Tödlicher Unfall auf B229: Raserprozess wird fortgesetzt

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Nur noch Schrott blieb von den Unfallautos übrig. In dem VW Golf starb eine Frau, die vier weiteren Insassen wurden allesamt schwer verletzt.

Beckum/Arnsberg – Nach der mit mehreren Sprungterminen überbrückten Sommerpause rückt die Fortsetzung des Raserprozesses im Landgericht Arnsberg näher.

Am 2. September soll der Prozess gegen zwei Männer aus Hemer und Soest fortgesetzt werden, denen die Staatsanwaltschaft die Beteiligung an einem illegalen Autorennen auf der Bundesstraße 229 zwischen Sundern-Hövel und Balve-Beckum im August vergangenen Jahres vorwirft. 

Bei der frontalen Kollision des alkoholisierten Audi-Fahrers aus Hemer mit einem am Rennen unbeteiligten VW Golf war eine Frau getötet worden. Vier weitere Insassen des Golfs wurden schwer verletzt. Aus der Sicht dieser Nebenkläger muss das mühsame Voranschreiten des Prozesses quälerisch wirken. „Am Ende läuft das noch darauf hinaus, dass wir zu diesem Zeitpunkt an jenem Ort gar nicht hätten sein dürfen“, spottete die Fahrerin des Golfs am Rande der Verhandlung. Zwei erfahrene Rechtsanwälte scheinen die Schwurgerichtskammer geradezu vor sich herzutreiben mit ihrer offensiven Verteidigungsstrategie. 

Kann Beteiligung nicht nachgewiesen werden?

Viel spricht dafür, dass der Porsche-Fahrer aus Soest sich an jenem 1. August die Fahrstrecke mit dem Hauptangeklagten teilte. Sein Mandant habe den Unfall aber nicht mehr gesehen, versicherte der Verteidiger des 58-Jährigen. Einiges spricht auch dafür, dass den beiden Angeklagten die Beteiligung an einem verbotenen Autorennen möglicherweise nicht nachgewiesen werden kann. Für die Beobachter des Prozesses ist schwer nachvollziehbar, dass belastende Aussagen des Audi-Fahrers nur deshalb nicht verwertet werden sollen, weil er zum Zeitpunkt dieser Aussagen von den Polizeibeamten noch nicht ordnungsgemäß belehrt war. 

Schwerer Verkehrsunfall zwischen Balve und Sundern

Für eine Reihe von Auskünften über sein Leben brach der 58-Jährige in der letzten Sitzung vor der Sommerpause sogar sein ansonsten recht konsequentes Schweigen. Er lebe seit vielen Jahren gerne in Soest und komme mit dem irrtümlich als stur verschrienen Menschenschlag der Westfalen gut zurecht, erklärte der Soester. Da ihm die Fahrerlaubnis aufgrund der gegen ihn erhobenen Vorwürfe vorläufig entzogen wurde, fahre er derzeit weite Strecken mit dem Fahrrad zur Arbeit. 

Porsche-Motor nach nur 839 Kilometern gewechselt

Viel Mühe verwendete der Angeklagte auf die Entschärfung der Aussage seiner Ex-Freundin, er sei nach dem Erwerb seines roten Porsche 911 derart sportlich von Zuffenhausen nach Soest gefahren, dass anschließend der Motor ausgewechselt werden musste. Dieser Austausch sei wegen eines nachgewiesenen Fabrikationsfehlers als Garantieleistung des Herstellers erfolgt, erklärte er. Der Motor sei nach nur 839 Kilometern wegen einer Öl-Undichtigkeit ausgetauscht worden. „Das ist für so ein Unternehmen auch eine Imagefrage.“ Er sei durchaus gesittet und nicht mit 6000 Umdrehungen pro Minute die 500 Kilometer vom Porsche-Werk nach Hause gefahren. 

Geradezu ins Plaudern mit dem Vorsitzenden kam der Angeklagte bei der Frage nach seinen zahlreichen Hobbys, denen er gerne im Sauerland nachgehe. Aber letztlich ging es wieder ernsthaft um die Frage, ob seinem Charakter ein verbotenes Autorennen zuzutrauen wäre: Fotos, die offenbar auf dem Timmelsjoch in den Alpen entstanden, zeigen den Angeklagten mit dem Rennfahrer Walter Röhrl. Sie seien bei einem Fahrsicherheitstraining entstanden, erklärte der 58-Jährige. 

Es geht um Fragen des Charakters

Um Fragen des Charakters ging es auch in mehreren Erklärungen des 42-Jährigen, der mit seinem Audi auf der Gegenfahrbahn mit dem Golf der Opfer kollidiert war. Der Kaufbeleg über ein erheblich PS-schwächeres Fahrzeug sollte belegen, dass es ihm nicht auf die Leistung eines Autos ankomme. Außerdem legte er vor dem Hintergrund der damaligen Trunkenheitsfahrt Bescheinigungen über einen „Abstinenzvertrag“ vor, den er im Rahmen einer Vorbereitung zur Medizinisch-Psychologischen-Untersuchung (MPU) schloss.

Mehr zum Prozess lesen Sie hier.

Quelle: wa.de

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