Raubserie durch halb Europa: Angeklagter schweigt

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ESSEN - Die Täter waren maskiert und bewaffnet, kaperten auf ihrer Flucht gleiche mehrere Autos. Vor dem Essener Landgericht hat der Prozess um eine Serie von Raubüberfällen auf Juweliere begonnen. Der Angeklagte gilt als brutal und gefährlich.

Schüsse auf offener Straße, Angst und brachiale Gewalt: Nach einer Raubserie auf Juweliere muss sich ein 28-jähriger Mann seit Donnerstag vor dem Essener Landgericht verantworten. Im Prozess geht es um drei bewaffnete Überfälle in Marl, Rüsselsheim und im hessischen Dreieich. Der Wert der Beute: rund 750 000 Euro. Der Angeklagte ist nach ähnlichen Taten in Spanien und Österreich bereits zu jeweils sechs Jahren Haft verurteilt worden. Zu den nun angeklagten Vorwürfen aus den Jahren 2008 und 2011 will der 28-Jährige schweigen.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Angeklagte zu einer internationalen Tätergruppe gehört, die ihre Zentrale in Serbien hat. Der 28-Jährige war Anfang 2013 nach einem Raubzug in Madrid festgenommen worden und anschließend zuerst nach Österreich und dann nach Deutschland überstellt worden. Bei einem Überfall in Österreich hatte er einem Juwelier sogar in den Mund geschossen. Der Mann war später an den Folgen der schweren Verletzungen gestorben. In Spanien war er auf der Flucht selbst angeschossen worden.

Wegen der offensichtlichen Gefährlichkeit des Angeklagten gelten für den Prozess in Essen besondere Sicherheitsmaßnahmen. Es befinden sich bewaffnete Polizeibeamte im Saal, jeder Zuhörer muss sich ausweisen und wird direkt vor dem Gerichtssaal erneut auf Waffen durchsucht.

Die nun angeklagten drei Raubüberfälle in Deutschland liefen laut Anklage fast immer nach dem selben Muster ab. Der Angeklagte soll die Angestellten der Juweliergeschäfte mit Waffen bedroht haben. Anschließend sollen seine Komplizen, von denen offenbar noch keiner ermittelt werden konnte, die Vitrinen mit Vorschlaghämmern zertrümmert und die Beute eingesammelt haben. "Ich hatte Todesangst", sagte eine der betroffenen Frauen, die bei einem Juwelier in Dreieich arbeitet, den Richtern. "Ich dachte, er wird auf mich schießen." Als später alles vorbei gewesen sei, sei sie völlig fertig gewesen. "Ich habe mich auf einen Stuhl gesetzt und nur noch geweint." Die 56-Jährige war mit einer Maschinenpistole bedroht worden.

Besonders gefährlich und spektakulär war der Überfall in Marl vom 14. März 2011. Damals waren die Täter mit ihrem Fluchtwagen verunglückt und hatten mit Waffengewalt mehrere Autos angehalten und gekapert. Dabei waren auch Schüsse abgegeben worden. Allein bei diesem Überfall wurden laut Anklage Uhren im Wert von rund einer halben Million Euro erbeutet.

Belastet wird der Angeklagte vor allem durch DNA-Spuren. Das Essener Landgericht hat für den Prozess zunächst noch vier Verhandlungstage bis zum 8. Mai vorgesehen. - dpa

Quelle: wa.de

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