Strafe verringert

Kofferdieb nach Düsseldorfer Flughafen-Evakuierung frei

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Der Kofferdieb vom Düsseldorfer Flughafen ist frei gekommen.

DÜSSELDORF - Nach der spektakulären Evakuierung des Düsseldorfer Flughafens ist der unabsichtliche Auslöser des Dramas wieder auf freiem Fuß. Der mehrfach vorbestrafte Dieb habe diesmal nur einen versuchten Diebstahl begangen, urteilte das Landgericht.

Nach der Evakuierung des Düsseldorfer Flughafens hat das Landgericht die Strafe gegen einen vorbestraften Gepäckdieb verringert und ihn auf freien Fuß gesetzt. Das Gericht verurteilte den 32-Jährigen am Dienstag wegen versuchten Diebstahls zu sechs Monaten Haft ohne Bewährung und hob den Haftbefehl auf, weil er die Strafe beinahe vollständig bereits in der Untersuchungshaft verbüßt hat. Die Vorinstanz hatte den Mann wegen schweren, vollendeten Diebstahls mit acht Monaten Gefängnis bestraft.

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Der 32-Jährige hatte Ende September im Airport einen Koffer an sich genommen und hineingeschaut. Dabei hatte er in Plastikbeuteln verpacktes weißes Pulver entdeckt und den Inhalt für Drogen gehalten. Daraufhin hatte er den bunten Koffer im Terminal in der Nähe der Zollwache abgestellt und war verschwunden.

Ein Bomben-Experte hatte dagegen den Kofferinhalt, in Tüten verpacktes Mehl mit Gewürzen, für einen Sprengsatz gehalten und Großalarm ausgelöst. Der Airport wurde geräumt, stundenlang war der Flugverkehr unterbrochen. Die Bilanz: 140 ausgefallene Flüge, rund 10.000 gestrandete Passagiere und ein Millionenschaden.

Die englischen Behörden hatten für den Angeklagten eine lange Liste von Vorstrafen und 19 Alias-Namen übermittelt. Als gewerbsmäßiger Dieb und Intensivtäter soll Hakim B. auf der Insel seinen Lebensunterhalt verdient haben. Dort saß er auch im Gefängnis und wurde schließlich ausgewiesen.

Das Düsseldorfer Landgericht glaubte Hakim B. aber, dass er trotz seiner Vergangenheit seit mehreren Jahren straffrei mit seiner Familie in Spanien gelebt und gearbeitet habe. In Düsseldorf habe er in den Handel mit Autos zwischen Deutschland und Algerien einsteigen wollen, hatte der 32-Jährige beteuert. "Es ergab sich für ihn aber eine Gelegenheit, in alte Gewohnheiten zurückzufallen", sagte die Vorsitzende Richterin Bettina Reucher-Hodges.

"Warum bin ich eigentlich hier, darf ich das mal fragen?", hatte Hakim B. in der vergangenen Woche während der Verhandlung eingeworfen: "Ich habe doch am Flughafen nur einen Koffer gefunden und der Polizei dort vor die Tür gestellt. Das kann doch nicht strafbar sein."

Überwachungskameras hatten ihn aufgenommen, als er mit dem grell-bunten Koffer mit London-Motiven durch den Airport zog. Wochen später war er von einem Hotelangestellten wiedererkannt worden, als mit einem Bild nach ihm gefahndet wurde.

"Dass später Sprengstoff in dem Koffer vermutet wurde, können wir dem Angeklagten nicht anlasten", sagte die Richterin. Es sei eher als freundlicher Zug zu werten, dass er den Koffer dem Zoll vor die Tür gerollt habe. - dpa

Quelle: wa.de

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