Ruhrwasser erhitzt die Gemüter

Filteranlage in einem Wasserwerk. ▪

DÜSSELDORF Die Wasserwerk-Betreiber entlang der mittleren Ruhr und Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) streiten um millionenschwere Investitionen zur Verbesserung der Trinkwasserqualität. Zwar sei es unstreitig, dass die Trinkwasser-Aufbereitung aus der Ruhr technisch aufgerüstet werden müsse, doch wollten die Wasserwerke sich damit zu lange Zeit lassen, nämlich bis 2017, sagte Remmel.

Von Detlef Burrichter

„Das will ich schneller haben“, sagte Remmel und verwies auf einen aktuellen Expertenbericht zur Güte des Ruhrwassers, der alarmierend ist. Darin wird aufgezeigt, dass der Fluss immer mehr brisante Fracht transportiert. Neben Industrie-Chemikalien wie PFT, die im Verdacht steht, Krebs zu erregen, gehören Rückstände von Arzneimitteln, Röntgenkontrastmitteln, Herbiziden, Waschmitteln und vielen anderen gesundheitsgefährdenden Stoffen dazu.

Zwar müsse kein Verbraucher heute Angst haben. „Das Trinkwasser aus der Ruhr ist sicher“, versicherte der Minister. Alle Schadstoffmessungen im Trinkwasser lägen unterhalb der zulässigen Grenzwerte. Aber um künftig Risiken für die Gesundheit der etwa fünf Millionen Menschen sicher auszuschließen, die aus der Ruhr aufbereitetes Trinkwasser beziehen, müsse „so schnell wie möglich“ gehandelt werden. Er halte einen Zeitrahmen von zwei bis maximal drei Jahren für ausreichend, sagte Remmel.

Es gebe lange erprobte technische Verfahren, um die gefährlichen Mikroschadstoffe bei der Trinkwasseraufbereitung zu eliminieren. Diese Verfahren würden sowohl in den Wasserwerken entlang des Rheins also auch in den Wasserwerken am oberen und unteren Lauf der Ruhr bereits seit Jahrzehnten erfolgreich angewendet, so der Minister.

Es bedürfe eines Multi-Barrieren-Schutzes, sagte Remmel. Dazu gehörten neben der Ertüchtigung der Trinkwasser-Aufbereitungsanlagen auch Maßnahmen zur Verminderung an der Quelle der Industrieeinleitung sowie die verbindliche Einführung einer vierten Klärstufe in den kommunalen Kläranlagen. Über das Paket werde er mit Bezirksregierungen, Wasserversorgern und Kommunen sprechen.

Verärgert zeigte sich der Minister über das Vorpreschen der Bezirksregierung Arnsberg. Regierungspräsident Gerd Bollermann (SPD) hatte bereits 2010 einen Anordnungsentwurf zur Ertüchtigung der Wasserwerke entlang der mittleren Ruhr vorgelegt und seitdem bereits mehrfach Remmels Unterschrift angemahnt. Doch er halte diese Anordnung für „nicht rechtssicher“, sagte Remmel. Es bedürfe außerdem gar keiner Anordnung, damit die Wasserwerk-Betreiber investieren könnten. Sollten diese aber weiter auf einer ministeriellen Anordnung bestehen, werde er eine verfügen – „dann allerdings zu meinen Bedingungen“, so Remmel. Die Anordnung werde dann rechtssicher sein und einen deutlich kürzeren Zeitrahmen vorgeben.

Etwa 180 Millionen Euro müssen die Wasserwerk-Betreiber an der mittleren Ruhr nach Angaben des NRW-Umweltministeriums in ihre Wasseraufbereitungsanlagen investieren, um Mikroschadstoffe sicher auszu- filtern. Betroffen seien bis zu neun Wasserwerke, im Einzelnen sind das die Wasserwerke in Warmen, das das Trinkwasser für Hamm liefert, sowie in Schwitten, Halingen, Hengsen, Villigst, Ergste, Westhofen, Vollmarstein und Witten.

Quelle: wa.de

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