Der Rursee fällt und fällt - Umweltsünden werden sichtbar

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Pegelmesser stehen an der Rurtalsperre in der Eifel auf dem Trockenen.

HEIMBACH - Er nimmt ab, der Rursee. Jeden Tag fällt der Pegel der großen Eifeler Talsperre weitere zehn Zentimeter. Seit Monaten geht das so. Der See gibt Wasser ab, aber es regnet nicht. Campingplätze haben ihre Seelage verloren, Anlegestellen ragen wie achtlos weggeworfen aus dem Morast.

Die Ufer sind eine Kraterlandschaft. Der See nähert sich einem Niedrig-Rekord an, den er zuletzt vor 15 Jahren erreichte. Für Staumeister Bernd Hüpgen kein großes Ding: „Das ist ja unsere Aufgabe, mit Trockenzeiten umzugehen.“ Die Talsperren schaffen Wasservorrat für trockene Monate.

Auch an diesem nebeligen Morgen kommen ein paar ältere Menschen, um sich den Rursee anzuschauen. So „eingefallen“ hat er schon lange nicht mehr ausgesehen, ein Schatten seiner selbst – allerdings mit beeindruckenden Randerscheinungen. „An den Wochenenden kommen viele hierher, um sich das anzusehen, sogar aus Düsseldorf“, sagt Hüpgen.Mit jedem Meter weniger kommt mehr ans Tageslicht. Mauerreste alter Höfe werden sichtbar. Der See zeigt auch, was er alles schlucken musste. Containerweise fischen Hüpgens Männer Müll aus dem See. Die Autoreifen stapeln sich mittlerweile in zwei Containern. Dazu Kanister, Fässer, Motorräder mit abgeflexten Fahrgestellnummern. Gerade haben die Männer noch einen Anglerkahn gefunden. „Der liegt schon länger da und ist voll mit Schlick“, sagt Stefan Latz. Es ist das dritte Boot. Ein anderes war mit Schrott beladen versenkt worden.Ein trockener Frühling, ein trockener Herbst, und dazwischen Sommerregen, der gerade mal für Wald und Wiesen reichte – das kostete den See Substanz. Und bringt die Menschen auf merkwürdige Ideen: Klettern an den Steilfelsen des Rursees. Was im vergangenen Jahr noch als verrückter Marketing-Gag gewirkt hätte, haben ein paar findige Sportler der kleinen Kletterszene für sich entdeckt.

Inseln verschwinden, Romantik wird entzaubert. Die „Liebesinsel“ ist plötzlich ganz banal zu Fuß erreichbar. Die Landzunge zum Nationalpark liegt nicht mehr unter Wasser. Aber man sollte vorsichtig sein, wenn man das aufgetauchte Land betritt. Vor ein paar Tagen sackte eine junge Frau bis zur Hüfte ein. Eine Wandergruppe in der Nähe war machtlos. Die Feuerwehr musste kommen und wie auf Eis eine Leiter auslegen. Jetzt warnt der Wasserverband Eifel-Rur mit Schildern.

Reicht das Wasser im Rursee? Darüber machen sich die Wasserwirtschaftler keinen Kopf. Ein Jahr sei kein Problem. „Mehrere Tage Landregen, das würde etwas bringen.“ - dpa

Quelle: wa.de

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