Säge-Riese verklagt NRW: Heimische Betriebe bangen

Momentaufnahme: Nach „Kyrill“ stapelte sich das Holz im Sauerland, jetzt ist es wieder knapp.

MÜNSTER ▪ Fünf Jahre nach dem Orkan Kyrill rauscht es wieder heftig in den heimischen Wäldern. Den Wind entfacht haben kleine und mittlere Sägewerker der Region. Sie blicken mit Sorge zum Landgericht Münster, wo derzeit über die Millionenklage eines österreichischen Holzkonzerns gegen das Land NRW verhandelt wird.

Von Holger Drechsel und Christiane Goeke

Die Firma Klausner pocht auf die Einhaltung der Liefervereinbarungen, die das Land kurz nach Kyrill mit sechs Sägewerks-Riesen geschlossen hatte. Es geht um 15 Millionen Euro – und aus Sicht der heimischen Sägewerker um die Zukunft ihrer Rohstoffversorgung. Ein Urteil wird am 17. Februar erwartet.

Nach Kyrill, als das Sturmholz sich in den Wälder stapelte, hatte das Land, damals noch schwarz-gelb regiert, langfristige Liefer-Vereinbarungen mit den Branchenriesen getroffen – über rund 10 Millionen Festmeter bis zum Jahr 2014. „Ziel war, den Markt zu beruhigen, damit die Holzpreise nicht ins Bodenlose fallen“, sagt Wilhelm Deitermann, Sprecher im NRW-Umweltministerium. Als Mindestpreis wurden 75 Euro je Festmeter vereinbart.

Nur, so klagt Sägewerker Theodor Schulte aus Meschede: „Damals, als die Preise unten waren, haben die Großen weniger getan, als sie hätten tun können. Und heute, wo die Preise bei fast 100 Euro je Festmeter liegen, saugen sie den Markt leer.“ Sein Kollege Arnd Seuthe aus Soest-Ampen sagt, dass er kaum noch Holz aus dem Staatswald bekomme: „Meine Laster müssen nun weite Wege fahren, was bei den Spritpreisen sofort höhere Kosten bedeutet. Das ist weder ökonomisch noch ökologisch vertretbar.“ Und Sägewerker Ernst Daniel Fisch aus Rüthen pflichtet ihm bei: „Die Interessen der großen Industrie sind berücksichtigt und die heimische sei unter den Tisch gefallen.“

Eine Position, die der Forstexperte Professor Andreas Schulte von der Universität Münster schon 2008 eingenommen hatte. Damals bescheinigte der Experte, dass die sechs Branchenriesen durch die Vereinbarungen mit dem Land einen „eindeutigen Wettbewerbsvorteil“ genießen würden. Er prophezeite seinerzeit: „Die Rahmenkaufverträge werden NRW erheblichen volkswirtschaftlichen Schaden zufügen.“

Wie groß ein solcher Schaden werden kann, hängt nun auch vom Landgericht Münster ab. Dort pocht die Firma Klausner darauf, bis 2014 jährlich 500 000 Festmeter Fichtenstammholz vom Land zum Preis von 75 Euro je Festmeter zu bekommen – also mindestens 20 Euro unter dem aktuellen Marktpreis.

Aus Sicht des Landes gibt es die Liefervereinbarung mit Klausner allerdings gar nicht mehr. Das Unternehmen habe sich mehrfach nicht an die Übereinkunft gehalten, sagt Ministeriumssprecher Deitermann. Als der Marktpreis unter 75 Euro lag, habe Klausner kaum Holz abgenommen. Jetzt, zu Hochpreiszeiten, poche man auf den Mindestpreis: „Kein zuverlässiger Partner“, so Deitermann, daher sei man 2009 von Vereinbarung zurückgetreten. Auch habe sich Klausner, anders als die anderen fünf Säge-Riesen, nicht auf Nachverhandlungen eingelassen.

Für die Sorgen der heimischen Sägewerker habe man beim Land Verständnis, sagte Deitermann, betonte aber: Die großen Vertragspartner hätten die ihnen garantierten Mengen nicht annähernd ausgeschöpft: „Der Wald ist nicht leergefegt.“

Quelle: wa.de

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