Dritte mutmaßliche Sichtung

Spurensuche: Wolf in Belecke und Bilsteintal? Video soll ihn zeigen

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Georg Risse inmitten einer seiner beiden Herden in den Hirschberger Feldern. Abends treibt er sie zurück in eine Nachtkoppel – aber nicht aus Furcht vor Wolfsangriffen, sondern damit sich der Futterplatz erholen kann.

Warstein - In Belecke wurde auf freiem Feld am Sonntag ein Wolf auf Video aufgenommen. Das vermutet jedenfalls der Belecker, der diese Sichtung Mittwoch der Wolfsbeauftragten beim Regionalforstamt in Rüthen, Heike Herrmann, meldete.

Genau an dem Tag, als der Nachweis eines Wolfes in Rüthen vom 20. April und eine vorerst als vermeintlich geltende Begegnung im Bilsteintal bekannt wurden. 

Das Video, das ein Tier in etwa 100 Meter Entfernung vom Aufnehmenden zeigt, hat Heike Herrmann gleich an das Landesamt für Natur und Verbraucherschutz weitergeleitet. 

Heike Herrmann kam gestern aus Rüthen zum Parkplatz 3 am Bilsteintal, um nach konkreten Wolfsspuren zu suchen. Mit dabei hatte sie einen „Tatortkoffer“, mit dem Hinweise direkt erfasst werden.

Ins Bilsteintal fuhr sie am Mittwochnachmittag. Nachdem sie von Angelo Gentile, der das Tier am Dienstagmorgen beim Überqueren der Landstraße in Höhe des Bilstein-Parkplatzes 3 gesehen hat, alle relevanten Angaben über Ort, Zeit und Erscheinungsbild abgefragt hatte, fuhr sie am Nachmittag an den Ort des Geschehens, um nach Spuren zu suchen: Kot, Haare oder Pfotenabdrücke.

"Ich nehme alle Daten auf"

„Ich nehme nur alle Daten auf, die Bewertung wird im Landesamt vorgenommen“, sagte Heike Herrmann. So enthielt sie sich auch des Urteils, ob in Belecke tatsächlich ein Wolf auf Film gebannt wurde. 

Die Nähe der Sichtung am Wildpark war für den 2. Vorsitzenden des Bilsteintalvereins Bertram Mestermann kein Grund zur Beunruhigung wegen der Tiergehege. 

Wenn der Wolf will, findet er einen Weg..

„Gestern morgen waren noch alle da“, meinte er scherzhaft, aber er stellte die rhetorische Frage: „Was sollen wir machen?“ Die Gehege seien geschützt, aber wenn ein Wolf wolle, dann werde er auch einen Weg finden. 

In der Wolfsdiskussion gebe es verschiedene Meinungen, und eine sei, dass es sich um die Rückkehr eines Teils der verschwundenen Natur halte.

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„Wir denken auch darüber nach. Wenn wir ein Tier verlieren würden, dann wäre das natürlich sehr ärgerlich. Es macht aber keinen Sinn, im Bilsteintal Elektrozäune aufzustellen. Denn schön wäre das nicht. „Man hofft immer, dass man selbst nicht betroffen wird. Was soll man machen? Aber natürlich macht man sich Gedanken.“ 

Die macht sich schon seit geraumer Zeit Georg Risse, Schafzüchter aus Hirschberg. In den dortigen Feldern steht sein Stall, er hält etwa 900 Tiere in zwei Herden. 

"Sie müssen wieder Respekt bekommen"

Als Vorstandsmitglied im Schafzuchtverband Nordrhein-Westfalen ist er eng vernetzt, und tritt wegen der Erfahrungen von Schäferkollegen für eine Bejagung des Wolfes ein: „Es geht nicht darum, ihn wieder auszurotten. Aber Wölfe gab es über 100 Jahre nicht in Deutschland. Sie haben keine Angst vor dem Menschen. Sie müssen wieder Respekt bekommen“. 

Seine Tiere schützt er mit herkömmlichen Elektrozäunen, die eigentlich dazu gedacht sind, dass die Schafe nicht das Weite suchen. Und nicht zur Wolfsabwehr. „Ich weiß auch nicht, ob die Zäune überhaupt Wölfe abhalten würden“. 

Georg Risse fordert auch bessere Entschädigungsregelungen: „Wir bekommen einen Betrag für ein gerissenes Tier, aber nicht für die Folgeschäden, die in einer Herde auftreten, wenn verängstigte Muttertiere ihre Lämmer frühzeitig verlieren.“

Quelle: wa.de

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