TÜV prüft Karnevalswagen - "Manchmal muss man sich zanken"

KÖLN - Bevor die Rosenmontagszüge rollen, müssen die Jecken ihre Karnevalswagen checken lassen. Experten des TÜV Rheinland prüfen, ob alles in Ordnung ist, damit beim närrischen Spektakel nichts passiert.

Von Petra Albers

Helmut Meyer misst aus, wiegt nach und hakt ab. Der Prüfer des TÜV Rheinland steht mit einer Liste in der Hand oben auf dem blau-weißen Karnevalswagen: Er testet die Beleuchtung, untersucht die Bremsen und wackelt am Geländer. Rechtzeitig vor dem Kölner Rosenmontagszug muss die Sicherheit aller Wagen überprüft sein, die dort mitfahren sollen. "Karneval ist zwar die lustigste, aber auch die komplizierteste Szene", sagt der 69-Jährige schmunzelnd.

Diesmal sind die "Blauen Funken" dran. In der Halle der Kölner Traditionsgesellschaft erklimmen Meyer und sein Kollege Andreas Bräckle nach und nach die mehr als ein Dutzend Wagen. Grundlage für die Überprüfung ist eine bundeseinheitliche Regelung für den Einsatz von Fahrzeugen bei Brauchtumsveranstaltungen. "Die großen Anhänger, von denen die Karnevalisten die Kamelle runterwerfen, müssen zum Beispiel eine rutschfeste Stehfläche haben. Die Brüstung muss mindestens einen Meter hoch sein", erklärt Meyer, der seit 20 Jahren im Auftrag des TÜV Rheinland die Gefährte der Karnevalsvereine im Großraum Köln überprüft.

Wenn die Experten etwas zu beanstanden haben, müssen die Vereine nachbessern. Erst wenn alles in Ordnung ist, erhalten sie das nötige Gutachten zur Vorlage bei der Zulassungsbehörde. "Es kommt zum Beispiel öfter vor, dass die Reifen alt sind, die Beleuchtung nicht richtig funktioniert oder der Anhänger überladen ist", sagt Meyer, der selbst begeisterter Karnevalist und Mitglied der "Blauen Funken" ist. "Manchmal muss man sich mit den Leuten zanken, weil sie nicht einsehen wollen, dass etwas nicht passt."

Größere Schwierigkeiten gebe es vor allem abseits der Hochburgen bei kleineren Vereinen, die nur wenig Erfahrung mit Karnevalswagen haben. Einige Karnevalisten informieren sich im Vorhinein beim TÜV, auf was sie achten müssen. Aber immer wieder sehen die Prüfer Dinge, bei denen sie sich nur wundern können. "Kürzlich habe ich mir einen Anhänger mit zweigeschossigem Aufbau angeschaut - das ging gar nicht", erzählt Bräckle. "Das war überhaupt nicht sicher genug. Die müssen die obere Etage jetzt leider absägen, und dann prüfen wir das ganze noch mal."

In den vergangenen Wochen hatte es etwa bei Jecken im Münsterland Unmut gegeben, weil einige ihrer Wagen nicht durch den TÜV gekommen waren. Die geforderten Umbauten und die TÜV-Gebühren von rund 100 Euro pro Gefährt sorgten bei kleineren Vereinen für Frust. Seit der Loveparade-Katastrophe in Duisburg mit 21 Toten im Jahr 2010 haben viele Kommunen ihre Auflagen verschärft.

"Teilweise haben einige Städte das mit den Gutachten sehr lax gehandhabt", sagt Meyer kopfschüttelnd. "Dabei geht es hier doch um die Sicherheit vieler Menschen." Die Kölner Bezirksregierung hatte die TÜV-Pflicht für Karnevalswagen als Folge eines tödlichen Unfalls beim Rosenmontagszug 2001 eingeführt, bei dem eine Frau von einem Wagen überrollt worden war.

Bei den Wagen der "Blauen Funken" haben die Prüfer keine größeren Beanstandungen gefunden. Trotzdem ist Funken-Präsident Theo Jussenhofen am Rosenmontag bei aller Freude auch immer erleichtert, wenn die Wagen seiner Gesellschaft den Zugweg ohne Zwischenfälle hinter sich gebracht haben. "Technisch kann man alles überprüfen und sich vorbereiten. Aber nicht beeinflussen kann man, wie die Zuschauer und die Pferde sich verhalten." Ein gewisses Restrisiko bleibt somit trotz aller Sicherheitsvorkehrungen. - lnw

Quelle: wa.de

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