Schwulen-Debatte: heftige Kritik an Schützen

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Das Bild zeigt Schützenkönig Dirk Winter und seinen Lebensgefährte Oliver (links). Sie eröffneten am 9. Juli 2011 in Münster den Gemeinschaftsball. Schützen aus Paderborn und Münster wollen schwule Königspaare auf dem Schützenthron künftig verhindern.

LEVERKUSEN - Schwule Könige ja, schwule Königspaare nein - auf diese Linie soll sich am Sonntag in Leverkusen ein großer Schützen-Verband einigen. Doch es hagelt Kritik. Die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Christine Lüders, spricht von einem „Signal der Intoleranz“.

Sie fordert den katholischen Bund der Historischen Schützenbruderschaften auf, das Verbot abzulehnen.

„Ich finde es befremdlich, dass die Schützen schwule Königspaare nicht dulden wollen“, teilte Lüders am Freitag in Berlin mit. Es sei fraglich, ob die geplante Satzungsänderung überhaupt mit dem Diskriminierungsverbot wegen sexueller Identität in Einklang zu bringen sei. Die Schützen müssten sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst werden: „Noch ist es Zeit, gegenzusteuern und zu zeigen, dass die katholischen Schützen offen sind für Toleranz“, appellierte Lüders.

Schützen aus Paderborn und Münster wollen schwule Königspaare auf dem Thron künftig verhindern. Über einen entsprechenden Antrag der beiden westfälischen Verbände will der Bund der Historischen Schützenbruderschaften am Sonntag abstimmen. Dem Vernehmen nach zeichnet sich eine deutliche Mehrheit für den Antrag ab.

Kritik kam am Freitag auch von den Grünen. Die nordrhein-westfälische Landtagsabgeordnete Josefine Paul teilte mit: „Der Bund der Historischen Schützenbruderschaften schreibt sich eine gestrige Intoleranz auf die Fahnen, wenn er am Sonntag für einen “Königinnenzwang“ stimmt.“ Schon die Diskussion über den schwulen Schützenkönig aus Münster sei unwürdig gewesen. Dieser Schützenkönig hatte seinen Partner als „Königin“ haben wollen, was im Verband jedoch kritisiert worden war. Am Ende kam ein Kompromiss heraus: Das schwule Paar musste bei seinen öffentlichen Auftritten im vergangenen Sommer hintereinander statt wie gewöhnlich nebeneinander marschieren.

Der Lesben- und Schwulenverband bezeichnete diese Regelung am Freitag in Köln als „Provinzposse“. Nun sei der Schützen-Verband „auf dem besten Weg, sich völlig lächerlich zu machen“. Es drohe ein „Schuss in den Ofen“. Der Bund berufe sich dabei zwar auf seine Tradition - aber eine Tradition der Ausgrenzung sei nichts, worauf man stolz sein könne. Ein Sprecher des Bundes der Historischen Schützenbruderschaften hatte am Donnerstag gesagt, die Geschichte und die katholischen Wurzeln des Verbandes legten nahe, dass Königspaare nur aus einem Mann und einer Frau bestehen könnten. „Es kann und soll auch zukünftig schwule Schützenkönige geben, aber dann bitte mit einer Königin an der Seite.“ Der Bund der Historischen Schützenbruderschaften zählt nach eigenen Angaben etwa 400 000 Mitglieder aus 1 300 Bruderschaften in den fünf katholischen Bistümern in Nordrhein-Westfalen und dem Bistum Trier in Rheinland-Pfalz. - dpa

Quelle: wa.de

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