Teilgeständnis nach Geiseldrama und Amok-Schüssen am Düsseldorfer Hauptbahnhof

+
Ein Häufchen Elend auf der Anklagebank. Frank Willmar M. soll möglicherweise dauerhaft in einer Psychiatrie untergebracht werden.

DÜSSELDORF - Ein 48 Jahre alter Bochumer hat gestanden, vor knapp sechs Monaten am Düsseldorfer Hauptbahnhof eine junge Frau als Geisel genommen und sie durch einen Kopfschuss lebensgefährlich verletzt zu haben.

Zum Prozessauftakt vor dem Düsseldorfer Landgericht räumte der arbeitslose Maler und Lackierer ein, bei einer Polizeikontrolle Panik bekommen zu haben.

Seit gestern muss der Angeklagte sich unter anderem wegen versuchten Mordes und Geiselnahme verantworten. Laut Staatsanwaltschaft leidet er unter schizophrenen Wahnvorstellungen. Der Bochumer selbst erklärte vor Gericht, er sei in der Vergangenheit bereits mehrfach in psychiatrischer Behandlung gewesen. Zuletzt habe er zurückgezogen in einem Mehrfamilienhaus gelebt. Seine letzte Freundin sei bereits Mitte der 1990er Jahre verstorben, seine Mutter vor vier Jahren. Er selbst sei seit 17 Jahren arbeitslos.

Großes Interesse hatte der frühere Schulhausmeister nach eigenen Angaben lediglich an Waffen. Am Tattag sei er mit sechs Pistolen nach Düsseldorf gereist, um sie in einem Fachgeschäft auf der Königsallee überprüfen zu lassen. Bei der Kontrolle durch die Polizei im Bahnhof sei er in Panik geraten, weil er Angst gehabt habe, die Waffen abgeben zu müssen. Er habe deshalb zunächst in der Bahnhofshalle in die Luft geschossen, bevor er auf den Bahnhofsvorplatz geflüchtet sei. Hier habe er die 22-jährige Studentin als „Schutzschild“ genommen, wie er sagte.

„Um die Polizisten loszuwerden, wollte ich der Frau knapp am Ohr vorbeischießen. Sie hat aber so gezappelt, dass der Schuss nicht am Kopf vorbei, sondern in den Kopf gegangen ist“, sagte der Angeklagte in seinem Geständnis. „Eigentlich wollte ich nur einen Warnschuss abgeben. Ich habe ihr extra gesagt, sie soll nicht so zappeln.“

Nach dem Schuss auf die Frau war der Bochumer von der Polizei überwältigt worden. In seiner Wohnung entdeckten die Ermittler später ein ganzes Waffenarsenal. Neben zahlreichen Schusswaffen habe man hier auch eine Armbrust und Äxte gefunden, sagte die Staatsanwältin.

Im Prozess soll nun geprüft werden, ob der Mann zum Tatzeitpunkt schuldfähig war oder nicht. Laut Gutachten leidet er unter schizophrenen Wahnvorstellungen. „Wir gehen davon aus, dass auch in Zukunft die Gefahr besteht, dass der Angeklagte erhebliche Straftaten begehen könnte“, so die Vertreterin der Anklage. Sie forderte deshalb die dauerhafte Unterbringung des Mannes in der Psychiatrie.

Wie die Staatsanwaltschaft erklärte, war der Angeklagte schon vor gut 20 Jahren durch eine ungewöhnliche Serie von Straftaten aufgefallen. Damals hatte er einer Arzthelferin aus einer psychiatrischen Praxis nachgestellt und an rund 100 Stellen in Dortmund und Umgebung den Namen „Claudia“ an Wände gesprüht. Er sei später als „Claudia-Sprayer“ verurteilt worden. - dapd

Quelle: wa.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare