Ruhrgebiet jubelt über Welterbe-Kandidatur

ESSEN - Ein Welterbe-Titel bringt Ruhm, Fördergelder und Besucher. Deshalb wollen viele Städte auf die Vorschlagsliste. Das Ruhrgebiet hat sich in der ersten, NRW-weiten Runde gegen scharfe Konkurrenz durchgesetzt.

Nach der Nominierung als NRW-Kandidat ist das Ruhrgebiet zuversichtlich, auch das Rennen um die deutschen Vorschläge für künftige Unesco-Welterbestätten zu gewinnen. „Wir sind sehr froh und rechnen uns gute Chancen aus, jetzt auch die zweite Runde zu schaffen“, sagte Ruhr-Regionaldirektorin Karola Geiß-Netthöfel am Freitag in Essen. NRW-Bauminister Michael Groschek (SPD) hatte am Donnerstag die „Industrielle Kulturlandschaft Ruhrgebiet“ als einzigen Bewerber des Landes für die deutsche Vorschlagsliste präsentiert.

Enttäuscht reagierten die unterlegenen bergischen Städte Solingen, Remscheid und Wuppertal: Die Müngstener Brücke, Deutschlands höchste und mehr als 100 Jahre alte Eisenbahnbrücke kam nicht auf die NRW-Vorschlagsliste. „Die Müngstener Brücke hätte als Erbe der Industriekultur eine größere Anerkennung verdient“, erklärte Solingens Oberbürgermeister Norbert Feith (CDU).

Insgesamt waren neun Stätten zwischen Paderborn und Bad Münstereifel vorgeschlagen worden. Nordrhein-Westfalen hat bisher vier Einträge als Weltkulturerbe: den Kölner Dom, den Aachener Dom, die Schlösser Augustusburg und Falkenlust in Brühl bei Bonn und den Industriekomplex Zeche und Kokerei Zollverein. Für die 1986 stillgelegte Großzeche hatte der Welterbetitel viel öffentliche Aufmerksamkeit, Besucher und dann auch Fördergelder für einen gelungenen Umbau zum Kultur- und Ausstellungszentrum gebracht. 2010 war der Zechenkomplex Keimzelle des Kulturhauptstadt-Programms im Ruhrgebiet mit über 10 Millionen Besuchern.

Bis 2014 muss Deutschland seine nationalen Vorschläge für den renommierten Wettbewerb festlegen, 2015 verabschiedet die Unesco die neue Vorschlagsliste. Zum Vorschlag der „industriellen Kulturlandschaft Ruhrgebiet“ gehören rund 20 Stätten in der Region, darunter ein riesiger Gasspeicher in Oberhausen, die Kruppsche Wohnsiedlung Margarethenhöhe in Essen, der Landschaftspark Duisburg-Nord mit stillgelegten Hochöfen sowie Bergehalden aus dem weitgehend ausgelaufenen Steinkohlebergbau. Industrielle Erbestätten seien bei der Unesco bisher noch unterrepräsentiert, sagte die Sprecherin der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur NRW, Marita Pfeiffer. Der Vorschlag habe durchaus Chancen, auch weil er an das bestehende Weltkulturerbe Zollverein anknüpfe und ein ganzes Netz von mehreren Denkmalen knüpfe. Genau das fehlte dem Vorschlag Müngstener Brücke: Eine Jury aus Fachleuten hatte den monumentalen Stahlbau über das Tal der Wupper zwar mit Nachdruck gewürdigt. Als Einzelbauwerk sei eine Bewerbung aber nicht erfolgversprechend. Die Fachleute rieten, die Brücke mit anderen vergleichbaren technischen Bauwerken anzumelden. Die bergischen Städte wollen diese Anregung aufgreifen und ihre Brücke mit Bauten des Ingenieurs Eiffel - einem Viadukt in Frankreich und zwei Brücken in Portugal - als transnationales Projekt erneut vorschlagen.

Quelle: wa.de

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