Studie soll klären, ob Fracking Gefahren birgt

WESTFALEN - Tief im Gestein liegen große Schiefer- und Kohleflözgasvorkommen. In Zeiten knapper werdender Rohstoffe haben Konzerne wie Exxon Mobil ein Auge darauf geworfen. Um das Gas aus dem Stein zu bekommen, müssen Chemikalien eingesetzt werden. Droht eine Grundwasser-Verseuchung?

Von Georg Ismar

Lange hat es gedauert, bis sich Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) des Themas mit dem sperrigen Namen „Fracking“ angenommen hat. Auch das ihm untergeordnete Umweltbundesamt (UBA) in Dessau hatte lange Zeit keine Ahnung, dass bereits eifrig mögliche Bohrgebiete für eine stärkere unkonventionelle Gasförderung in Deutschland abgesteckt werden. Eine Studie soll nun klären, ob bei der Förderung von Erdgas aus tiefen Gesteinsschichten Gefahren etwa für das Trinkwasser bestehen. Das UBA hält Fracking für ein größeres Risiko als die unterirdische Speicherung des Klimakillers CO2.

Was für viele Teufelszeug ist, birgt aus Sicht der Energiekonzerne Chancen, Deutschland unabhängiger von Gasexporten zu machen. Und tausende neue Arbeitsplätze könnten entstehen. Bei der Frac-Methode wird mit hohem Druck ein Wasser-Sand-Gemisch hunderte Meter tief in den Boden gepresst, auch unter Zusatz von Chemikalien. So entstehen Risse, durch die das Gas entweichen kann. Bürgerbewegungen fürchten, dass Böden durch Bohrungen mit giftigen Chemikalien verseucht werden.

Der Wirtschaftsverband der Erdöl- und Erdgasgewinnung (WEG) sagt, in Deutschland decke die Eigenproduktion von konventionellem Erdgas nur 15 Prozent des Verbrauchs. „Hier könnten heimisches Schiefergas und Kohleflözgas einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit leisten.“

Bei rund 300 Fracs, die in Deutschland bisher durchgeführt worden sind, „hat es keinen einzigen Fall mit einer Beeinträchtigung des Trinkwassers gegeben“, betont WEG-Fachmann Hartmut Pick. Zudem würden die Länder von Förderabgaben auch finanziell profitieren. „In den letzten 10 Jahren waren dies über 7 Milliarden Euro“, so Pick – das Geld floss aber vor allem für die konventionelle Förderung.

In einer Studie der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) heißt es: „Seit 2008 haben hierzulande Explorationsaktivitäten auf nicht-konventionelle Erdgasvorkommen (...) begonnen.“ Die BGR ist vom Bundeswirtschaftsministerium beauftragt worden, das Potenzial des „Shale Gases“ – Erdgas aus Tonsteinen oder Schiefergas – auch für Deutschland festzustellen. Das niedersächsische Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) kommt allein für seinen Bereich bisher auf 130 Bohrungen und 260 Frac-Behandlungen. „In diesem Zusammenhang sind keine Umweltschäden bekannt geworden“, wird auch hier betont.

Neue Konzessionsflächen zur Erkundung des Untergrundes nach nicht-konventionellen Erdgaslagerstätten wurden zuletzt vor allem in Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Niedersachsen vergeben. Die Fläche sei 2010 um fast 5000 auf etwa 97 000 Quadratkilometer angewachsen. Die globalen Reserven werden höher eingeschätzt als die konventionell zu fördernden Gasschätze.

Die Energy Information Administration (EIA) der USA kommt in einer Studie zu dem Ergebnis, dass besonders der Ölriese Exxon Mobil auf Deutschlands Shalegas-Reserven ein Auge geworfen hat. Die technisch erschließbaren Ressourcen in Deutschland werden von der EIA immerhin auf acht Billionen Kubikfuß geschätzt – das nimmt sich klein aus im Vergleich zu 862 Billionen Kubikfuß, die man in den USA vermutet.

Es ist der klassische Konflikt Ökonomie versus Ökologie in Zeiten knapper werdender Rohstoffe – und Gaskraftwerke sollen bei der Energiewende eine tragende Rolle spielen. Sie sind klimafreundlicher als Kohlekraftwerke und können flexibel auf die schwankende Stromerzeugung von Solar- und Windkraftanlagen reagieren. - dpa

Quelle: wa.de

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare