NRW sorgt sich um Kindeswohl

DÜSSELDORF ▪ Die vor rund zwei Jahren eingeführte Meldepflicht bei versäumten Vorsorgeuntersuchungen für Kinder hat die Behörden des Landes enorm sensibilisiert und zu tausenden Briefen an Eltern in Nordrhein-Westfalen geführt. Allein im Dezember 2009 wurden landesweit durchschnittlich mehr als zehn Prozent der Eltern kleiner Kinder angeschrieben. Das geht aus erstmals erhobenen Zahlen des Landes-Gesundheitsministeriums in Düsseldorf hervor.

Mit den Briefen werden die Eltern daran erinnert, versäumte Untersuchungen beim Kinderarzt wahrzunehmen. Konkret geht es um die kostenlosen U 5 bis U 9 bei Kindern im Alter von sechs Monaten bis fünf Jahren. Reagieren Eltern nicht, werden in einem zweiten Schritt die Jugendämter der Kommunen eingeschaltet.

Im Dezember seien in ganz Nordrhein-Westfalen mehr als 1 640 Eltern wegen einer versäumten U 5 (sechster bis siebter Lebensmonat) angeschrieben worden. Davon seien in 370 Fällen Informationen an Jugendämter weitergeleitet worden, weil sich die Eltern zunächst nicht gemeldet hätten. Bei der U 6 (zehnter bis zwölfter Lebensmonat) seien es in dem Zeitraum 1 470 Elternschreiben gewesen. Davon gingen 340 Briefe später auch an die Kommunen. Insgesamt stünden landesweit pro Monat rund 12 000 Kinder für die Untersuchungsstufen an.

Die neue Meldepflicht zum Schutz vor familiärer Gewalt und Vernachlässigung sieht vor, dass Eltern zunächst von der „Zentralen Stelle Gesunde Kindheit“ beim Landesinstitut für Gesundheit und Arbeit angeschrieben werden.

Das Institut erhält dafür von Kinderärzten Meldung über wahrgenommene Untersuchungen. Per Datenabgleich mit den Einwohnermeldeämtern wird dann ermittelt, welches Kind nicht bei den Untersuchungen war. Reagieren die Eltern innerhalb einer Frist nicht, geht die Info an die Kommunen.

Auf die zunächst sehr hohe Fehlerquote sei reagiert worden. „Es wurde nachgebessert“, hieß es im Gesundheitsministerium. Hintergrund fälschlicherweise angeschriebener Eltern war etwa, dass diese bei Erhalt des Briefes dann doch bereits beim Kinderarzt waren, die Frist also zu kurz war. In anderen Fällen bei Kommunen im NRW-Grenzgebiet gab es Briefe, weil die Eltern bei nicht meldepflichtige Ärzten in Nachbar-Bundesländern waren. „Inzwischen wurde den Eltern mehr Zeit eingeräumt“, sagte der Sprecher. ▪ dpa

Quelle: wa.de

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