1. Soester Anzeiger
  2. Nordrhein-Westfalen

Tierschützerin befürchtet 2023 in Dortmund „die Hölle“

Erstellt:

Von: Dennis Liedschulte

Kommentare

Der Tierschutzverein Arche90 ist aufgrund von Corona und Inflation im Dauereinsatz. Und 2023 könnte es noch schlimmer werden, vermutet die Gründerin.

Dortmund – Manchmal fragen Freunde Gabi Bayer, warum sie sich das eigentlich alles noch antut. Die Antwort ist simpel und zeugt von einer Empathie, die in aktuellen Zeiten wohltuend wirkt. Aus Überzeugung, sagt sie in einem Gespräch mit RUHR24. Doch Corona, Inflation und Energiekrise erschweren die Arbeit der Tierschützer des Vereins Arche90 in Dortmund immens. Eine Befürchtung nähert sich zudem wie eine tiefschwarze Wolke. Das Jahr 2023 könnte schlimmer werden. Viel schlimmer.

Tierschützer aus Dortmund: Corona, Inflation, Gas- und Stromkrise sorgen für Dauereinsatz

Gas-, Strom- und Tierfutterpreise explodieren. Tierhalter haben weniger Geld. Eine neue Gebührenordnung sorgt seit dem 22. November für erhöhte Kosten bei Tierärzten. Tierschützer in Dortmund und anderswo arbeiten unentgeltlich. Sie spüren die komplette Härte der Krise in ihrer ehrenamtlichen Arbeit. Spenden kommen nicht mehr so zahlreich rein, wie noch vor zwei oder drei Jahren (mehr News aus Dortmund bei RUHR24).

Auch die Corona-Pandemie spielt eine Rolle. Noch immer. So haben sich viele Menschen in den vergangenen drei Jahren Tiere zugelegt. Jetzt, aber auch schon im Jahr 2021, wurden diese „entsorgt“, wie es Gabi Bayer traurig ausdrückt.

Die Dortmunderin erzählt auch von der Situation bei der Arche90. Zuletzt hat es weniger Beiträge auf der Homepage des Tierschutzvereins gegeben. Warum? Ganz einfach, erklärt sie. Auch das Team habe mit Krankheiten wie Erkältungen und Corona zu kämpfen. Hinzu habe man schlicht und einfach keine Zeit.

Tierschützerin aus Dortmund berichtet: Extreme Fälle von Verwahrlosung häufen sich

Es gebe viele heftige Fälle, bei denen man die Verursacher auch vor der Öffentlichkeit schützen muss. Bei Messihaushalten rette man nicht nur Tiere, sondern auch Menschen und rückt mit Jugendamt und dem Sozialpsychiatrischen Team der Stadt Dortmund an. Von herumliegenden Fäkalien, sowohl tierischen als auch menschlichen Ursprungs, ist die Rede.

Wie anfangs erwähnt: Gabi Bayer ist Tierschützerin mit Leib und Seele. Doch ein Privatleben hat sie nicht. Aber Aufhören kommt nicht infrage. Viel mehr will sie auf die Situation aufmerksam machen, die Ende 2022 herrscht und sich 2023 weiter dramatisieren könnte.

Spenden an Arche90

Alle Mitglieder der Arche90 e.V. arbeiten auf ehrenamtlicher Basis. Der Verein finanziert sich ausschließlich durch Spenden und Mitgliedsbeiträgen.

Weniger als 15 % der Spendengelder entfallen bei der Arche90 e.V. auf Sachkosten des Vereins, hier vor allem auf die Gebühren für die unbedingt erforderlichen Telefonanschlüsse einschließlich des Notruf-Telefons für Polizei und Feuerwehr und der Handys unserer Mitglieder im Notdienst.

Der Großteil der Spendengelder und Mitgliedsbeiträge wurde und wird deshalb für angefallene Tierarztrechnungen, Material im Notdienst, Futter und Streu ausgegeben. Allein im Jahr 2012 wurden z. B. ca. 104.000 Euro an Tierarztkosten für verletzte Tiere etc. gezahlt, Tendenz steigend!

Ihre Spende bzw. Ihr Mitgliedsbeitrag kommt ausschließlich der Arbeit für Tiere zugute!

WICHTIG: Spenden und Mitgliedsbeiträge sind steuerlich absetzbar. Erbschaften und Vermächtnisse sind steuerbefreit. Bis zu einem Betrag von 200 Euro gilt der Eintrag auf Ihrem Kontoauszug als Spendennachweis. Bei Beträgen darüberhinaus erhalten Sie eine Spendenquittung, wenn Ihre vollständige Adresse als Verwendungszweck auf der Überweisung vermerkt ist.

Sparkasse:
IBAN: DE25 4405 0199 0531 0032 84
BIC: DORTDE33XXX

Volksbank Dortmund-Nordwest
IBAN: DE69 4406 0122 4090 6544 00
GENODEM1DNW

Man könne nicht mehr alle Anfragen bearbeiten. Die Leute stehen mit Boxen vor der privaten Adresse und geben Tiere ab. Notsuchende fragen, ob der Verein Tierarztkosten übernehmen kann. Aber auch die Arche90 hat ihre Grenzen – sowohl finanziell als auch persönlich.

Dortmunder Tierschutzverein Arche90: Besonders ärmere Menschen sind im Fokus

Die Dortmunderin ist seit 1990 Tierschützerin und hat den Verein Arche90 mitgegründet. Ihre Beobachtung: Besonders ärmere Menschen haben viele, zu viele Tiere. Der Wunsch, sich mit Lebewesen zu umgeben, nimmt besonders dann gefährliche Züge an, wenn man sein eigenes Leben nicht mehr unter Kontrolle hat. Viele haben ein gutes Herz. Tiere geben ihnen Halt. Doch es gibt auch die andere Seite – ein berechnendes und gefährliches Kalkül.

In Dortmund und anderswo gibt es Fälle von Menschen, die Tiere für Profit züchten. Sie wollen Hunde, Katzen, Hasen oder Meerschweinchen auf bekannten Internetplattformen feilbieten, vernachlässigen dabei aber die Gesundheit der Tiere. Das sei eine katastrophale Situation.

Tierheim Tierschützerin Arche90 Dortmund 2023
Dortmunder Tierschützerin der Arche90 befürchtet ein schlimmes Jahr 2023 © Schaper/Imago

Die Mitgründerin des Vereins Arche90 schaut auf eine düstere Zukunft. Das Ende des Jahres 2022 sei lediglich ein Vorgeschmack auf das Jahr 2023. Als Tierschützerin hat sie aufgehört, an Wunder zu glauben. Natürlich würde sie sich Unterstützung von der Stadt Dortmund oder den politischen Parteien wünschen. Für ein paar Monate Tankgutscheine, das würde schon ein Anfang sein. Aber bislang ist da nichts gekommen und stets bleibt der Verein auf den Kosten sitzen.

Stadt Dortmund hilft nicht – Tierschützerin der Arche90 befürchtet ein schlimmes Jahr 2023

Wenn ein Hund angefahren wird, rufen Polizei und Feuerwehr die Tierschützer in Dortmund. Sie bringen das verletzte Tier in eine Klinik – eine Notoperation ist die Folge. Werden die Halter gefunden, dann weigern sie sich, Kosten zu übernehmen. Man habe der lebensrettenden (und teuren) OP nicht zugestimmt.

Gabi Bayer berichtet gegenüber RUHR24 lediglich einen Bruchteil der Ereignisse. Sie hat aber eine schlimme Befürchtung. Ein komplettes Jahr mit hohen Strom- und Gaspreisen sowie einer drückenden Inflation könnte für noch dramatischere Fälle sorgen. „Ich garantiere euch, in Dortmund wird die Hölle los sein“, sagt sie.

Auch interessant

Kommentare