Skulpturen von Olaf Metzel im Museum Küppersmühle

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Leuchtendes Aufbruchssignal: Olaf Metzels „Schicht im Schacht“ in Duisburg.

DUISBURG – Die Skulptur, die Olaf Metzel zur Kulturhauptstadt 2010 schuf, heißt „Schicht im Schacht“. Positiv klingt anders. Doch das Lichtkunstwerk ist kein Porträt des düsteren Niedergangs. Von Annette Kiehl

Vielmehr steht es für einen Aufbruch mit neuer Kraft. Der in wechselnden Farben beleuchtete Turm füllt einen Raum mit Licht, die Strahlen der LED-Leuchten dehnen sich ohne Begrenzung aus. Farben mischen sich, Schatten und Licht verschwimmen. Eine Arbeit, inspiriert durch das Ruhr.2010- Logo, die für die großen Möglichkeiten der Region steht. Vielleicht soll sie sogar im Duisburger Innenhafen als großer Turm dauerhaft verankert werden. Zu sehen ist die Skulptur zunächst als Modell im Museum Küppersmühle in Duisburg. Die Schau „Noch Fragen?“ stellt die Positionen Olaf Metzels vor.

Dieser versteht sich als Provokateur, nimmt sich auch das Recht heraus, Fragen zu stellen und unbeantwortet zu lassen. Da poltert er in der Präsentation der Ausstellung ohne Rücksicht und Relativierung los. „Oberpeinlichkeiten ohne Ende“ würde es im Ruhr.2010-Programm geben. Die Eröffnungsfeier mit dem Grönemeyer-Lied, das habe „mit Kunst nichts zu tun“. Sie zeige vielmehr, dass man die Menschen im Ruhrgebiet nicht ernst nehme, sagt Metzel. Und dass die Ausstellungsreihe der Ruhr-Museen „Mapping the Region“ heiße – „wieso so ein bescheuerter englischer Begriff? Wo die erste Fremdsprache hier doch türkisch ist!“

Die Region ernst zu nehmen, das bedeutet für Metzel, die Auseinandersetzung zu suchen. Der Glaube an die „Diskussionsfähigkeit der Gesellschaft“ begründet seine Arbeiten. Tatsächlich zeigt ihn die Ausstellung als einen genauen und sensiblen Beobachter. Seine raumgreifenden Skulpturen und Installationen handeln von zusammengebrochenen Systemen, von Verwüstung, doch auch von der Kraft, die sich aus dem Chaos entwickelt.

Der Sport interessiert Metzel. Baseballschläger, Tribünensitze, Spindschränke hat er immer wieder verarbeitet. „112:104“, eines der älteren Werke in der Küppersmühle, zeigt ein zerstörtes Basketball-Feld, das früher tatsächlich in einer Halle stand und bespielt wurde. Nun ist der Holzboden zerborsten, das Gestänge in sich zusammengefallen; aufgetürmt liegen die Trümmer des Spielfeldes. Nur die Anzeigetafel („112:104“) steht noch. Dieses Werk ist jedoch nicht allein ein Mahnmal der Zerstörungswut. Vielmehr zeigt es das Ende des fairen Wettkampfs, des auf einem System beruhenden Spiels. Wie leben in einer Gesellschaft, die keine Regeln und Strukturen akzeptiert?

Diese Frage beschäftigt Olaf Metzel über den Sport hinaus. „Hartz IV wird fünf“ (2010), eine Skulptur aus zerborstenen Rauchglastischen, verziert mit ein paar Kordeln in den Farben der deutschen Flagge, ist das Porträt des aus den Fugen geratenen Lebens. Ein unauflösbar in sich verkeilter Turm, ohne Anfang und ohne Ende.

Inspiriert wurden diese und weitere neue Arbeiten durch Schlagzeilen. Von München aus näherte sich Metzel dem Ruhrgebiet durch die tägliche Zeitungslektüre. Auch diesen Prozess thematisiert er. „Bild Ruhrgebiet, 22.12.2009“ zeigt verschiedenfarbige Matrizen der Boulevardzeitung in Plexiglassäcken. Ob man hier Müllsäcke sieht oder den Versuch einer Konservierung?

In einer anderen Arbeit mit Medien – „Und dann noch das Wetter, 2010“ – hat Metzel auf Aluminium abgebildete, überdimensionale Zeitungsseiten aufgespießt. Wie einen Döner. Schließlich beschäftigt sich der Künstler, Jahrgang 1952, immer wieder mit der Türkei. So ist in Duisburg ebenfalls die Bronzeskulptur „Turkish Delight“ von 2006 zu sehen. Eine Frau mit Kopftuch, die mit ganz selbstverständlicher Körperhaltung nackt dar steht. Die heftige Diskussion, die um das Werk bei früheren Ausstellungen entbrannte, die Drohbriefe und Zerstörungen – Metzel nahm sie gelassen hin, schätzte sie sogar.

Olaf Metzel – Noch Fragen? im Museum Küppersmühle Duisburg. Bis 24.5.; mi 14 – 18, do, sa, so 11 – 18 Uhr. Tel. 0203/3019 4811,

Katalog 25 Euro. www. museum -kueppersmuehle.de

Weitere Arbeiten von Metzel im Lehmbruck Museum Duisburg, di – sa 11 –17, fr bis 20, so 10 – 18 Uhr, Tel. 0203/283 3294, http://www.lehmbruckmuseum.de

Quelle: wa.de

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