Sex-Prozess liegt auf Eis

Soester verkauft seine Freundin - jetzt kommt raus: Er wurde selbst missbraucht

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Die Verhandlung war denkbar kurz: Der Prozess gegen einen 29 Jahre alten Mann aus Soest, der seine Freundin im Internet zur Prostitution angeboten haben soll, ist am Freitag vom Landgericht Paderborn ausgesetzt worden. Der Angeklagte soll psychiatrisch auf seine Schuldfähigkeit untersucht werden.

Soest/Paderborn - Der 29-Jährige musste sich erneut vor dem Landgericht verantworten, nachdem er am Bundesgerichtshof in Karlsruhe mit seiner Revision Erfolg gehabt hatte. 

Er hatte, wie berichtet, vor mehr als drei Jahren seine damals 17 Jahre alte Freundin im Internet für Sex angeboten. Dafür bekam er im April vergangenen Jahres eine zweijährige Bewährungsstrafe, die aber vom BGH aufgehoben wurde. Die 8. Große Strafkammer des Landgerichts Paderborn musste am Freitag aus verfahrenstechnischen Gründen das alte Urteil noch einmal verlesen: Das Gericht hatte auf gewerbsmäßigen Menschenhandel in sechs Fällen erkannt – fünf Freier hatte die junge Frau zum Sex in der Wohnung des Pärchens im Lippstädter Ortsteil Lipperode getroffen, einen in einem auf dem dortigen Friedhofsparkplatz abgestellten Fiat Panda. 

Da die Freundin des Angeklagten zum Tatzeitpunkt 17 Jahre alt war und ausgesagt hatte, vor allem deshalb mitgemacht zu haben, weil sie Angst hatte, ihren Freund zu verlieren, ging die Kammer damals von einem Abhängigkeitsverhältnis aus. Im Juli 2016 trennte sich das Paar, die Ex-Freundin ging im November zur Polizei und zeigte die Sache an, nachdem sich der Soester in ihrem Namen und ohne zu bezahlen im Internet PC- und Konsolen-Spiele gekauft hatte. 

Was am Freitag zunächst aussah wie eine Routine-Verhandlung, um die vom BGH aufgezeigten Mängel des alten Urteils „auszubügeln“, warf bald eine neue „Baustelle“ auf. 

Der jetzt 29 Jahre alte Angeklagte brachte bei der Befragung zu seiner Person etwas vor, was bisher noch nicht vor Gericht zur Sprache gekommen war – und selbst seinem Verteidiger erst jetzt bekannt wurde. 

Er sei als kleiner Junge vom eigenen Vater sexuell missbraucht worden, zusammen mit seinem Zwillingsbruder. Der Vater, damals Anfang 20, habe Gelegenheiten ausgenutzt, wenn die Mutter der Jungen nicht im Haus gewesen sei, und sich beiden Söhnen teils massiv vergangen. 

So schwebt im Raum, dass der unstete Lebensweg des Angeklagten mit zwei abgebrochenen Ausbildungen, wechselnden Aufenthaltsorten, einer krankhaften Spielsucht und äußerst lockeren Moralvorstellungen – die er mit seiner minderjährigen Freundin unter anderem beim Partnertausch mit anderen Pärchen ausgelebt hatte – eine Folge des Missbrauchs sein könnten. 

Daher hat das Gericht auch zu klären, ob eine verminderte Schuldfähigkeit vorliegen könnte. Aufgrund psychischer Probleme hat sich der 29-Jährige vor Monaten in therapeutische Behandlung begeben – er will das Erleben aus der Kindheit aufarbeiten. Ein neuer Termin für den Prozess steht noch nicht fest.

Quelle: wa.de

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