Schweigeminute an allen NRW-Schulen

Haltern: Absturz reißt Lücke - "Plötzlich nicht mehr da..."

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[UPDATE 14.45 Uhr] HALTERN - Nach dem Flugzeugabsturz in Südfrankreich trauert die Kleinstadt Haltern um ihre Opfer. 16 Schüler und 2 Lehrerinnen sind von einer Austauschreise nicht zurückgekehrt. Die Schule ist zum Ort des Gedenkens geworden.

Von Florentine Dame

Schweigeminute in NRW:
Mit einer Schweigeminute wollen alle Schulen des Landes am Donnerstag um 10.53 Uhr den Opfern des Flugzeugabsturzes in Frankreich gedenken. Das kündigte Schulministerin Sylvia Löhrmann am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Haltern am See an. Um 10.53 Uhr war der Kontakt zu der Maschine über den Alpen abgebrochen.

An Unterricht ist an diesem Tag der Trauer nicht zu denken: Schüler, Eltern und Lehrer des Gymnasiums in der westfälischen Stadt Haltern beklagen ihre 18 Toten. Auf den Stufen vor der Schule flackern schon seit gestern dutzende Kerzen, es werden mehr und mehr. Die Schüler sind nicht zum Büffeln gekommen, sondern um Blumen niederzulegen, das Unfassbare irgendwie zu verarbeiten.

Die sonst so beschauliche Stadt am Rande des nördlichen Ruhrgebiets ist zu einem Ort geworden, in den der Flugzeugabsturz über den französischen Alpen besonders tiefe Wunden gerissen hat: 16 Schüler und zwei Lehrerinnen kehrten von einer achttätigen Austauschreise nach Spanien nicht zurück.

Die Stadt stehe unter Schock, ein Ausnahmezustand, schildert Polizeisprecherin Ramona Hörst die Stimmung in Haltern am See. "Es ist eine große Traurigkeit in der Stadt, die Schüler sind sehr betroffen und schweigsam", sagt sie.

 

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Schüler vor dem betroffenen Gymnasium.

Am Dienstagnachmittag war der Unterricht abgebrochen worden, am Morgen danach ist die Schule der Ort, an dem Schüler und Lehrer zusammenkommen. Mit bleichen Gesichtern betreten sie das Schulgelände, vorbei an den Kamerateams aus dem In- und Ausland, die über Nacht angerollt sind.

Vor der internationalen Presse berichtet der Schulleiter später sichtlich erschüttert von seinem Schmerz. Er wisse nicht, wie er überhaupt den kommenden Tag überstehen solle, sagt er, als er gefragt wird, was nun aus dem Spanischaustausch der Schule werde. Eindrucksvoll schildert Ulrich Wessel den Schock, der die Schule erfasst hat. Von schluchzenden Schülern in der Aula des Gymnasiums. Von den zwei jungen Kolleginnen - eine habe erst im Herbst geheiratet, auch die andere habe Hochzeitspläne gehabt. Früher seien es 1283 Schüler gewesen, 16 müsse er abziehen nach dem schrecklichen Unglück.

Angereist sind auch NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann, mehrere Abgeordnete aus dem Landtag in Düsseldorf, der Regierungspräsident aus Münster. Sie alle sind tief betroffen, wollen ihre Anteilnahme ausdrücken, den Trauernden irgendwie zur Seite stehen. Trauer, die auch Bodo Klimpel, den Bürgermeister von Haltern, erfasst hat.

Bundeskanzlerin drückt Anteilnahme aus

Die Bundeskanzlerin habe am Telefon ihre Anteilnahme ausgedrückt, der Bundespräsident übermittelte sein Beileid, sagt er. Aber vor allem in der Kleinstadt, die durch die internationale Medienöffentlichkeit auf den Kopf gestellt ist, sei große Anteilnahme da: "Man rückt dann halt in einer Stadt wie Haltern am See enger zusammen, um sich gegenseitig zu trösten".

Schon kurz nach Bekanntwerden des schrecklichen Unglücks hatte sich die Nachricht wie eine lähmende Decke über das Städtchen gelegt. An der Kirche in der Innenstadt lagen sich Trauernde in den Armen, nur das Schluchzen eines Mädchens durchbrach die Stille.

Die Fassungslosigkeit weicht auch am Morgen danach nicht. "Jeder zweite, an dem man vorbeikommt, weint. Die Stadt ist klein, alle wissen bescheid und können es nicht begreifen", sagt Laura Jungblut. Die 22-Jährige arbeitet ganz in der Nähe der Schule, kommt jeden Morgen am Joseph-König-Gymnasium vorbei. Heute ist alles anders.

Auch für Karin Keysselitz: "Das ist ganz unfassbar. Von jetzt auf gleich sind die Kinder nicht mehr da. Und die Lehrerinnen auch nicht", sagt sie. Die 45-Jährige ist selbst Mutter eines Schülers des trauernden Joseph-König-Gymnasiums, eine der verunglückten Lehrerinnen unterrichtete ihn. "Wenn man sonst von solchen Unglücken hört, ist das soweit weg. Jetzt ist es hier in unserem Haltern".

Die Pressekonferenz im Rathaus der Stadt Haltern am See.

Wie zahlreichen seiner Mitschüler sei es auch ihrem Sohn wichtig gewesen, an diesem Tag in der Schule zu sein. Reden, das sei jetzt wichtig. Sie selbst will mit einer Freundin weiße Tulpen niederlegen. Als die beiden Frauen vor dem Bahnhof zusammentreffen, gibt es nur Tränen. Arm in Arm gehen sie zur Schule.

Die Schule soll an diesem Tag zu einem Ort des Gespräches werden. Seelsorgerteams sind vor Ort und suchen das Gespräch. Am Vormittag treten immer wieder schweigend Schülergruppen vor die Schule, lassen das Lichtermeer für ihre Mitschüler und Lehrerinnen auf den Stufen wachsen, fassungslos über die Lücke in ihrer Mitte. - dpa

Seelsorger kümmern sich in Düsseldorf um Angehörige

Am Flughafen in Düsseldorf haben sich auch einen Tag nach dem Absturz der Germanwings-Maschine Seelsorger um Angehörige der Opfer gekümmert. Sie hielten sich in einem abgeschirmten Bereich auf, sagte Flughafensprecher Christian Hinkel am Mittwochmorgen. Die Stimmung am Flughafen sei ruhig. "Man ist um Normalität bemüht, soweit das nach so einem Unglück möglich ist." Die Maschine war am Dienstag auf dem Weg nach Düsseldorf in den Alpen abgestürzt. Insgesamt kamen 150 Menschen ums Leben, darunter 67 Deutsche.

"Die Menschen kommen, um nicht in ihrer Trauer alleine zu sein. Vielleicht ist es für die Angehörigen auch gut, wenn sie an einen Ort kommen, wo sie ihre Trauer ausleben können", sagte Klimpel.

Am Dienstagabend waren in Düsseldorf 24 Germanwings-Flüge gestrichen worden. An den Schaltern standen Passagiere Schlange, um umzubuchen. Sechs Menschen übernachteten auf Feldbetten, die der Flughafen aufgestellt hatte.

Am Mittwochmorgen wurde eine Germanwings-Verbindung von Düsseldorf nach Barcelona gestrichen. Ansonsten verlief der Flugbetrieb weitgehend planmäßig. - dpa

Quelle: wa.de

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