Nach Bergung aus Erdloch - Hambacher Aktivist in Gewahrsam

[UPDATE 16.15 Uhr] NIEDERZIER - Ein Umweltaktivist, der sich im Kampf gegen den Braunkohleabbau tagelang in einem Erdloch bei Kerpen verschanzt hat, ist in der Nacht gerettet worden und kam zunächst in Polizeigewahrsam. Das teilte ein Sprecher am Samstag nach der nächtlichen Bergung des Mannes mit.

 Der 27-Jährige hatte sich in einen sechs Meter tiefen Erdschacht im Hambacher Forst zurückgezogen und wollte freiwillig nicht heraus kommen. Ob er für den Großeinsatz zu seiner Rettung zahlen muss, wird laut Polizei noch geprüft.

Mit erheblichem Aufwand hatte sich eine technische Einsatzeinheit der Polizei, unterstützt von Experten der Grubenwehr aus Herne, zu dem Versteck des Mannes vorgearbeitet. Das selbst gegrabene Loch im Erdreich galt als ungesichert und einsturzgefährdet. Tage zuvor war ein Lager von Demonstranten, die das Waldgebiet besetzt gehalten hatten, geräumt worden. Um der Polizei zu entgehen, hatte sich der 27-Jährige entschieden, einen alten Grubengang auf dem Gelände zur Flucht und als Versteck zu nutzen.

Nachdem die Einsatzkräfte einen Rettungsschacht gebaut hatten, gelang es in der Nacht zu Samstag, den Mann zu bergen und aus seiner Höhle an die Oberfläche zu transportieren. Dabei habe er sich heftig gewehrt, teilte die Polizei mit. Der Aktivist sei unverletzt, jedoch erschöpft. Er wurde unter dem Vorwurf der Beteiligung an diversen Straftaten und der Gefährdung von Rettungskräften festgenommen.

Nach Meinung der Umweltaktivisten wäre der Mann freiwillig aus seinem Loch gekommen, wenn die Rodung des Waldes abgesagt worden wäre. Das sagte ein Gruppenmitglied, das sich "Björn" nannte, der Deutschen Presse-Agentur. Aus Sicht der Polizei hat der 27-Jährige, der aus dem bayerischen Ort Greifenberg im Kreis Landsberg stamme, die Retter massiv gefährdet. So habe er unterirdische Stützen, die das Tunnelsystem stabilisieren sollten, umgestoßen, so dass sich die Helfer selbst in Sicherheit bringen mussten.

Am Samstag befand sich der Mann in Gewahrsam im Kölner Polizeipräsidium, wo er vernommen wurde. "Die Ermittlungen der Kriminalpolizei werden zeigen, ob es zu einer Anzeige kommt und der Mann dem Haftrichter vorgeführt wird", sagte ein Sprecher. - lnw

Quelle: wa.de

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