerleidenschaft, deshalb habe ich auch immer daran geglaubt, dass er das auch durchzieht“, sagt Kappelhoffs Tochter Eva Kaiser. „Der Gedanke war zwar verrückt, aber einfach cool“, sagt sie und freut sich, dass die Drei ihren Traum auch wirklich umgesetzt haben.

Quelle: wa.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare