Bund der Steuerzahler meldet Zweifel an

NRW setzt gegen Gaffer mobile Sichtschutzwände ein

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NRW-Verkehrsminister Michael Groschek stellte in Kaarst die mobilen Sichtschutzwwände vor.

[Update, 12.45 Uhr] Kaarst -  Bei Unfällen auf der Autobahn soll Gaffern künftig die Sicht versperrt werden. Nordrhein-Westfalen hat dafür als erstes Bundesland mobile Sichtschutzwände angeschafft.

Nordrhein-Westfalen setzt als erstes Bundesland mobile Sichtschutzwände gegen Schaulustige ein. NRW-Verkehrsminister Michael Groschek (SPD) stellte die Wände am Freitag in Kaarst vor: Gaffer seien ein "Problem, das erschreckende Ausmaße angenommen hat", sagte er. "Wir geben mit diesen Sichtschutzwänden den Opfern ein Stück Würde zurück." Durch weniger Staus werde sich die Anschaffung auch volkswirtschaftlich rechnen. Rettungskräfte hatten über Probleme mit Gaffern geklagt, die Staus verursachen und Unfallopfer mit Smartphones filmen.

Bund der Steuerzahler NRW äußert Zweifel

Der Bund der Steuerzahler NRW äußerte Zweifel an der Neuanschaffung. So sei es fraglich, ob sich die Staus auf der Gegenfahrbahn nicht längst gebildet hätten, bevor die mobilen Wände herangeschafft und aufgebaut werden können. "Wir werden prüfen, ob Nutzen und Kosten in einem angemessenen Verhältnis stehen", kündigte eine Sprecherin an.

Arbeit der Pressefotografen dürfe nicht behindert werden

Der Deutsche Journalisten-Verband in NRW mahnte, die Arbeit der Pressefotografen dürfe nicht behindert werden. "Als Schutz der Unfallopfer ist die Maßnahme zu begrüßen. Wir gehen aber davon aus, dass die Pressefotografen durchgelassen und ihre Arbeit nicht behindert wird", sagte eine Sprecherin.

Die Standorte der zwölf Sichtschutzsysteme

  • Autobahnmeisterei (AM)Dortmund
  • AM Herford
  • AM Isselburg
  • AM Kaarst
  • AM Leverkusen
  • AM Lüdenscheid
  • AM Münster
  • AM Ratingen
  • AM Recklinghausen
  • AM Titz
  • AM Weilerswist
  • AM Werl

Bislang hatten Rettungskräfte die Unfallopfer bei der Bergung mit Decken und Tüchern vor neugierigen Blicken abgeschirmt. In letzter Zeit hatte die Polizei mehrfach Verfahren gegen Schaulustige eingeleitet, die zum Teil sogar die Aufforderungen der Polizisten, das Filmen einzustellen, ignoriert hatten.

Eine halbe Million Euro aus Bundesmitteln

Fast eine halbe Million Euro aus Bundesmitteln hat der Landesbetrieb Straßen.NRW in insgesamt zwölf Sichtschutzsysteme investiert. Die sollen nun auf die einzelnen Straßenmeistereien verteilt werden. Gaffern drohen mindestens 60 Euro Bußgeld und ein Punkt in Flensburg.

Polizei entscheidet über Einsatz

Ob und wann die zuständige Autobahnmeisterei von Straßen.NRW künftig nach einem Unfall eine Sichtschutzwand aufbaut, entscheidet die Polizei am Ort des Geschehens. Ausschlaggebend ist dabei nicht nur die Frage, wie "spektakulär" ein Unglück ist. Da es je nach Tageszeit und Unfallstelle bis zu 100 Minuten dauern kann, bis die Elemente vor Ort und aufgebaut sind, muss der Einsatzleiter zuvor abschätzen, wie lang Rettung und Räumung an der Unglücksstelle voraussichtlich laufen. Hinzu kommen äußere Umstände, so darf die Windstärke maximal Stufe fünf erreichen.- lnw/she

Quelle: wa.de

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