RWE-Strompreis vorerst stabil

ESSEN ▪ Gleichzeitig Aktionäre und Kunden glücklich zu machen – das versuchte gestern Jürgen Großmann. Der RWE-Chef sagte zu, dass der Energieriese  vorerst nicht an der Preisschraube drehen will. Beim Strom gelte weiter die Ankündigung, die Preise bis Mitte 2010 stabil zu halten. Nicht ganz so mutig ist der Konzern beim Gas. Momentan soll sich nichts tun. Doch RWE wolle „den Markt beobachten“.

An die Aktionäre zahlt der Konzern 3,50 Euro Dividende. Das ist ein Euro weniger als im Vorjahr, weil ein geringerer Teil des Gewinns ausgeschüttet wird. Sparsamkeit scheint geboten, denn die Nettoverschuldung kletterte nach der Übernahme des holländischen Konkurrenten Essent auf über 25 Milliarden Euro. Trotzdem wirft die RWE-Aktie rund 5,6 Prozent Rendite ab. „Gute Chancen, um weiterhin der Dividenden-Fels in der Brandung zu sein“, jubilierte Großmann bei der Bilanzvorlage.

Dass der Aktienkurs gestern dennoch schwächelte, liegt am vorsichtigen Geschäftausblick. Beim Nettoergebnis halbierte der Vorstandschef die versprochenen Steigerungsraten für die nächsten Jahre auf 5 Prozent. „Wir erwarten, dass es mehrere Jahre dauern wird, bis die europäische Wirtschaft und auch der Strom- und Gasverbrauch wieder auf normalen Touren laufen“, warnte Großmann. Zudem verzögern sich mehrere RWE-Großprojekte – wie etwa das Kohlekraftwerk in Hamm-Uentrop, wo der Zulieferer Alstom zwei fehlerhafte Kesselgerüste komplett neu bauen muss.

Ambitioniert scheint es deshalb, die Rekordzahlen von 2009 zu toppen. Immerhin schafften die Essener im vergangenen Jahr ein Plus von 4 Prozent auf 7,1 Milliarden Euro beim betrieblichen Ergebnis. Im verschärften Wettbewerb auf dem Strommarkt hat sich RWE behauptet. Vor allem dank der Discount-Tochter Eprimo wurden im Inland per Saldo 90 000 zusätzliche Kunden gewonnen. Und: „Bei den Konzessionsverträgen für Verteilnetze haben wir 2009 bundesweit eine Verlängerung in mehr als 90 Prozent der Fälle erreicht“, sagte Großmann. Bis 2025 will er den RWE-Strom zu 30 Prozent aus Erneuerbaren Energien, zu 30 Prozent aus Gas und zu 15 Prozent aus Kernenergie erzeugen. Dieser klimafreundliche 75-Prozent-Anteil komme aber nur bei einer Verlängerung der Laufzeiten aller 17 deutschen Atommeiler zustande. ▪ jod

Quelle: wa.de

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