Sargfabrik Glunz erhält ganz besonderen Auftrag

Ein Sarg aus Hamm für Helmut Kohl

Hamm - Millionen Menschen sitzen vorm Fernseher, um die Trauerfeiern für Altbundeskanzler Helmut Kohl zu verfolgen. Vier Männer aus Hamm schauen dabei besonders genau hin.

Thomas May, Betriebsleiter der Hammer Sargfabrik Heinrich Glunz, sowie seine Kollegen Michael Büscher, Reiner Driesner und Waldemar Wiens haben im Auftrag eines Bestatters aus Ludwigshafen den Sarg für Helmut Kohl gebaut. Und er ist längst nicht der einzige prominente Mensch, der in einem Hammer Sarg seine letzte Ruhe gefunden hat.

Von links: Thomas May, Michael Büscher, Waldemar Wiens und Reiner Driesner.

„Für mich war es eine besondere Ehre, den Sarg für einen so großen Staatsmann wie Helmut Kohl zu erstellen“, erzählt May. Dabei war er bei der Wiedervereinigung Deutschlands, die auf Ewigkeiten eng mit den Namen Helmut Kohl verbunden sein wird, gerade einmal elf Jahre alt und hatte mit Politik „noch nicht wirklich etwas am Hut“. Aber auch danach habe Helmut Kohl noch viel bewirken können. Was er besonders an dem CDU-Politiker geschätzt hat? „Sein Durchsetzungsvermögen und sein selbstbestimmtes Auftreten“, so der 38-Jährige, dessen Großvater die Sargfabrik Glunz 1946 gegründet hatte.

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Dass ausgerechnet die Firma aus Hamm-Weetfeld den Auftrag erhalten hat, den Sarg für Helmut Kohl zu bauen, hat sie der jahrelangen Zusammenarbeit mit Bestattern aus dem gesamten Bundesgebiet zu verdanken. Und wie es der Zufall wollte, hatte einer der Kunden der Sargfabrik Glunz seinerseits den Auftrag bekommen, sich mit weiteren Bestattern um die Trauerfeierlichkeiten für Helmut Kohl zu kümmern.

Sarg größer als die meisten anderen

Es war dann am vorigen Donnerstag gegen 7 Uhr, als es bei Thomas May klingelte und die Anfrage kam, ob seine Firma dazu in der Lage sei, den Sarg für Helmut Kohl, eine Sonderanfertigung, anzufertigen. „Eigentlich sollten wir den Sarg sogar schon am Donnerstagnachmittag abliefern.“ Doch das sei zeitlich nicht möglich gewesen. Immerhin: Um 7 Uhr am anderen Morgen hatte der 80 bis 90 Kilogramm schwere Sarg an Bord eines Fahrzeugs der Firma Glunz seinen Bestimmungsort in Rheinland-Pfalz erreicht.

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Bis dahin mussten Thomas May und seine drei Mitarbeiter, alle sind gelernte Tischler, eine Nachtschicht einlegen. Dabei mussten sie einiges beachten. Der Standardsarg ist 200 mal 70 Zentimeter groß. „In diesem Fall sollte der Sarg 216 mal 92 Zentimeter groß werden.“ Eine solche Sondergröße habe man aber nicht auf Lager. Daher habe man ihn erst zurechtschneiden müssen. Außerdem sollte der Sarg „Eiche rustikal mit Buchdeckel“ an den Seiten zwei Edelstahl-Stangen für insgesamt acht Träger und nicht wie sonst üblich sechs Haltegriffe für sechs Träger bekommen. „Buchdeckel deshalb, weil die Oberseite des Sarges nicht flach ist, sondern einem aufgeklappten Buch ähnelt“, erklärt May.

Wegen Zeitdruck Teamarbeit gefragt

Besonders sei auch gewesen, dass man den Sarg nicht habe von Innen ausstatten müssen. „Das wird vor Ort geschehen“, so May, der allerdings nicht sagen konnte, wie das Innere von Helmut Kohls Sarg aussehen wird. Normalerweise dauert es „drei bis vier“ Tage, bis ein Sarg hergestellt ist. Jeder Mitarbeiter habe seine feste Aufgabe. „Der eine schneidet das Holz zurecht, andere führen die Hobelarbeiten durch, kleben die Einzelteile zusammen oder lackieren ihn.“ Beim Sarg von Helmut Kohl war aufgrund des Zeitdrucks hingegen Teamarbeit gefragt. „Wir haben uns gegenseitig geholfen“, sagt Michael Büscher.

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Auch für ihn war es „eine Ehre“, an dem Sarg für Helmut Kohl mitgebaut zu haben. Jeden Monat verlassen rund 2500 Särge die Sargfabrik Glunz. May: „Wir haben etwa 100 Modelle. Hinzu kommen diverse Sondermodelle – nicht nur für Helmut Kohl.“ Fußballfans könnten sich zum Beispiel in einem gelb-schwarzen oder einem blau-weißen Sarg bestatten lassen. Gefragt sei auch der „Papst-Sarg“. Es handele sich dabei um einen Nachbau des Sarges, in dem vor zwölf Jahren Papst Johannes Paul II. bestattet wurde.

Rühmann, Westerwelle, Enke...

Helmut Kohl ist übrigens nicht der einzige Prominente, der in einem Sarg aus Hamm seine letzte Ruhe gefunden hat. Auch Heinz Rühmann, Guido Westerwelle sowie der frühere Fußball-Nationalspieler Robert Enke wurden in einem Sarg der Firma Glunz – sie ist eine von noch rund 25 Sargfabriken in ganz Deutschland – beigesetzt.

Und das wird auch Helmut Kohl. Viel wurde im Vorfeld der Trauerfeierlichkeiten in den Medien über den Streit berichtet, der deswegen innerhalb der Familie entbrannt ist. „Und das macht mich traurig – vor allem dass sein Sohn wohl nicht an der Beisetzung teilnehmen wird“, sagt Tischlermeister Thomas May.

Der Weg des Hammer Sargs am Samstag:

Die Trauerfeierlichkeiten beginnen am Samstag um 11 Uhr mit einem europäischen Trauerakt in Straßburg, an dem auch Kanzlerin Angela Merkel und der ehemalige US-Präsident Bill Clinton teilnehmen. Kohl wird als erster Politiker überhaupt mit einer solchen Zeremonie auf EU-Ebene geehrt. Danach wird der Sarg mit einem Hubschrauber nach Ludwigshafen – hier wurde Helmut Kohl geboren – geflogen. Geplant ist, dass der Sarg mit dem Leichnam durch Ludwigshafen gefahren und danach auf einem Schiff nach Speyer transportiert wird. Im dortigen Dom ist um 18 Uhr eine Totenmesse, anschließend findet die Beisetzung im Familien- und Freundeskreis statt.

Quelle: wa.de

Rubriklistenbild: © picture alliance / Marijan Murat

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