"Scharia-Polizei" tritt nicht mehr in Erscheinung

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WUPPERTAL - Nach massivem öffentlichen Druck hat sich eine Gruppe von radikalen Islamisten mit ihrer selbst ernannten "Scharia-Polizei" aus der Öffentlichkeit zurückgezogen.

In Wuppertal waren vor einigen Tagen elf Salafisten in orangefarbenen Westen mit der Aufschrift "Shariah Police" durch die Straßen patrouilliert und hatten vor Alkohol, Glücksspiel, Musik, Konzerten, Pornografie und Drogen gewarnt. Gegen sie läuft ein Verfahren wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz. Seitdem sei keiner mehr in Erscheinung getreten, sagte ein Polizeisprecher am Montag. "Von denen läuft hier kein einziger mehr herum."

Ministerium: "Haben den Druck gespürt"

Auch im nordrhein-westfälischen Innenministerium hieß es: "Die haben den Druck gespürt und fürchten jetzt die Konsequenzen", sagte ein Sprecher in Düsseldorf. Es sei bei der einen Provokation geblieben. NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) hatte am Samstag angeordnet, die Westen sofort sicherzustellen, sollten die radikalen Islamisten damit erneut auftauchen. Unter den elf Salafisten war - wie inzwischen teilweise gelöschte Videos zeigten - auch Prediger Sven Lau, einer der führenden Köpfe der Szene.

Auch die Bundesregierung und zahlreiche weitere Politiker hatten klargestellt, dass sie ein solches Auftreten nicht hinnehmen werden. Der Zentralrat der Muslime hatte die Aktion in Wuppertal ebenfalls scharf verurteilt. CDU-Innenexperte Wolfgang Bosbach sagte dem "Kölner Stadt-Anzeiger", notfalls sei auch eine Verschärfung der Gesetze zu prüfen. Teile der Salafisten-Szene sind extremistisch und demokratiefeindlich.

Salafisten-Szene wächst

Die Szene wächst, der Verfassungsschutz geht von rund 6000 Anhängern in Deutschland aus, davon 850 Anhängern im militanten Spektrum. Experten warnen, dass das Ziel der Rekrutierungsversuche vor allem junge Menschen sind, die sich leichter radikalisieren lassen. Salafisten legen die Scharia - das islamische Recht - extrem konservativ aus. - dpa

Quelle: wa.de

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