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Streik an Unikliniken in NRW betrifft auch Patienten – „erhebliche“ Folgen erwartet

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Von: Florian Forth

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Mitarbeiter der Unikliniken in NRW treten ab sofort in den Streik. Sie fordern bessere Arbeitsbedingungen. Das hat Folgen für die Patienten.

Dortmund – Zahlreiche Mitarbeiter der sechs Unikliniken in Nordrhein-Westfalen treten ab Montag (2. Mai) in einen unbefristeten Streik. Das hat die Gewerkschaft Verdi bei einem Pressegespräch am Morgen bekannt gegeben. Die Angestellten fordern bessere Arbeitsbedingungen.

Bundesland:Nordrhein-Westfalen
Vorfall:Streik an Uniklinken
Beginn:2. Mai 2022

Streik an NRW-Unikliniken ab 2. Mai: Mitarbeiter fordern Tarifvertrag

Der Streik beginnt am Montag. Bereits am Mittwoch (4. Mai) sollen sich weitere Mitarbeiter anschließen, um den Druck auf die Arbeitgeber zu erhöhen. Dieser soll mit einem Tarifvertrag unter anderem für eine bessere Personalausstattung und Freizeitausgleich sorgen, fordern die Angestellten.

In einer Urabstimmung zum Streik hatten 98 Prozent dafür gestimmt. Rund 36.000 Menschen arbeiten in den sechs Unikliniken in NRW. Wie viele davon an der Abstimmung teilgenommen haben, sagte Verdi nicht.

Zuvor war ein 100-tägiges Ultimatum an den Arbeitgeberverband ADL abgelaufen. Diesen hatte Verdi mehrfach zu Tarifverhandlungen aufgefordert, aber nach eigenen Angaben keine Reaktion erhalten. Schmidt appellierte erneut an die Landespolitik, den ADL zu Gesprächen zu bewegen.

Streik an NRW-Unikliniken: Mitarbeiter sind laut Verdi „frustriert und enttäuscht“

Die Stimmung in den Unikliniken in NRW scheint bedrückend zu sein. Mitarbeiter seien „frustriert und enttäuscht“, sagte Verdi-Landesbezirksleiterin Gabriele Schmidt. Mitunter müssten sich Pfleger jedoch um 20 Patienten zugleich kümmern, deren Sterblichkeit steige dadurch. „Wir haben es hier mit einem Notruf zu tun“, sagt die Gewerkschafterin.

Verdi-Landesleiterin Gabriele Schmidt ruft zum Streik an den Unikliniken auf.
Verdi-Landesbezirksleiterin Gabriele Schmidt ruft zum Streik an den Unikliniken auf. © Anja Cord/Imago

Lisa Schlagheck, Krankenpflegerin in der Uniklinik Münster, sprach von einer großen Belastung: „Wir arbeiten regelmäßig unterbesetzt, es gibt aber keine Konsequenzen.“ Dass auch nach Monaten noch kein Gesprächsangebot vorliege, mache sie „sehr, sehr sauer“. Ihre Forderung: eine bessere Personalbesetzung – und Konsequenzen, wenn Schichten unterbesetzt sind.

Aktuell gelte in den Unikliniken aus ihrer Sicht: „Nicht der Streik gefährdet die Patienten, sondern der Normalzustand.“

Verdi-Streik an Unikliniken in NRW hat Folgen für die Patienten

Auch für die Patienten in den Unikliniken in NRW wird der Streik Folgen haben. Denn nicht nur Pfleger, sondern auch Angestellte etwa aus den Küchen und anderen Bereichen der Kliniken legen ab sofort die Arbeit nieder.

Doch so einfach wie anderswo ist ein Streik in einem Klinikum nicht. Deshalb wurden mit den Unikliniken in Münster, Bonn und Köln bereits Notfallpläne unterzeichnet. Ihre Umsetzung soll die Versorgung der Patienten sicherstellen. In Essen und Düsseldorf werde noch an den Plänen gearbeitet. Aachen hatte sich geweigert, einen Notfallplan zu unterschreiben.

Bestreikt werden diese sechs Unikliniken in Nordrhein-Westfalen:

Dazu sollen, wie bei früheren Streiks, einzelne Stationen geschlossen oder weniger Betten belegt werden. Von einem durchgehenden Streik hatte Verdi abgesehen, auch aus Rücksicht auf die Patienten. Mit einem Chaos in den Kliniken müssten diese also nicht rechnen, sagt Rech.

Auch in den kommenden Tagen soll es einen geregelten Streik geben, ein Ende ist aber nicht festgelegt. „Wir entscheiden von Woche zu Woche“, heißt es von Verdi. Die Hoffnung: kurzfristige Verhandlungen mit der ADL.

Uniklinik Münster erwartet wegen Streik „erhebliche Einschränkungen“

Die Uniklinik in Münster hat auf den Streik bereits reagiert. Sie erwartet „erhebliche Einschränkungen in den Ambulanzen und bei stationären Aufnahmen.“ Termine müssten abgesagt beziehungsweise verschoben werden, heißt es auf der Internetseite des UKM. Ein Krisenstab wurde eingerichtet.

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