Reaktion auf Massenschlägerei an Pfingstmontag

Polizeipräsident ordnet "Strategische Fahndung" für Dortmunder Nordstadt an

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Der Dortmunder Polizeipräsident hat für die Nordstadt die "strategische Fahndung" angeordnet. Mit diesem Instrument aus dem Polizeigesetz soll gezielt Fahndungsdruck auf potenzielle Kriminelle aufgebaut werden - die Polizei darf in der Dortmunder Nordstadt nun in den kommenden Wochen ohne konkreten Verdacht Personen anhalten, nach ihrer Identität befragen und Fahrzeuge in Augenschein nehmen.

Dortmund - Die Anordnung gilt laut einer Pressemitteilung der Dortmunder Polizei "für mehrere Wochen" und ist eine direkte Reaktion auf die Vorkommnisse vom Pfingstmontag, als sich bis zu 80 Randalierer eine Massenschlägerei geliefert hatten und mit Stuhlbeinen, Werkzeugen und Molotowcocktails aufeinander losgegangen waren. 

"Die Menschen in Dortmund können darauf vertrauen, dass die Polizei sämtliche verfügbaren Instrumente nutzen wird, um die Sicherheit für Bürgerinnen und Bürger in der Nordstadt weiter zu verbessern", bekräftigt Polizeipräsident Gregor Lange sein Vorhaben, den Kontrolldruck im Bereich der Nordstadt noch einmal zu intensivieren. Und weiter: "Wir lassen nicht zu, dass sich an dieser Stelle kriminelle Strukturen verfestigen, mit erhöhter Präsenz setzen wir eindeutige Stopp-Zeichen."

Platzverweise gegen potenzielle Störer ausgesprochen

Bereits am Dienstag hatten mehrere Dutzend Polizeibeamte in der Nordstadt kontrolliert und in fortgesetzten Schwerpunkteinsätzen potenzielle Störer mit Platzverweisen belegt. 

Die Auseinandersetzung am Montag habe vor allem gezeigt, wie leistungsfähig die Dortmunder Polizei sei, heißt es in der Mitteilung. Innerhalb kürzester Zeit sie sie mit über 100 Beamten vor Ort gewesen, um die gewalttätigen Auseinandersetzungen zu unterbinden und Schlimmeres zu verhindern. 

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Die eingerichtete Ermittlungskommission "Schleswig" habe in enger zusammenarbeit mit der Ermittlungskommission Nordstadt die Ermittlungen aufgenommen. Nach derzeitigem Stand sei ein Bezug zur Kriminalität von Clans hier nicht gegeben. 

"Der Polizeipräsident warnt ausdrücklich davor, den Leuten Glauben zu schenken, die einen solchen Sachverhalt mit Sensationslust und pauschaler Angstmacherei für extremistische und populistische Propaganda nutzen wollen", schreibt die Polizei.

Fakt sei, dass die Polizei Dortmund aufgrund vielfältiger Aktivitäten in Zusammenarbeit mit der Stadt, Staatsanwaltschaft, Zoll und Bundespolizei den niedrigsten Stand der Kriminalität seit fünf Jahren vorweisen könne. 

Sinkende Kriminalitätszahlen in der Nordstadt

Die Gesamtkriminalität in der Nordstadt sei in den letzten fünf Jahren um über 30 Prozent gesunken. 

Die Zahl der Gewaltdelikte sei in diesem Zeitraum um 20 Prozent gesunken, die Straßenkriminalität um mehr als 33 Prozent. Dazu komme, dass die Aufklärungsquote mit über 60 Prozent in 2018 "auf einem exzellenten Niveau" sei. 

"Der positive Trend setzt sich auch im Jahr 2019 fort. In den ersten vier Monaten fiel die Anzahl der Gesamtstraftaten in der Nordstadt im Vergleich zum Vorjahr weiter um knapp 12 Prozent. Im Bereich der Straßenkriminalität beträgt der Rückgang im Vergleich zum Vorjahr sogar 25 Prozent, bei der Gewaltkriminalität liegt der Rückgang bei sechs Prozent." 

Die Ermittlungskommission Nordstadt habe Hand in Hand mit speziellen Nordstadt-Staatsanwälten, unzähligen Schwerpunkteinsätzen mit der Bereitschaftspolizei und täglichen Einsätzen des Schwerpunktdienstes Norden Kontrolldruck auf Straftäter in der Nordstadt erhöht. Dass die Strategie aufgehe, sieht die Behörde am Beispiel Drogenkriminalität bestätigt. Die komme im Regelfall erst durch Kontrollen der Polizei ans Licht. Ein Anstieg der Fallzahlen (65 Prozent in den letzten fünf Jahren) sei als Arbeitsnachweis der Polizei zu werten. 

"Der Vorfall vom Pfingstmontag sollte die deutlichen Erfolge nicht überlagern. Klar ist aber, dass wir noch viele weitere Erfolge erzielen wollen. Dazu werden wir auch die beschlossene Videobeobachtung ab 2020 in der Münsterstraße als ein weiteres Instrument nutzen", wird Gregor Lange zitiert. - eB

Quelle: wa.de

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