Stau am Bau: ADAC beklagt Bummelei auf der Autobahn

DORTMUND ▪ Von Holger Drechsel ▪ Im Pfingsreiseverkehr wird es wieder eng auf deutschen Autobahnen. Knapp 500 Baustellen – ein neuer Jahreshöchststand – werden für reichlich Behindrungen und Stau sorgen. Allein auf der A 40 im Ruhrgebiet sind derzeit 75 Prozent der Streckenlänge Baustelle. Vor diesem Hintergrund beklagt der ADAC den schleppenden Ausbau der überlasteten Autobahnen und Bummelei in den Baustellen. ADAC-Vizepräsident Ulrich Becker schimpfte gestern: „Ich kann die Wut der Autofahrer nachvollziehen, die wegen einer Baustelle im Stau stehen, wo statt Bautätigkeit nur Schlendrian erkennbar ist.“

Dabei ist die Lage in NRW, Stauland Nr. 1, noch vergleichsweise gut, wie Peter Meintz, Sprecher des ADAC Westfalen in Dortmund, sagt: „In NRW läuft es besser als sonst im Bund – aber noch lange nicht gut genug.“ Der Landesbetrieb StraßenNRW habe schon vor Jahren ein „Bonus-Malus-System“ eingeführt, was bedeutet, dass man Prämien bekommt, wenn man schneller mit der Baustelle fertig wird als veranschlagt – wie zuletzt am Kamener Kreuz. „Früher hat man bei der Ausschreibung nur auf den günstigen Preis geachtet und die Bauzeit vernachlässigt“, so Meintz. Doch vielerorts gelte auch heute noch billig vor schnell. Bundesweit werde laut ADAC im Schnitt nur 55 Stunden in der Woche an einer Autobahnbaustelle gearbeitet, bei besserer Organisation und einer 6-Tage-Woche seien aber bis zu 80 Stunden möglich.

Auch in den NRW-Baustellen seien noch „Optimierungen möglich“, wie StraßenNRW-Sprecher Andreas Roth in Gelsenkirchen sagt: „Nur wird das dann eben auch teurer.“ Wenn man Prämien für schnelles Bauen auslobe oder in Schichten arbeiten lasse, steige der Preis der Baumaßnahme – und das Geld müsse der Bund erst einmal bereitstellen.

Generell, so ADAC-Sprecher Meintz, sei das System Straße massiv unterfinanziert: „Seit Jahren ist maximal der notdürftige Erhalt der Straßen möglich – ihr Zustand wird immer katastrophaler. Die Politik betreibt hier Raubbau am Volksvermögen.“ Der Ausbau der überlasteten Verkehrsachsen sei dringend geboten. Bedarf in NRW sieht der ADAC besonders im Ruhrgebiet, auf der A 1 nördlich des Kamener Kreuzes und der Sauerlandlinie nach Norden. Auf der A 2 soll der Ausbau zwischen Kamener Kreuz und Hamm in diesem Sommer fertig sein.

Quelle: wa.de

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