Neuer Paragraph wird angewandt

Nach tödlichem Unfall: Rasern aus Soest und Hemer droht lange Haftstrafe!

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Balve/Arnsberg - Weil sie sich ein illegales Autorennen auf der B 229 zwischen Balve-Beckum und Sundern-Hövel geliefert haben sollen und dabei einen Unfall mit einem Toten und vier Schwerverletzten verursachten, droht den Rasern aus Hemer und Soest eine Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren.

Gut zweieinhalb Monate nach dem Unfall am Abend des 1. August hat die Staatsanwaltschaft Arnsberg jetzt Anklage erhoben. Dabei sind der 41-jährige Unfallfahrer aus Hemer, der alkoholisiert war, als er frontal mit einem mit fünf Senioren besetzten, entgegenkommenden VW Golf zusammenstieß, und der 57-Jährige aus Soest nicht nur wegen fahrlässiger Tötung und vierfacher fahrlässiger Körperverletzung angeklagt, sondern auch wegen des illegalen Rennens, was erst seit Ende vergangenen Jahres als Straftat gilt. 

„Das ist das erste Verfahren in der Zuständigkeit der Staatsanwaltschaft Arnsberg und sicher auch eines der ersten in der gesamten Region, welches wir nach diesem neuen Paragrafen 315d im Strafgesetzbuch durchführen“, sagt Staatsanwaltschaft Klaus Neulken.

Zehnjährige Freiheitsstrafe möglich

Dieser sieht als Mindestmaß eine Freiheitsstrafe von einem Jahr vor. „Möglich sind als Höchstmaß aber bis zu zehn Jahre“, sagt Neulken. Bevor es zu dem verhängnisvollen Zusammenstoß auf der Bundesstraße kam, sollen sich der Hemeraner in einem gelben Audi und der Soester in einem roten Porsche mehrfach gegenseitig überholt haben.

„Das wissen wir durch die Aussagen mehrerer Zeugen und auch eines der Angeklagten“, wollte Neulken jedoch nicht sagen, welcher der beiden Raser sich geäußert hat. Als der Audifahrer dann ein weiteres Mal den Porsche überholen wollte, krachte er frontal in einen VW Golf.

So schnell prallte der Audi in den Golf

Während der Unfallfahrer nur leicht verletzt wurde, starb eine 70-Jährige aus Neheim, die in dem Golf gesessen hatte, noch an der Unfallstelle. Die vier weiteren Golf-Insassen wurden allesamt schwerst verletzt. Aus dem Gutachten des eingesetzten Unfallsachverständigen geht hervor, dass die Aufprallgeschwindigkeit des Audis 80 km/h betrug. Erlaubt sind an der Unfallstelle 50 Kilometer pro Stunde. 

„Die Kollisionsgeschwindigkeit des VW war minimal“, sagt Neulken. Der Porsche-Fahrer war nach dem Crash zunächst geflüchtet, hatte sich am Folgetag aber auf einer Polizeiwache gemeldet. Geplant war das Rennen nach derzeitigem Ermittlungsstand wohl nicht. „Wir haben keinen Anhaltspunkt, dass sich die Fahrer verabredet haben“, geht Neulken von einer zufälligen Begegnung auf der Bundesstraße 229 aus. 

Verfahren eventuell noch in diesem Jahr

Diese nutzte zumindest der Porsche-Fahrer wohl häufiger. „Seine Freundin wohnt in der Nähe“, sagt Neulken. Das Verfahren vor dem Amtsgericht Arnsberg soll eventuell noch Ende dieses Jahres eröffnet werden. 

„Wir haben nach dem Unfall die Führerscheine beider Fahrer eingezogen“, deshalb drängt jetzt ohnehin die Zeit“, so der Staatsanwalt.

Seit September 2017 eine Straftat

Seit dem 30. September 2017 werden illegale Straßenrennen nach Paragraf 315d des Strafgesetzbuches als Straftat geahndet, zuvor galten sie lediglich als Ordnungswidrigkeit. 

Kamen Menschen bei einem Rennen zu Schaden, war eine Bestrafung wegen fahrlässiger Körperverletzung oder Tötung möglich. Meist fielen die Urteile mit Bewährungs- oder Geldstrafen jedoch recht milde aus. Anlass für die Reform waren einige spektakuläre Fälle von illegalen Autorennen in Großstädten, bei denen Menschen schwer verletzt und teilweise getötet wurden und in denen Gerichte von Mordanklage bis Bewährungsstrafe höchst unterschiedliche Urteile gefällt haben.

Nach dem neuen Gesetz, das auf Initiative des Bundesrates am 29. Juni 2017 vom Plenum des Bundestages verabschiedet wurde, sind bereits Freiheitsstrafen von bis zu zwei Jahren für die Teilnahme an einem Autorennen möglich. Bis zu fünf Jahre können verhängt werden, wenn Rennteilnehmer Menschen gefährden. 

Gibt es Tote oder Verletzte, ist die Tat ein Verbrechen. Als Höchstmaß kann dann eine Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren verhängt werden.

Quelle: wa.de

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