Sterben der Parteien? In NRW verzeichnen nur Piraten Zulauf

Nur die Piraten freuen sich ohne Aufwand über Zuwachs – auch von Überläufern.

DÜSSELDORF - Die meisten Parteien in NRW schrumpfen. Mitglieder sind ein kostbares Gut. Deswegen werden Neuzugänge warm willkommen geheißen. Nur die Piraten freuen sich ohne Aufwand über Zuwachs – auch von Überläufern.

Parteimitglieder sind kostbar, sie werden umworben und umhegt. Denn fast alle Parteien in Nordrhein-Westfalen kämpfen gegen rückläufige Zahlen an. Und alle heißen ihre neuen Mitstreiter mit Seminaren, Kennenlernkreisen oder Landtagsführungen wärmstens willkommen. Die stark getroffene CDU in NRW warf ihre Netze in einer Werbekampagne von Juni 2011 an aktiv nach Neuzugängen aus, die FDP setzt unter anderem auf Facebook. Eine Ausnahme sind die Piraten: Als Politneulinge erleben sie einen Ansturm auch ohne große Werbung.

Die CDU lädt Ende Februar zu einem Neumitglieder-Seminar nach Düsseldorf, „um die besten Werber der Mitgliederwerbekampagne der NRW-CDU zu ehren und den Neumitgliedern einen Eindruck von der Arbeit und dem Aufbau der CDU auf Landes-, Kreis – und Stadtverbandsebene zu vermitteln“, sagt Generalsekretär Oliver Wittke. Bei einem Rückgang um 3,4 Prozent auf noch 150 257 Mitglieder zählt jeder Einzelne.

Bei der schrumpfenden SPD haben Workshops für die Neuen auf Kreisebene Tradition, sagt Pressesprecher Christian Obrok. Bis zu 20 Neuzugänge lernen sich und die Sozialdemokratie dabei kennen. Auch auf Landesebene gibt es seit 2009 regelmäßig Treffen. Die FDP setzt bei deutlich rückläufigen Mitgliederzahlen auch auf das Internet und soziale Netzwerke wie Facebook, betont Sprecher Moritz Kracht. Auch die Linke buhlt nach einem Minus von neun Prozent auf nun etwas mehr als 8000 Mitglieder um neue Genossen. Es gebe Frühstücksrunden und Seminare für Neumitglieder, sagt Sprecherin Katharina Schwabedissen.

Die zahlenmäßig wachsenden Grünen haben „M-Agenten“ – also Mitglieder-Agenten, die sich um „Werben und Willkommenskultur“ kümmern, erzählt Sprecherin Andrea Rupprath. Einmal im Quartal gibt es eine Runde mit etwa 40 Neulingen.

Nur die Piratenpartei in NRW ist nicht auf so viel Werbung angewiesen. Sie ist noch in der Wachstumsphase, hat sich binnen eines Jahres von 1900 auf aktuell rund 3300 Mitglieder vergrößert. „Bei einigen waren die verkrusteten Strukturen in der eigenen Partei und die Mitmachmöglichkeiten bei uns der Grund“, erklärt Sprecher Achim Müller.

Nach und nach kapern die Piraten auf diese Weise auch erste Sitze in Kommunalparlamenten. Allerdings sind bisher nur zwei Vertreter – in die Stadträte von Aachen und Münster – gewählt worden. Die meisten Piraten in den Räten haben nur die Flagge gewechselt, wie der Ex-Linke Matthias Fischer aus Werl. „Es war eine Entscheidung aus freiem Herzen – dahingehend, wo die meiste Freiheit ist“, sagt der 40-Jährige. Bisher hatte die Linke in Werl zwei Sitze im Stadtrat. Seit kurzem gehören beide Plätze den Piraten. - lnw

Quelle: wa.de

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