Röttgens Rücktritt: "Ich habe verloren"

DÜSSELDORF - Als um 18 Uhr im Partyzelt vor der Düsseldorfer CDU-Parteizentrale die Prognose des ZDF über den Bildschirm flimmert, sind die Mienen der anwesenden CDU-Mitglieder versteinert. 25 Prozent - das ist noch weniger als erwartet.

Von Nicole Scharfschwerdt und Sandra Hottenrott

„Eine enttäuschende Niederlage“, ringt sich ein CDU-Mitglied dann ab. „Deprimierend“, fügt er hinzu. Ja, sie hatten ein schlechtes Ergebnis erwartet in den letzten Tagen. Aber dieses Ergebnis ist nicht nur schlecht, das ist katastrophal. Auch Norbert Röttgen weiß das. Neun Minuten später zieht er seine Konsequenzen.

Eigentlich wollte der Landesvorsitzende das Wahlergebnis erst nach der ersten Hochrechnung kommentieren. Doch jetzt bleibt ihm keine Hoffnung mehr. Gemeinsam mit dem Landesvorstand und seinem Schattenkabinett betritt Röttgen die Bühne. Seine Frau Ebba dicht an seiner Seite. Während sich die CDU-Prominenz noch um ihn versammelt, bringt ein Reporter schon lautstark das Ergebnis auf den Punkt. „Desaströs“ sei das Abschneiden der CDU, befindet auch er.

Zwtl.: „Eine eindeutige, klare Niederlage“

Als Röttgen das Wort ergreift, spricht er von einer „eindeutigen, klaren Niederlage“. Immer wieder sagt er das, als ob er es selbst noch nicht ganz glauben könnte. Doch von Anfang macht er klar: Das ist auch seine Niederlage, vor allem seine Niederlage. Er will nichts beschönigen, kann es auch nicht an diesem Abend. „Ich habe verloren, es war mein Wahlkampf“, räumt er ein. Starr blickt er geradeaus.

Kaum jemand hat hier wohl mit einem Triumph gerechnet. Eine Stunde vor Schließung der Wahllokale ist das Partyzelt der CDU in der Düsseldorfer Wasserstraße noch verwaist. Außer dem Cateringpersonal und Dutzenden Journalisten ist niemand zu sehen. Die CDU-Spitze berät sich im abgeschlossenen Bereich des Hauses.

Einer der wenigen Partybesucher, die schon da sind, ist sich sicher: „Die Messer sind gewetzt“, sagt Christian Combüchen. Wie viele andere nimmt auch er es Röttgen übel, dass dieser sich nicht darauf festgelegt hat, ob er Landtagsabgeordneter wird oder wieder nach Berlin zurückkehrt. „Der nächste Kandidat sollte sich auf jeden Fall auf NRW festlegen“, sagt er.

Zuallererst wird die CDU einen neuen Landesvorsitzenden brauchen. Röttgen tritt die Flucht nach vorn an. Ein Parteitag soll einen neuen Vorsitzenden wählen, er wird nicht mehr antreten, sagt er in seinem kurzen Statement. Sein Gesicht verrät kaum eine Regung, Röttgen erscheint wie paralysiert.

Kurz darauf verlässt er die Parteizentrale und macht sich auf den Weg zum Landtag. Dort wird er von einer Traube von Reportern erwartet. Röttgen biegt sofort ab, Fragen ignoriert er. Er leckt sich die Lippen, wirkt nervös. Doch die Reporter wird er nicht los. Der Tross rempelt an ein Stehtischchen, Chips fliegen durch die Luft. Röttgen klammert sich an seiner Frau Ebba fest.

Da helfen auch die Worte des bisherigen CDU-Fraktionsvorsitzenden Karl-Josef Laumann nichts, der Röttgen immerhin bescheinigt, „ein klasse Umweltminister“ zu sein. Ab Montag wird sich Röttgen dieser Aufgabe im Bund wieder zuwenden können. An den Stehtischen in der NRW-Parteizentrale versuchen die CDU-Mitglieder indessen, zu verstehen, was geschehen ist. Von Party kann keine Rede sein. - dapd

Quelle: wa.de

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