"Thema vom Tisch"?

Adler-Richtlinie: Heimische Politiker bei Merkel

+
Die heimischen CDU-Abgeordneten zeigen Kanzlerin Angela Merkel, worum es geht: „Das ist ein stolzer südwestfälischer Schützenadler, der nicht durch die Berliner Bürokratie gerupft werden darf.“

WESTFALEN/BERLIN - Mit Hilfe der Kanzlerin soll ein umstrittener Erlass des Bundesinnenministers abgemildert werden, damit der Schützenadler nicht zur Taube mutiert.

Eine Routinetreffen nordrhein-westfälischer CDU-Abgeordneter im Berliner Kanzleramt wurde am Dienstag dazu genutzt, das Problem anzusprechen. Versprochen wurde wenig, entschieden nichts. Und dennoch herrscht Zuversicht: „Das Thema ist vom Tisch“, ist der Hammer Landtagsabgeordnete Oskar Burkert sicher.

Lesen Sie auch:

Hammer Schützen wollen gegen Richtlinie klagen

Schützenvereine legen sich mit Innenminister an

Adler soll zur Taube werden - Schützenvereine sauer

Nach einer schon für die neue Saison verbindlichen „Schießstandrichtlinie“ darf der hölzerne Adler, auf den bei Schützfesten traditionell geschossen wird, nur noch einen 8 statt 15 Zentimeter dicken Rumpf haben. Die Schützenvereine, allen voran der Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften sowie der rheinische und westfälische Schützenbund lehnen diese Rrichtlinie ab. Künftig könne der Adler nun viel schneller abfallen, befürchten die Schützen. Bislang seien 500 bis 600 Schuss notwendig, bis der Adler in Fetzen fliege. Das Bundesinnenministerium macht dagegen Sicherheitsprobleme geltend. So bestehe die Gefahr, dass Kugeln bei einer Materialstärke von 15 Zentimetern abpralllen. In ihrem aktuellen Protestschreiben an den Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) beteuern die Verbände jedoch, dass es seit Jahrzehnten keine besonderen Vorkommnisse gegeben habe.

So muss ein richtiger Schützenadler aussehen.

Die fragliche Schießstandrichtlinie gilt bereits seit ihrer Veröffentlichung im Bundesanzeiger am 23. Oktober vergangenen Jahres. Im Wesentlichen richtet sie sich an Sportschützen, aber eben auch die Schützen, die sich der Brauchtumspflege verschrieben haben. Und bei denen regt sich erst seit beginn dieses Monats der Widerstand, als ihnen klar wurde, was die Auflagen für Folgen haben könnten.

„Das ist eher eine Taube als ein Adler“, sagte der Oberst des Kreisschützenbundes Brilon, Dieter Braun. Denn aus einem so kleinen Kern könnten die Vogelbauer keinen Adler mit einer Spannweite von mehr als 1,5 Metern mehr bauen. „Wenn diese Schießstandrichtlinie wirklich umgesetzt werden muss, dann können wir gleich aufs Schützenfest verzichten.“

Denn ein derart behördlich gerupfter Adler würde beim ersten Treffer komplett von der Stange fallen. „Da müsste sich der Pastor vom Bischof die Absolution holen, Schützenkönig werden zu dürfen. Denn spätestens beim zweiten Ehrenschuss fällt der Vogel“, sagt Braun. „Wenn nicht vorher schon der Bürgermeister alljährlich beim ersten Schuss König wird.“

Dass das Bundesinnenministerium ihren Vogel rupfen will, hat bei den Schützen das Fass zum Überlaufen gebracht. „Wir sind sowieso gebeutelt genug mit der Gema, dem Nichtraucherschutz und der neu angeordneten Festzug-Absicherung“, sagt Braun. Nun haben die Schützen verbal zurückgeschossen. Und im politisch schwarzen Sauerland haben sie mit ihren Bundestags- und Landtagsabgeordneten schon einige Fürsprecher gefunden, die ihre Botschaft nun bis ins Kanzleramt getragen haben.

Später ließ das Bundesinnenministerium wissen: „Es bestand zu keinem Zeitpunkt eine Absicht, das traditionelle Vogelschießen zu gefährden. Das Ministerium sucht derzeit nach Möglichkeiten, Tradition und Sicherheit gleichermaßen Rechnung zu tragen und eine für alle Seiten akzeptable Lösung zu finden, mit der das traditionelle Vogelschießen ermöglicht werden kann.“ - red

Quelle: wa.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare