Maßnahmen angekündigt

A1 gilt als tödlicher Unfallschwerpunkt - so soll sich das ändern

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Abstandsmessungen von Brücken sollen Unfälle verhindern.

NRW/Hamm - Auf dem westfälischen Abschnitt der Autobahn 1 kracht es häufig. Nicht selten mit tödlichen Folgen. Das soll sich ändern.

Die Polizei, der Landesbetrieb Straßen.NRW und die Bezirksregierung Arnsberg haben Maßnahmen angekündigt, um das Fahren sicherer zu machen. 

Wichtige Ziele dabei: das Bewusstsein der Verkehrsteilnehmer für die Gefahren zu schärfen und die Aufmerksamkeit zu erhöhen. 

Das Problem: Mehr als 700 Unfälle in 2017

Auf dem Streckenabschnitt zwischen der Anschlussstelle Hamm-Bockum/Werne und dem Kreuz Wuppertal-Nord sind die Unfallzahlen „zu hoch“, sagt Christoph Söbbeler, Pressesprecher der Bezirksregierung. 

Zu viele schwere Lkw-Unfälle

2017 registrierte das Polizeipräsidium Dortmund, in dessen Zuständigkeit dieser Abschnitt fällt, 706 Unfälle, bei denen sieben Menschen getötet, 44 schwer und 342 leicht verletzt wurden. Insgesamt waren unter anderem 476 Lkw und 924 Pkw an den Unfällen beteiligt. 

Sechs Menschen starben bis zum 31. August 2018

Von Jahresbeginn 2018 bis zum 31. August wurden bei 498 Unfällen sechs Personen getötet, 32 schwer und 232 leicht verletzt. Unter anderem 408 Lkw und 597 Pkw weist die Statistik als Beteiligte an den Crashs aus. 

Der Autobahnabschnitt gilt als Unfallschwerpunkt und gerät daher nun verstärkt ins Visier der Unfallkommission, die aus Vertretern der Bezirksregierung, der Autobahnpolizei und von Straßen.NRW besteht. 

Besonderes Augenmerk liegt auf dem rund 40 Kilometer langen Stück zwischen dem Kamener Kreuz und der Anschlussstelle Volmarstein. „Jeder Getötete ist einer zu viel“, sagt Söbbeler.

Die Ursachen: Ablenkung, Tempo, Abstand

Söbbeler verweist auf eine derzeit „besondere Konstellation bedingt durch mehrere Baustellen, die sich permanent verändern“. Gerade an den Stau-Enden kracht es häufig. 

Aber: Der Baustellendichte – drei sind es derzeit auf dem betreffenden Abschnitt – die Schuld an steigenden Unfallzahlen zuzuweisen, greife zu kurz. Das betonen sowohl Söbbeler als auch Kim Freigang, Pressesprecher der Dortmunder Polizei. 

Baustelle: Die A1 ab Kreuz Dortmund/Unna voll gesperrt

Faktor Mensch bleibt entscheidend

Ja, Baustellen seien „neuralgische Punkte“, und mit der Bildung von Staus steige das Risiko von Auffahrunfällen, so Freigang. Sie seien deshalb aber nicht „Unfallfaktor Nummer eins“. 

Entscheidend bleibe der „Faktor Mensch“, das Verhalten hinter dem Steuer. Häufige Gründe für folgenreiches Fehlverhalten einzelner Verkehrsteilnehmer: Ablenkung, zu hohe Geschwindigkeit oder zu geringer Abstand. 

Das soll sich ändern – Lkw- und Autofahrer sollen sensibilisiert werden. „Wir“, betonen Söbbeler und Freigang, „wollen in die Köpfe der Menschen.“ Mit dem Ziel, das Fahrverhalten den Umständen anzupassen.

Die Maßnahmen: Kontrollen und Aufklärung

Das „breite Maßnahmenpaket“ ist eine Mischung aus Repression und Prävention, betont Freigang. Die Polizei will Präsenz zeigen. Es soll verstärkte Radarkontrollen geben. 

Durch Kameras auf Brücken wollen die Beamten Fahrer beobachten. So wird zum Beispiel kontrolliert, ob der Sicherheitsabstand eingehalten wird, ob jemand aufs Handy schaut oder ob Lkw-Überholverbote beachtet werden. 

Warnung vor Risikostrecke 

Über den CB-Funk, der in Lkw verbaut ist, will die Polizei rechtzeitig mehrsprachige Durchsagen machen und vor der Risikostrecke warnen. Dem gleichen Zweck dienen beispielsweise auch „Fernfahrer-Stammtische“, die die Polizei an Raststätten durchführt. 

Zudem sollen Plakate auf den unfallträchtigen Streckenabschnitt aufmerksam machen Stauwarnanlagen gegebenenfalls verändert werden. Das Ganze sei ein dynamischer Prozess, sagt Söbbeler: „Wir werden das sukzessive immer wieder beobachten und an Stellschrauben drehen, um die Unfallentwicklung in den Griff zu bekommen.“ 

Wichtig ist Freigang in diesem Zusammenhang aber: Auch wenn sicherlich nicht alles ideal laufe – „der Großteil der Lkw ist sicher unterwegs“.

Blind am Steuer

  • Ablenkung am Steuer kann tödlich enden. Drei Sekunden bei 50 Kilometern die Stunde aufs Handy gucken bedeutet 20 Meter blind fahren. Das erklärte Polizei-Pressesprecher Kim Freigang. Verstärkt werden kann das Ganze noch durch Ermüdung. 
  • Heute gebe es zwar immer mehr Hilfs- und Assistenzsysteme, die das Fahren sicherer machen sollen. Aber das bedeute auch, „dass man mehr abgelenkt werden kann“, erklärt Freigang. Der Pressesprecher wies unter anderem auf das gemeinhin „Mäusekino“ genannte Display hin, das inzwischen in so gut wie jedem Auto zu finden ist.

Quelle: wa.de

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