Prozess um Doppelmord am Heiligabend eröffnet

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Neben seinem Anwalt Carsten Ernst (r.) hält der Angeklagte beim Prozessauftakt ein Schild mit der Aufschrift "Schuldfrei".

BIELEFELD - Sieben Monate nach dem Doppelmord vom Heiligabend in Gütersloh hat am Freitag in Bielefeld der Prozess gegen einen 29-Jährigen begonnen. Die Anklage wirft ihm vor, eine 74 Jahre alte Ärztin und deren drei Jahre älteren Bruder aus Habgier erstochen zu haben. Auch der Hund wurde getötet.

Der Angeklagte, ein entfernter Bekannter der Geschwister, leugnet die Tat. Am Freitag betrat er den Gerichtssaal mit einem großen Zettel, auf dem "Schuldfrei" stand. Unklar in dem Fall ist vor allem das Motiv.

Trotz aufwendiger Suchaktionen konnten bislang die Tatwaffen nicht gefunden werden. Unter einem Fingernagel der Ärztin und an ihrer Wange seien aber DNA-Spuren des Angeklagten entdeckt werden. Auch Fingerabdrücke fanden sich. Der 29-jährige Gas-und Wasserinstallateur hat nur zugegeben, eine Flasche Rotwein vorbeigebracht zu haben.

Staatsanwalt Christoph Mackel bezeichnete das nur als Vorwand. Wahrscheinlich habe der junge Mann erst die Ärztin angegriffen und mit elf Stichen getötet. Dann habe er den zu Hilfe eilenden Bruder der Frau ebenfalls mit elf Stichen so schwer verletzt, dass er verblutete. "Es war eine Tat von außergewöhnlicher Brutalität", sagte der Anklagevertreter am Rande des Verfahrens.

Nach der Bluttat habe der Täter im ersten Stock der Villa den Verschluss an einem versteckten Gasanschluss gelöst, sagte Mackel. Im Erdgeschoss habe er eine Kerze brennen lassen. Offenbar sollte die zunehmende Gaskonzentration im Haus eine Explosion auslösen und alle Spuren verwischen. Darum wirft die Anklage dem 29-Jährigen nicht nur Mord sondern auch den Versuch einer Explosion vor.

Wahrscheinlich seien 700 Euro geraubt worden, sagte der Staatsanwalt. Es gebe die Aussage eines Häftlings, wonach der 29-Jährige in der Untersuchungshaft die Tat gestanden habe. Er habe den Ermittlern die Lage eines Erddepots verraten, in dem der Beschuldigte die Beute versteckt habe. Tatsächlich sei Geld mit DNA-Spuren des 29-Jährigen dort gefunden worden.

Für den Prozess sind elf Verhandlungstage angesetzt. Die Anklage hat 21 Zeugen benannt. Zudem sind mehrere Sachverständige geladen. - dpa/lnw

Quelle: wa.de

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