Sturmschäden an Deichen: "Bäume gehören da nicht hin"

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Ein umgestürzter Baum liegt in Düsseldorf auf dem Rheindeich. Am Düsseldorfer Rheindeich liegen auch mehr als vier Wochen nach dem Sturmtief "Ela" noch viele umgestürzte Bäume herum. Mit Urgewalt hatte der Orkan selbst mächtige Gewächse aus dem Boden gerissen. Wo riesige Wurzeln Jahrzehnte lang für sicheren Halt sorgten, klaffen jetzt große Löcher im Deich - eine Gefahr für den Hochwasserschutz.

DÜSSELDORF - Bäume auf der Deichkrone sehen schön aus. Sie sind aber eine Gefahr für den Hochwasserschutz. Stürzen sie in Sturm oder Strömung, ist der Deich kaputt.

An den Rheindeichen in Düsseldorf liegen auch mehr als vier Wochen nach dem Sturmtief "Ela" noch viele umgestürzte Bäume. Mit Urgewalt hatte der Orkan selbst mächtige Gewächse aus dem Boden gerissen. Wo riesige Wurzeln den Stämmen Jahrzehnte lang sicheren Halt verschafften, klaffen jetzt große Löcher im Deich - eine Gefahr für den Hochwasserschutz.

Experten sind davon nicht überrascht. "Bäume haben auf Deichen nichts zu suchen", sagt Prof. Holger Schüttrumpf, Leiter des Instituts für Wasserbau und Wasserwirtschaft an der Technischen Universität Aachen. Landschaftlich reizvolle, schattige Wege auf der Deichkrone erfreuen Radler und Spaziergänger - der Deich als Wehrbau gegen starke Fluten wird aber durch Pappel, Ahorn und Co. nur geschwächt. "Bäume stehen da nur noch aus Naturschutz- oder ästhetischen Gründen", sagt Schüttrumpf. "Sie bieten Wind und steigendem Wasser Angriffspunkte, die es sonst nicht gäbe."

Wenn sie dann mitsamt den Wurzelballen stürzen, reißen sie den ausgeklügelt konstruierten Deich auf. Der ist nicht einfach ein Wall aus aufgehäufter Erde, sondern ein sehr genau berechnetes, kompliziertes Bauwerk. Einen beschädigten Deich wieder instand zu setzen, bedeutet mehr als nur Erdreich aufzufüllen. Er muss an den Schadstellen neu wieder aufgebaut werden.

Damit hat Klaus-Henning Rolfs zu tun, der Leiter des städtischen Entwässerungsbetriebs in Düsseldorf und damit verantwortlich für den Hochwasserschutz. "Wir werden neue Bäume pflanzen, aber nicht auf dem Deich", sagt Rolfs. Und nicht nur jene Bäume werden verschwinden, die ohnehin schon auf dem Boden liegen. Auch solche, die noch stehen, aber gefährdet sind, werden entfernt. Das gesamte Wurzelwerk wird dann mit herausgefräst.

Im Nachbarland ist man da nicht zimperlich: Die ständig vom Wasser bedrohten Niederländer fällen hunderte von Bäumen, wenn ein Deich dadurch sicherer wird. "Das macht Sinn", stellt der Aachener Experte Schüttrumpf aus der Sicht des Hochwasserschutzes fest. Er weiß aber auch, dass es oft um Kompromisse geht - es gibt ja auch Baumschützer. Auch Rolfs muss sich immer mit anderen Behörden abstimmen, bevor er seine Arbeiter zum Fällen schickt.

So werden auch angesichts der Gefahr die meisten Bäume wohl doch in Ruhe gelassen - das sieht schön aus, und so schnell wird es einen solchen Sturm wohl nicht wieder geben. Auch ein Hochwasser muss schon gewaltig sein, bevor es den Deich wirklich bedroht. Schüttrumpf warnt allerdings davor, die Probleme zu unterschätzen: "Der Deich muss erst im Extremfall funktionsfähig sein. Vorher hat er ja gar keine Funktion. Wenn aber ein wirkliches Hochwasser auf einen beschädigten Deich trifft, dann ist die Katastrophe da." Die Periode möglicher Rhein-Hochwasser beginnt am 1. November. Bis dahin muss auch Deichbauer Rolfs den Schutz vor den Fluten wieder in Ordnung bringen. - dpa

Quelle: wa.de

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