Was Reisende wissen müssen

Lokführer streiken seit 21 Uhr - NRW stark betroffen

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DÜSSELDORF - Bahnreisende müssen sich auf empfindliche Störungen einstellen. Die Gewerkschaft der Lokomotivführer (GDL) hat ihre Mitglieder zu einem bundesweiten befristeten Streik aufrufen - von Dienstag um 21 Uhr bis Mittwoch um 6 Uhr in der Früh.  Nach Angaben einer Bahnsprecherin wird NRW aufgrund seiner wichtigen Knotenbahnhöfe in Köln, Düsseldorf und im Ruhrgebiet erheblich von den Folgen betroffen sein. Die Bahn rechnet mit Auswirkungen bis in die Mittagsstunden. Was Reisende wissen müssen, finden Sie hier.

Live-Ticker

Wir berichten Mittwoch ab 5 Uhr in einem Ticker über die Auswirkungen des Streiks. Dort finden Sie auch zahlreiche Links, über die Sie herausfinden können, ob Ihr Zug pünktlich fährt. Überdies hat die Bahn ein Infotelefon unter 08000-996633 eingerichtet. Auf unserer Facebook-Seite können Sie uns schreiben, inwieweit Sie selbst vom Streik betroffen sind - oder schicken Sie uns eine E-Mail an internet@wa.de.

Die Streiks der Lokführer sollen die Bahn bundesweit lahmlegen: Von Dienstagabend an soll der Schienenverkehr für neun Stunden komplett ruhen. Doch auch danach könnten Reisende die Folgen noch zu spüren bekommen.

Welche Züge sind vom Streik betroffen?

Die GDL ruft alle Lokführer der Deutschen Bahn bundesweit von Dienstagabend 21 Uhr bis Mittwochmorgen 6 Uhr zu Streiks auf. Sowohl ICE- und IC-Züge als auch S- oder Regionalbahnen können betroffen sein. Welche Züge konkret ausfallen oder sich verspäten, hängt davon ab, wie viele Lokführer sich an den Streiks beteiligen.Geplant ist ein flächendeckender Streik, regionale Schwerpunkte nannte die GDL nicht.

Die Privatbahnen Abellio, Nordwestbahn und Eurobahn sind nach eigenen Angaben vom Streik der Lokomotivführer zwar nicht direkt betroffen. Trotzdem kann der Streik sich auch auf ihr Angebot auswirken. Wenn die DB nicht fahre und Züge in Bahnhöfen stehen bleiben, könne dies auch zu Behinderungen für den eigenen Verkehr führen, sagt beispielsweise Abellio-Pressesprecher Peter Werz. Auch können die eigenen Züge voller sein als gewöhnlich.

Welchen Sinn hat eigentlich ein Streik in der Nacht?

Die GDL sagt, sie wolle mit ihren Streiks zwar die Bahn treffen, aber die Unannehmlichkeiten für die Fahrgäste so gering wie möglich halten. Außerdem wolle man das Ausmaß der Streiks langsam steigern, um die Bahn zum Einlenken zu zwingen.

Wie lange drohen Verspätungen nach Streikende?

Die Bahn rechnet damit, dass die Folgen der Arbeitsniederlegungen auch am Mittwoch nach 6 Uhr früh zu spüren sein werden. "Es ist mit erheblichen Beeinträchtigungen im morgendlichen Berufsverkehr zu rechnen", teilte die Bahn mit. Voraussichtlich werde es Auswirkungen bis in die Mittagsstunden geben.

Was passiert mit Fahrgästen, die zum Streikbeginn noch im Zug sitzen?

Vor allem Bahnreisende auf längeren Strecken sollten ihre Route vorher genau checken und Ausweichmöglichkeiten prüfen. Die GDL will die Züge zwar nicht mitten auf der Strecke stoppen, ab 21 Uhr könnten Bahnreisende aber dennoch unterwegs stranden: "Wir steuern dann den nächstgelegenen Bahnhof an", sagt GDL-Sprecher Stefan Musiol. ICE-Züge sollen im nächsten ICE-Bahnhof zum Stehen kommen. Für Reisende ist dann dort unter Umständen Endstation. Zwar bemühe sich die Bahn, Reisende von dort an ihr Ziel zu bringen. "Wir befürchten allerdings, dass dies nicht in jedem Einzelfall möglich ist", sagte ein Bahnsprecher. "Wir empfehlen dringend, auf Züge auszuweichen, die um 21 Uhr am Ziel sind."

Wo gibt es Auskünfte?

Ab 18 Uhr ist eine kostenlose Servicenummer unter 0800 0 99 66 33 geschaltet. Während des Streiks sollen Bahnmitarbeiter aus der Verwaltung - auch Führungskräfte - das Personal an den Bahnhöfen unterstützen, wie ein Sprecher sagte. Zum Beispiel als Info-Kräfte. Weitere Infos gibt es im Internet auf der Homepage der Bahn.

Was tut die Bahn noch, um die Auswirkungen des Streiks zu mildern?

Am Wochenende hatte die Bahn in der "Bild am Sonntag" für den Streikfall Notfahrpläne angekündigt, auch Busersatzverkehr sollte eingesetzt werden, wenn dies möglich sei. Nun sagte der Bahnsprecher allerdings: "Einen Notfahrplan kann ich nicht bestätigen. Wir wissen überhaupt noch nicht, wo genau gestreikt wird. Das gleiche gilt deshalb für den Ersatzverkehr."

Ab welcher Verspätung bekommen Bahnfahrer eine Entschädigung?

Kommt ein Fahrgast mindestens eine Stunde zu spät am Ziel an, muss das verantwortliche Bahnunternehmen ihm 25 Prozent des Fahrpreises erstatten. Bei zwei Stunden Verspätung sind es 50 Prozent. Der Aufpreis für den ICE-Sprinter wird schon ab 30 Minuten Verspätung des Sprinters erstattet. Maßgeblich ist die Ankunftszeit am Zielort: Ist also ein erster Zug nur fünf Minuten verspätet und kommt ein Bahnkunde durch einen dann verpassten Anschlusszug über eine Stunde später am Zielort an, erhält er eine Entschädigung. Wird im schlimmsten Fall eine Übernachtung nötig, muss die Bahn die Kosten für ein Hotelzimmer tragen.

Wie entschädigt die Bahn Pendler mit Zeitkarten?

Besitzer von Streckenzeitkarten erhalten bei Verspätungen von einer Stunde eine pauschale Entschädigung. Bei Zeitkarten im Nahverkehr gibt es in der zweiten Klasse 1,50 Euro. Im Fernverkehr sind es pauschal fünf Euro.

Können Bahnfahrer bei einer Verspätung auch von einer Reise zurücktreten?

Zeichnet sich eine Verspätung von mehr als 60 Minuten ab, kann der Reisende auf die Fahrt verzichten und den kompletten Fahrpreis zurückverlangen. Ebenso kann er die Fahrt zu einem späteren Zeitpunkt beginnen und dann auch eine andere Streckenführung wählen.

Wie kann ich eine Entschädigung beantragen?

Das Beschwerdeformular ist in den Servicezentren der Deutschen Bahn oder im Internet erhältlich www.fahrgastrechte.info). Das Formular können Reisende in den Fahrkarten-Verkaufsstellen an den Bahnhöfen einreichen. Entschädigungen muss die Bahn auf Wunsch bar auszahlen, ansonsten als Gutschein oder per Überweisung.

Wo gibt es Hilfe bei Streit?

Im Streitfall hilft in NRW die Schlichtungsstelle Nahverkehr. - WA/AFP/lnw

Quelle: wa.de

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