ThyssenKrupp will Schlussstrich: Spekulation um Stahlwerke-Verkauf

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ThyssenKrupp will Stahlwerke zeitnah loswerden - wie das am werkseigenen Hafen an der Bucht von Sepetiba bei Rio de Janeiro.

ESSEN - Seit einem Jahr will ThyssenKrupp seine Stahlwerke in Übersee loswerden. Die riesigen Anlagen wurden für das Unternehmen zum Milliardengrab. Konzernchef Hiesinger würde das Kapitel gern rasch abschließen. Doch ein Ende der Verhandlungen ist noch nicht in Sicht.

Der angeschlagene ThyssenKrupp-Konzern ringt um den Schlussstrich unter das Milliarden-Debakel beim Stahl in Übersee: Vor fast genau einem Jahr hatte Konzernchef Heinrich Hiesinger die Anlagen in Brasilien und den USA zum Verkauf gestellt, nachdem sich die Werke als gigantische Fehlinvestition entpuppt hatten. Seitdem haben Spekulationen über einen Verkauf Hochkonjunktur. Mit der Ankündigung, dass ein Abschluss "zeitnah" erfolgen könnte, hat der Konzern nun Hoffnungen geweckt.

Die Stahlwerke in Übersee sind derzeit wohl die größte Baustelle unter den zahlreichen Problemfeldern des Konzerns. Vor allem Abschreibungen für die Anlagen in Brasilien und den USA hatten den Konzern im zurückliegenden Geschäftsjahr mit fünf Milliarden Euro tief in die roten Zahlen gestürzt.

Die bisherige Bilanz des einst ambitionierten Projekts fällt schon heute düster aus. Nach einem Gesamtaufwand von rund zwölf Milliarden Euro stehen die Anlagen heute noch mit 3,9 Milliarden Euro in den Büchern. Völlig unklar ist derzeit, ob der hoch verschuldete Konzern selbst diesen Preis bei einem Verkauf noch erzielen kann.

Vor allem an der Börse ist die Nervosität derzeit groß. Schon Medienspekulationen über mögliche Verzögerungen bei dem Verkauf hatten in dieser Woche den Kurs auf Achterbahnfahrt geschickt. Nach einem kräftigen Rückgang am Donnerstag ging es am Freitag nach der Mitteilung des Unternehmens wieder deutlich aufwärts.

Mit dem Hinweis auf eine möglicherweise "bis zum Mai" bevorstehende Unterzeichnung der Verträge hatte Hiesinger zuletzt im Februar die Erwartungen befeuert. Noch im laufenden Geschäftsjahr 2012/2013 (30.9.) sei dann mit dem endgültigen Abschluss des Geschäfts zu rechnen, hatte der Konzernchef damals in Aussicht gestellt.

Eine mögliche Veröffentlichung der lang erwarteten Nachricht zusammen mit der Vorlage der Quartalszahlen am 15. Mai sei jedoch "eher unwahrscheinlich", hieß es am Freitag aus unternehmensnahen Kreisen. Ein schnelles Ende der Zitterpartie in den kommenden Tagen scheint damit nicht in Sicht.

Verhandelt werde mit mehreren brasilianischen Interessenten, darunter mit dem Rohstoffkonzern Vale, der an dem Stahlwerk in Brasilien beteiligt ist, hieß es am Freitag. Gespräche mit dem Partnerunternehmen Vale hatte ThyssenKrupp schon vor einem Jahr bestätigt.

Für Konzernchef Hiesinger drängt jedoch die Zeit: Nach seinen Planungen soll es bereits ab dem kommenden Geschäftsjahr 2013/14 bei ThyssenKrupp wieder aufwärts gehen. Dann will der 2011 von Siemens zu ThyssenKrupp gewechselte Manager die ersten Früchte seiner Umbauarbeiten und Sparprogramme ernten. Schwierige Baustellen hat er auch so noch genug.

Quelle: wa.de

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