Züge bleiben stehen

Lokführer-Streik stellt Reisende vor Geduldsprobe

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Die Lokführer streiken wieder

[Update 16.55 Uhr] NRW - Gestrandete Urlauber, wütende Fußballfans, wartende Pendler: Der bundesweite Bahnstreik stellt Reisende auch in Nordrhein-Westfalen vor eine enorme Geduldsprobe.

Durch das Ende der Herbstferien und die Bundesliga-Partien traf es das bevölkerungsreichste Bundesland am Samstag besonders hart. Lange Schlangen vor den Informationsschaltern der Bahn und die zermürbende Suche nach Ausweichmöglichkeiten waren die Folge.

Der Streik, der sowohl im Personen- als auch im Güterverkehr erst am Montagmorgen um 4.00 Uhr enden soll, trifft Bahnkunden diesmal besonders hart. In sieben Bundesländern beginnen an diesem Wochenende die Herbstferien, in zwei enden sie, darunter Nordrhein-Westfalen. Für gestrandete Reisende stellte die Bahn eigenen Angaben zufolge Hotelzüge in Hamburg, Berlin, Frankfurt und München bereit.

Bahn legt GDL neues Angebot vor - abgelehnt

Seit dem frühen Samstagmorgen standen die meisten Züge still. Rund Zweidrittel aller Fernzüge fielen aus, im Regional- und S-Bahn-Verkehr galt ein Notfahrplan. Die Gewerkschaft GDL hatte eine neues Angebot der Deutschen Bahn im Tarifkonflikt in der Nacht zum Samstag abgeschmettert. GDL-Chef Claus Weselsky sprach am Freitagabend von einem "Scheinangebot", mit dem die Solidarität unter den GDL-Mitgliedern ausgehebelt werden solle. Es sei nicht geeignet, in Verhandlungen einzusteigen. Das Bahn-Angebot erfüllt nicht die Kernforderung der GDL, bei Tarifgesprächen für das gesamte Zugpersonal verhandeln zu können.

Nicht nur Urlaubsheimkehrer traf der Streik hart. Auch Fußballfans hatten am Samstag Mühe, die Stadien in Köln und auf Schalke zu erreichen oder gar ihre Mannschaft zu Auswärtsspielen zu begleiten.

Zwar sollte ein Ersatzfahrplan wichtige Fernstrecken, etwa die von Köln nach Berlin, bedienen, doch auch die Sonderzüge wurden von der GDL bestreikt. Die Deutsche Bahn warnte: "Die An- und Abreise der Fans zu den Stadien kann durch die DB nicht sichergestellt werden."

Viele Reisende nutzten Alternativen

Viele Reisende nutzten Alternativen. Starke Nachfragen nach Mietwagen und Fernbussen waren am Samstag die Folge. Nach Angaben einer Sprecherin des Unternehmens "Meinfernbus", sind für das Streikwochenende mehr als dreimal so viele Buchungen wie sonst eingegangen. Durch die hohe Fernbus-Nachfrage stiegen auch die Ticket-Preise.

Servicehotline der Deutschen Bahn: kostenfrei unter Tel. 08000/99 66 33

Die Lokführergewerkschaft GDL bekräftigte, ihren Streik bis Montagmorgen durchziehen zu wollen. Die Gewerkschaft erwarte "verhandelbare Angebote" der Bahn, hieß es. Das Angebot der Bahn vom Freitag sieht für die Lokführer eine dreistufige Einkommenserhöhung um insgesamt 5 Prozent bei einer Vertragslaufzeit von 30 Monaten vor.

Vorbedingung der GDL für Verhandlungen mit der Bahn ist es, nicht nur für die Lokführer sondern auch für das übrige Zugpersonal wie Zugbegleiter oder Bordgastronomen zu verhandeln. Für diese Berufsgruppen führt jedoch die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG federführend die Gespräche.

Von dort gab es am Freitag Kritik. Es sei zwar in Ordnung, wenn eine Gewerkschaft für Lohnforderungen streike, aber "das, was die GDL im Augenblick hier macht, ist eine Mitgliederwerbeaktion und kein Streik um eine Tarifforderung", sagte der stellvertretende EVG-Vorsitzende Klaus-Dieter Hommel im WDR-5-"Morgenecho". Zugleich verschlechtere sich durch die Streiks die Stimmung zwischen den verschiedenen Gewerkschaftsmitgliedern.

Auch Bahn-Vorstand Ulrich Weber kritisierte den Streikaufruf der Lokführergewerkschaft scharf. "So kurzfristig und in dieser Dimension sind die Streiks völlig verantwortungslos und an der Grenze zur Irrationalität", sagte der Manager der "Bild"-Zeitung (Samstag). Am Freitag hatte die Bahn der GDL vorgeworfen, Amok zu laufen. - dpa

Quelle: wa.de

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