Tierschützer mahnen

Tigerangriff: Menschliches Versagen Grund für Drama

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[UPDATE 17.30 Uhr] MÜNSTER - Menschliches Versagen war der Grund für das Drama um einen getöteten Tierpfleger in Münster. Der Zoo-Chef und seine Belegschaft sind geschockt. Tierschützer mahnen.

Rasputin liegt in seinem Käfig im Zoo in Münster. Seine großen Tiger-Augen schauen auf die Beobachter. In seiner Welt ist alles in Ordnung - er hat instinktiv sein Revier gegen einen Eindringling verteidigt. Die Welt der Menschen ist dagegen alles andere als in Ordnung. Der Tierpfleger, für den der Zoo wie eine Familie war, ist tot. Und Zoo-Chef Jörg Adler rang kurz nach der tödlichen Attacke auf seinen Mitarbeiter am Donnerstag um Fassung: "Ich bin jetzt 48 Jahre im Geschäft und habe all die Jahre gehofft, dass so etwas nicht eintrifft." Adlers Stimme bricht immer wieder, er hat Tränen in den Augen, als er das sagt.

Auch am Tag danach kämpft er mit seinen Gefühlen. Bei einer Betriebsversammlung am Morgen um 8.00 Uhr will er seiner 90-köpfigen Belegschaft Trost spenden. Es kommt anders. Die Mitarbeiter müssen ihren Chef aufbauen. Nachdem der Zoo um 9.00 Uhr wie gewohnt seine Tore geöffnet hat, bringen Besucher Blumen mit. Fremde Menschen nehmen Adler in den Arm.

Aber bei aller Trauer geht es auch um die Frage, ob und wie Tiere im Zoo gehalten werden sollen. Der Deutsche Tierschutzbund in Bonn fordert ein Umdenken. "Wir sind nicht gegen Zoos, das wäre naiv. Aber die Zoos müssen ihr Management umstellen", sagt Sprecher Marius Tünte am Freitag. Nicht jedes Tier müsse in alle Zoos, Spezialisierung sei gefragt. "Und bei aller Tragik des Falls in Münster, jetzt ist es Zeit zu prüfen, ob alle Fehlerquellen, die menschliches Versagen ermöglichen, abgestellt sind", sagte Tünte.

Ralf Unna, Tierarzt und Vizepräsident des Tierschutzverbandes Nordrhein-Westfalen, vertritt eine ähnliche Meinung. "Ein Zoo kann ein Raubtier wie einen Tiger nur sehr begrenzt artgerecht halten. So ein Tier bewegt sich in der freien Wildbahn auf 6.000 Quadratkilometern. Ich will aber dem Zoo in Münster keinen Vorwurf machen. Die Haltung hat mit diesem Unfall nichts zu tun, da es sich ja wohl um menschliches Versagen handelt." Unna fordert den Zoo aber auf, noch mehr in Sicherheit zu investieren. "Das ist aber auch eine Frage des Geldes, was ja oft nicht da ist."

Adler zeigte sich am Freitag sehr nachdenklich bei Fragen nach der Sicherheit. Das Sicherheitskonzept für das Tigergehege sah keinen Mechanismus für die Sicherheitsschleuse der Mitarbeiter vor, wenn die Luke für die Tiere nicht verschlossen ist. Der Pfleger konnte somit ohne eine Absicherung trotz geöffneter Luke ins Freigehege. "Ich werde in aller Ruhe prüfen, ob wir an dieser Stelle etwas technisch ändern können. Der Tiger aber bleibt zu 100 Prozent bei uns. Für ihn hat sich nichts geändert", sagte Adler.

Der Münchner Zoo-Chef Andreas Knieriem glaubt nicht, dass Raubtierhaltung generell abgeschafft werden sollte: "Man schafft ja auch nicht Brückenarbeiter ab, weil es gefährlich ist", sagte er am Freitag in München. Der Unfall in Münster sowie ein weiterer vom vergangenen Jahr in Köln zeigten, dass man als Tierpfleger niemals unaufmerksam sein dürfe. Natürlich müsse man versuchen, die Gehege in Zukunft noch sicherer zu gestalten. Der Tiger könne jedoch nichts für den Unfall.

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Quelle: wa.de

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