Schavan: Fakultätsrat berät erneut über Dissertation

DÜSSELDORF - Das Plagiatsverfahren der Universität Düsseldorf gegen Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) geht heute,Dienstag, in eine entscheidende Phase.

Der zuständige Rat der Philosophischen Fakultät ist am Dienstagnachmittag zusammengekommen, um über das weitere Vorgehen zu beraten. Das Gremium mit 15 stimmberechtigten Mitgliedern entscheidet darüber, ob der Ministerin der 1980 erworbene Doktorgrad entzogen wird oder nicht. Der Rat kann die Prüfung der umstrittenen Arbeit mit dem Titel "Person und Gewissen" aber auch fortsetzen. Eine Frist gibt es nicht.

Schavan, eine enge Vertraute von Kanzlerin Angela Merkel (CDU), räumte Flüchtigkeitsfehler in ihrer Dissertation ein, wies den Vorwurf des Plagiats oder der Täuschung aber zurück. Die Ministerin hält sich seit Montag zu einer fünftägigen Reise in Südafrika auf, wo sie politische Gespräche über berufliche Bildung und Wissenschaftskooperation führt.

Vor zwei Wochen hatte der Fakultätsrat mit 14 Ja-Stimmen bei einer Enthaltung die Einleitung eines Verfahrens zum möglichen Entzug des Doktortitels beschlossen. Der Rat folgte damit der Empfehlung der Promotionskommission. In einem internen Sachstandsbericht war der Kommissionsvorsitzende Professor Stefan Rohrbacher zu der Erkenntnis gekommen, dass in der Arbeit Schavans an zahlreichen Stellen plagiiert worden sei. Aufgrund der systematischen Vorgehensweise liege eine Täuschungsabsicht vor - Schavan bestreitet das. Der Bericht war an Medien durchgesickert.

Wenige Tage vor der zweiten Sitzung des Fakultätsrats kursierte in Medien nun ein Heft des Düsseldorfer Pädagogik-Professors Wolfgang Kramp aus dem Jahr 1978 mit strengen Zitierregeln für die Abfassung von Seminararbeiten. Das in mehrfacher Auflage gedruckte Heft wurde seinerzeit an Studenten verteilt. Einer der Herausgeber war Schavans Doktorvater Gerhard Wehle. Inwieweit das Heft bei den vertraulichen Beratungen des Fakultätsrats eine Rolle spielt, ist unklar. Offen ist auch, ob der Rat noch ein externes Gutachten einholt.

Die Vorwürfe waren erstmals vor neun Monaten im Internet aufgetaucht. Schavan wird unkorrektes Zitieren und die Verschleierung geistigen Eigentums vorgeworfen. Die Tragweite der angeblichen Zitierfehler ist unter Wissenschaftlern umstritten. Sollte die Uni Schavan den Doktorgrad entziehen, kann sie vor dem Verwaltungsgericht Düsseldorf klagen.

Die Promotion war seinerzeit Schavans erster Studienabschluss, was 1980 noch möglich war. Bei einer Aberkennung des Doktortitels hätte Schavan somit keinen Hochschulabschluss.

Die Prüfung der Arbeit in mehreren Instanzen zieht sich bereits seit rund neun Monaten hin. -dpa

-dpa/lnw

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Quelle: wa.de

Rubriklistenbild: © dpa

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