Segway-Polo wird auch in Deutschland immer beliebter - Hochburg ist Solingen

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Die „Blade Dragons“ trainieren in Solingen.

SOLINGEN - Der Pass ist steil gespielt und für Jens Krahforst kaum zu erreichen. Er muss Gas geben – und das im wahren Sinn des Wortes: Der 38-Jährige lehnt sich nach vorne und beschleunigt sein Sportgerät.

Kurz vor der Toraus-Linie fängt er den Ball ab und passt ihn zu seinem Mitspieler, der sofort abzieht. Der gegnerische Torwart hat keine Chance, es steht 1:0. An den anschließenden Torjubel muss sich der Zuschauer erst gewöhnen, denn der fällt ungewöhnlich aus. Fast lautlos gleiten die Spieler aufeinander zu und klatschen sich mit ihren Schlägern ab. Segway-Polo hat eben seinen ganz eigenen Charme.

Vor fünf Jahren hat Steve Wozniak, Mitbegründer des Unternehmens Apple, den Sport erfunden. Die Regeln sind dem Pferdepolo entlehnt, das Spielgerät hingegen ist neu. Die Spieler fahren auf sogenannten Segways: Das sind elektrisch angetriebene Transporter, auf denen der Fahrer aufrecht steht. Durch eine ausgefeilte Elektronik sind die Segways selbstbalancierend – obwohl sie nur auf zwei Rädern stehen, fallen sie nicht um. Gesteuert werden die Segways durch eine Verlagerung des Körpergewichtes, wobei sie bis zu 20 Kilometer in der Stunde schnell werden. Seit 2008 gibt es Segway-Polo auch in Deutschland.

Das Spiel an diesem Tag im Bergischen Sportzentrum in Solingen ist ein Trainingsspiel. In der Halle mit dem Kunstrasen ist es ruhig, es wird wenig gerufen und kaum geschrien, nur das leise Surren der Elektromotoren ist zu hören. „Wir trainieren ein bis zwei Mal in der Woche“, sagt Jens Krahforst, Teamführer der Solinger Mannschaft „Blade Dragons“ und seit Februar dieses Jahres dabei. „Ich weiß, dass das einfach aussieht, aber es dauert, bis man lernt, das Spiel zu beherrschen. Mit den Segways zu fahren ist leicht, aber um ein guter Spieler zu werden, braucht man Talent.“

Noch ist Segway-Polo eine Randsportart. Etwa acht Teams gibt es in Deutschland, ungefähr 20 sind es weltweit, schätzt Krahforst. Keine Konkurrenz also für die Polosportler, die lieber zu Pferd unterwegs sind. Das sieht auch Günther Kiesel, erster Vizepräsident des Deutschen Polo Verbands so: „Segway-Polo ist eine spaßige Variante des Polos und durchaus eine Bereicherung“, sagt er. „Das klassische Polo wird allerdings noch lange das Polo mit Pferd bleiben. Wobei dort die eigentlichen Stars ja die Tiere sind.“

Etwa 8000 Euro kostet ein Segway, zwei unterschiedliche Modelle stehen zur Auswahl. „Teuer ist eigentlich nur der Einstieg, der Unterhalt kostet fast nichts“, sagt Krahforst. Früher hat er Handball gespielt, dann machte sein Knie nicht mehr mit. „Das Schöne an dem Sport ist, dass Alter und Geschlecht überhaupt keine Rolle spielen.“ Und so sind die meisten Mannschaften auch gemischt – in Solingen, der deutschen Hochburg des Segway-Polo, gibt es gleich drei Teams. „Das hat sich durch Mundpropaganda so entwickelt. Momentan haben die drei Teams insgesamt 18 Spieler“, sagt Krahforst.

Und die sind durchaus erfolgreich: Die „Blade Pirates“ sind amtierender Weltmeister und Vize-Europameister, die „Blade Gliders“ haben es bei der vergangenen Europameisterschaft im Oktober in Berchtesgaden immerhin auf den sechsten von zwölf Plätzen geschafft. „Manchmal passiert es noch, dass wir für unseren Sport belächelt werden“, sagt Krahforst. „Aber Segway-Polo ist wirklich anstrengend und eine Herausforderung.“ - dapd

Quelle: wa.de

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