Streit um Unterricht

Schulen im Corona-Lockdown geschlossen - Schulministerin Gebauer mahnt: „Zeit der Vorsicht“

Beim Corona-Gipfel ist die Verlängerung des Lockdowns in Deutschland beschlossen worden. Die Maßnahme hat auch Folgen für die Schulen in NRW.

Hamm - Der Corona-Lockdown in Deutschland ist durch die Bund-Länder-Konferenz am Dienstag verlängert worden. Doch gerade um die Situation an den Schulen gab es viel Streit zwischen den Ministerpräsidenten und Kanzlerin Angela Merkel. Schüler können derzeit in NRW und allen anderen Bundesländern noch nicht in den Präsenzunterricht zurückkehren. Eigentlich sollte sich das am 31. Januar laut NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer ändern - doch wie geht es jetzt weiter? (News zum Coronavirus)

LandNordrhein-Westfalen
Fläche34.110,26 km²
Einwohnerzahl17.947.221 (31. Dezember 2019)
HauptstadtDüsseldorf

Schulen schließen im Corona-Lockdown: NRW verlängert die Corona-Regeln

Die Schulen werden laut Beschluss des Corona-Gipfels bis zum 15. Februar - dem Ende des Lockdowns - geschlossen bleiben. Das gilt für NRW sowie alle anderen Bundesländer. Auch die Kitas bleiben bis zu diesem Zeitpunkt im Pandemie-Betrieb. Damit wird die Betreuung ihrer Kinder für Eltern und Erziehungsberechtigte in nächster Zeit nicht einfacher.

Die Entscheidung, die Kinder und Jugendlichen weiter im Distanzunterricht zu lassen, sorgte bei der Bund-Länder-Konferenz für heftige Diskussionen. Auch wenn sich Ministerpräsidenten und Kanzlerin Angela Merkel zum Schluss auf eine gemeinsame Linie geeinigt haben, scheint diese Lösung brökelig zu sein. Der erste Ministerpräsident ist bereits ausgeschert.

Schulen weiterhin geschlossen: Kretschmann kündigt Sonderweg in Baden-Württemberg an - und NRW?

In Baden-Württemberg hat Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) angekündigt, einen Sonderweg gehen zu wollen. Das Bundesland will die Schulen bereits ab dem 1. Februar schrittweise wieder öffnen - ob das auch in NRW geschehen wird?

„Die Kleinsten leiden am meisten darunter, wenn sie nicht mit anderen Kindern in Kontakt kommen können – für sie ist der Präsenzunterricht in den Schulen am wichtigsten“, sagte Winfried Kretschmann zur Begründung.

Die Landesregierung von NRW hatte nach den Weihnachtsferien bereits angekündigt, so schnell wie möglich zum Präsenzunterricht zurückkehren zu wollen. Zum Neustart des Distanzunterrichts hatte es Probleme mit den Lernplattformen gegeben. Für die Vergabe der Zeugnisse zum Halbjahr ohne Schüler in den Klassenräumen gibt es bereits Pläne.

Schulen schließen weiterhin - Corona-Zahlen sinken in NRW im Lockdown

Als Begründung für die Verlängerung der Schulschließung wird die Mutation des Coronavirus genannt. NRW-MInisterpräsident Armin Laschet sagte zwar, dass die Corona-Zahlen in Deutschland stagnieren und in Nordrhein-Westfalen sogar sinken, „aber die Zahl der Intensiv-Patienten ist 25 Prozent höher als im letzten Frühjahr“, erläuterte der CDU-Chef. „Wir dürfen uns nicht in trügerischer Sicherheit wähnen“, mahnte Armin Laschet mit Blick auf das mutierte Virus aus Großbritannien. „Auch in Großbritannien gingen die Zahlen runter - und dann ist es explodiert. Und exakt dieses Explodieren wollen wir verhindern.“

Gerade bei Kindern und Jugendlichen verbreite sich das mutierte Coronavirus deutlich stärker als die herkömmliche Variante. Die geschlossenen Schulen und das Verweilen der Kinder im Homeschooling sorgte für viel Streit bei der Bund-Länder-Konferenz. Die Sitzung musste sogar unterbrochen werden, weil sich die Länderchefs und Kanzlerin Angela Merkel nicht einigen konnten.

NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer hat die Diskussion um Schulen im Lockdown vertagt. Wie es weiter geht, müsse „klug und mit allen Akteuren“ beraten werden. Mit Blick auf das mutierte Coronavirus werde jetzt „eine weitere Zeit der Vorsicht“ gebraucht. Sie sagt, dass Schulen im zweiten Lockdown besser auf den Distanzunterricht vorbereitet sind als im Frühjahr 2020.

Streit um Schulen: Angela Merkel sauer über Vorwurf, sie würde Kinder quälen

Denn um Corona einzudämmen, wollte man zunächst zu noch härteren Mitteln greifen. In der durchgesickerten Beschlussvorlage aus dem Kanzleramt für den Corona-Gipfel hieß es, dass die Schulen erst wieder öffnen könnten, wenn die 7-Tages-Inzidenz in den betroffenen Städten und Kreisen unter 50 sinke. Und auch dann nur sehr eingeschränkt. So sollte Wechselunterricht an Grundschulen angeboten werden - alle anderen Kinder und Jugendlichen sollten weiter zu Hause unterrichtet werden.

Zu heftigem Streit kam es in der Diskussion über Homeoffice und Schulen. Die Kanzlerin soll wütend auf andere Teilnehmer der Bund-Länder-Konferenz geworden sein. Merkur.de berichtet, dass die Kanzlerin auf Schulen fixiert sei, den Arbeitgebern jedoch nichts zumuten wolle. Im Streit mit Manuela Schwesig (SPD), der Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, soll Angela Merkel laut geworden sein: „Ich lasse mir nicht anhängen, dass ich Kinder quäle oder Arbeitnehmerrechte missachte.“

Die Angst, dass viele Kinder durch den Online-Unterricht abgehängt werden, ist groß. Der Familienverband hat deswegen einen ungewöhnlichen Vorschlag gemacht.

Schulen im Lockdown: Schüler sollen weiterhin Zuhause unterrichtet werden

In NRW bleiben die Schulen weiterhin für eine Notbetreuung von Schülern der Klassen eins bis sechs geöffnet. Mit Stand 13. Januar hätten 4,7 Prozent aller rund 2,5 Millionen Schüler das Angebot angenommen, sagte Gebauer. In den Grundschulen würden gut zehn Prozent der Schüler betreut und in den Förderschulen rund sieben Prozent. In allen anderen Schulen liege der Anteil unter einem Prozent, meldet dpa.

Damit Eltern und Erziehungsberechtigte bei der Betreuung Zuhause zumindest etwas entlastet werden, haben sich Bund und Länder am darauf verständigt, die Zahl der Kinderkrankentage in diesem Jahr zu verdoppeln.

Demnach soll sich jedes Elternteil in diesem Jahr 20, statt 10 Tage für das Kind krankschreiben lassen dürfen. Alleinerziehende bekommen 40 statt der üblichen 20 Kinderkrankentage. Die Regelung ist ausdrücklich nicht nur für den Fall einer Erkrankung der Kinder gedacht, sondern auch für den Fall, dass sie zu Hause betreut werden müssen, weil Schule oder Kita geschlossen oder nur eingeschränkt im Betrieb sind. *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Ulrich Perrey

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