SEK-Einsatz

Peinliche Panne: In die Wohnung einer Oma statt eines Rockers eingedrungen

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„Dann haben wir erstmal Kaffee getrunken“: Helga Mackenbach (im Bild mit Nachbar Albert Günther) erwies sich nach dem ersten Schock als gute Gastgeberin und servierte den Spezial-Einsatzkräften der Polizei einen frisch gebrühten Kaffee.

[UPDATE 18.14 Uhr] Lüdenscheid - Ein Trupp schwer bewaffneter SEK-Beamter hat sich bei der Razzia im Rocker-Milieu in der vergangenen Woche in Lüdenscheid in der Hausnummer geirrt - und statt eines Rockers eine 88-jährige Frau aus dem Bett geholt. Jetzt meldet sich die Seniorin zu Wort.

Bei ihrem Vorgehen gegen organisierte Rockerbanden ist den Beamten des Sondereinsatzkommandos (SEK) am Donnerstag in Lüdenscheid ein peinlicher Fehler unterlaufen. 

Sie irrten sich in der Hausnummer und stürmten morgens gegen 6 Uhr die Wohnung einer 88-jährigen Frau. Dr. Gerhard Pauli, Sprecher der Staatsanwaltschaft, bestätigte den Vorfall und sprach von einem „bedauernswerten Fehler“. 

"Bewundernswert tough"

Es muss eine Szene wie aus einem Krimi gewesen sein. Fahrzeuge mit SEKlern rollen an, Beamte rammen drei Türen auf, gleichzeitig detoniert auf dem Balkon an der Gebäuderückseite eine Blendgranate. Die betagte Bewohnerin schreckt auf und sieht sich mehreren schwer bewaffneten Polizisten gegenüber.

Symbolbild

Angehörige der 88-Jährigen eilen nach Telefonaten hinzu und kümmern sich um sie. Nach den Worten des Oberstaatsanwaltes hat die alte Dame „bewundernswert tough“ und „relativ gefasst“ auf den Vorfall reagiert. Einer der Polizisten habe sich um die Frau „hinreißend gekümmert“.

Betroffene 88-Jährige zeigt sich als gute Gastgeberin

Im LN-Gespräch erzählt Helga Mackenbach, so heißt die 88-jährige Lüdenscheiderin, was ihr widerfahren ist: „Ich bin morgens wach geworden von schrecklichem Lärm im Flur“, erzählt Helga Mackenbach.

Weil sie immer alle Zimmer abschließt, hätten die Einsatzkräfte das Schloss gesprengt. In ihrem Schlafzimmer angekommen, gab es nur ungläubige Blicke, wie die 88-Jährige berichtet: „Schon standen ein paar Mann von denen an meinem Bett und waren erschrocken, dass ich 'ne alte Frau bin.“

"Das darf nicht passieren, kann aber."

Nach dem ersten Schock zeigte sich die Rentnerin als gute „Gastgeberin“. „Ich habe erstmal alle gefragt, ob sie Kaffee haben wollen. Ich habe Weihnachtsgeschirr auf den Tisch gestellt, dann haben wir erstmal Kaffee getrunken.“

Helga Mackenbach nimmt den SEK-Beamten den unangekündigten Besuch nicht übel: „Das darf nicht passieren, kann aber. Wir sind alle keine Engel.“

Seelsorgerin zur Betreuung gerufen 

Direkt nach dem missglückten Zugriff habe die Polizei eine Seelsorgerin zur Betreuung der Bewohnerin gerufen. Als der Irrtum auffiel, zogen die SEK-Beamten zwei Häuser weiter und nahmen die Zielperson fest, wegen der sie in die Kreisstadt gekommen waren.

Der Rocker, Mitglied des Hagener Chapters der Freeway Riders, wurde nach einer Vernehmung allerdings wieder auf freien Fuß gesetzt.

Grund für Verwechslung noch unklar

Die Höhe des Schadens an den drei Türen der 88-Jährigen ist nicht beziffert, wird aber laut Dr. Pauli „von uns vollumfänglich ersetzt“. Wie es zu dem Versehen der SEK-Beamten kommen konnte, ist offiziell nicht geklärt.

Die Sache sei „tatsächlich sehr unangenehm“. Der Oberstaatsanwalt: „Wir haben dem SEK die Adresse der Zielperson schriftlich mitgeteilt. Wie man sich da vertun kann, ist mir ein Rätsel.“

Quelle: wa.de

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