Schadensersatzklage im Warsteiner Legionellen-Drama abgewiesen

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Manfred Malmuka (r.) war aus Solidarität mit Rudolf Pekar gekommen. Links Anwalt Patrick Elixmann.

Warstein/Arnsberg - Die Klage des Beleckers Rudolf Pekar gegen den Ruhrverband hat die Zivilkammer am Landgericht Arnsberg abgewiesen.

Die drei Richter sahen kein schuldhaftes Verhalten beim Betreiben der Kläranlage im Wästertal. Auch die von Pekars Anwalt vorgetragene Meinung, es habe 2013 beim Ausbruch der Legionellen-Krise ein Verstoß gegen das Wasserhaushaltsgesetz vorgelegen und der Ruhrverband sei in der Gefährdungshaftung, teilte die Kammer nicht. Pekars Rechtsanwalt Patrick Elixmann schließt eine Berufung nicht aus.

Rudolf Pekar hatte den Ruhrverband auf mindestens 15 000 Euro Schadensersatz verklagt. Dass es zu Beginn der Verhandlung zu keiner gütlichen Einigung gekommen war, warf Rechtsanwalt Elixmann der Gegenseite vor: „Von unserer Seite aus hat es Versuche gegeben, aber vom Ruhrverband kam keine Reaktion. Auch kein Wort der Anteilnahme. Die sitzen störrisch auf ihrem hohen Ross!“, warf er dem Ruhrverband vor, was von dort aber zurückgewiesen wurde: „Wir haben sehr wohl unser Bedauern ausgedrückt. Aber eine Entschuldigung kann es nicht geben, weil uns keine Schuld trifft“.

Rudolf Pekar gehörte im Sommer 2013 zu einer Gruppe von fünf Kollegen bei der Firma Jungeblodt, die im Freien arbeiteten und an Legionellen erkrankten. In Sichtweite liegt die Kläranlage des Ruhrverbandes. Und von dort sollen die Bakterien verteilt worden sein. Der 63-jährige Kläger lag 16 Tage mit einer Infektion im Krankenhaus, war anschließend längere Zeit arbeitsunfähig und trug Folgeschäden davon.

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Für ihn war es „unerträglich“, dass niemand für das Desaster mit 165 Erkrankten und drei Toten verantwortlich sein sollte. Rudolf Pekar hatte zu einer Gruppe Erkrankter gehört, die früh eine Klage erwogen hatte. Doch dazu kam es in der Gemeinschaft nicht, weil das Kostenrisiko zu groß erschien.

Zu dieser Gruppe gehörte auch Manfred Malmuka, der Rudolf Pekar gestern solidarischen Beistand im Gerichtssaal gab. Malmukas Frau Renate gehörte damals zu den drei Toten, und er zeigte sich noch sehr aufgebracht, dass es nie zu einer juristischen Aufarbeitung kam. „Aber wir haben uns damals gedacht, gegen die Rechtsabteilungen der Unternehmen hätten wir keine Chance, wenn die teure Gutachter einschalten. Deshalb war ich überrascht, dass Rudi doch geklagt hat!“

Der Hebel, den dessen Anwalt Patrick Elixmann gefunden hatte, ist eine kurze Passage im gut 300-seitigen Gutachten von Prof. Martin Exner für die Aufarbeitung des Legionellenbefalls: Er hatte an der Kläranlage des Ruhrverbandes eine erheblich über dem gesetzlich zulässigen Wert liegende Legionellen-Konzentration gemessen, die bei Vergleichsmessungen im Stadtgebiet massiv unterschritten wurde.

Die Jungeblodt-Arbeiter seien aber der hohen Konzentration ausgesetzt gewesen. „Warum haben Sie nicht die Firma Esser oder die Brauerei in Anspruch genommen?“, fragte Richter Pagel. Antwort: „Von dort liegen keine Messergebnisse vor“.

Am Ende der Verhandlung gingen die Ruhrverbands-Anwälte Dr. Inken Pehla und Gregor Franßen auf Rudolf Pekar zu und drückten ihm ihr Bedauern für sein erlittenes Leid aus. Die Verantwortung dafür könne aber nicht übernommen werden. - pit

Quelle: wa.de

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