Polizei sucht Mordwaffe an der Autobahn 52

[UPDATE 17.15 Uhr] DÜSSELDORF - Ungewöhnlicher Polizeieinsatz an der viel befahrenen A52. Dutzende Polizisten suchen nach einer Mordwaffe. Sie soll dort seit acht Jahren herumliegen.

Von Frank Christiansen

Die Motorsägen kreischen, über den Köpfen dröhnt der Verkehr. Ein technischer Einsatztrupp der Polizei schneidet Schneisen ins Unterholz, dann schlagen sich 50 Polizisten in die Büsche.

Eine Mordkommission hat am Mittwoch an der Böschung der Autobahn 52 in Essen unweit der Ruhrtalbrücke die Suche nach einer Mordwaffe gestartet.

Mit der Waffe soll vor acht Jahren in Düsseldorf die Mitarbeiterin einer Unternehmensberatung erschlagen worden sein. Die Ermittler gehen davon aus, dass der Mörder sein Schlagwerkzeug - einen Knüppel, Baseballschläger, ein Rohr oder Ähnliches - damals dort an der Autobahn versteckt haben könnte.

Rückblick

Die Leiche der 27-Jährigen war im November 2004 in ihrer Wohnung in Düsseldorf-Bilk entdeckt worden - am Tag ihrer geplanten Geburtstagsparty. Weil die Gäste vergeblich vor dem Haus warteten und schließlich die Feuerwehr riefen, stießen die Helfer in der Wohnung auf die Spuren des Verbrechens. Der jungen Frau war das Gesicht zertrümmert worden. Als die Schlagwaffe sie traf, habe sie vermutlich geschlafen. Die Leiche wies "massivste Gesichts- und Kopfverletzungen auf", sagt ein Polizeisprecher. Zeichen eines Kampfes fanden sich nicht.

Der damalige langjährige Freund geriet schnell unter Verdacht, der aber bis heute nicht für eine Anklage ausreichte. Der Mann zeigt sich kooperativ, beantwortet alle Fragen - und beteuert seine Unschuld. Er gibt an, dass seine intime Beziehung zu der Düsseldorferin bereits beendet gewesen sei. Man war sich nur noch freundschaftlich verbunden, sagt er. Die Mutter der Ermordeten, die am Mittwoch auch zur Suchaktion gekommen war, bezweifelt dies stark.

Der Freund war gegen 2.00 Uhr nachts nach der Tat zu seiner neuen Freundin ins Ruhrgebiet gefahren, seiner heutigen Ehefrau. Die Ermittler können wegen der unklaren Tatzeit nicht ausschließen, dass nach dem Verdächtigen noch ein Unbekannter in der Wohnung war - "auch wenn es dafür keine Hinweise gibt", wie Staatsanwalt Christoph Kumpa betont. Ein Mordmotiv fehlt allerdings.

Ex-Freund machte Stopp am Tatabend an A 52

Eine erneute Auswertung der Ermittlungsakten ergab nun den neuen Ansatz gegen den schon damals Verdächtigen. Im Bewegungsprofil des heute 37-Jährigen ist festzustellen, dass er bei der Fahrt zu seiner neuen Freundin von Düsseldorf ins Ruhrgebiet auf der Autobahn 52 einen kurzen Stopp eingelegt hat. Die Gegend wäre sehr gut geeignet, um die Tatwaffe verschwinden zu lassen, ergab eine Besichtigung vor Ort.

Von einer Ermittlungspanne vor acht Jahren will der Staatsanwalt nicht sprechen, eher von einem späten "Geistesblitz" eines Ermittlers, der sich den Fall mit der nötigen Distanz noch einmal angeschaut habe.

Und so rückte am Mittwoch eine halbe Hundertschaft aus zur berühmten Suche nach der Nadel im Heuhaufen, wie die Ermittler einräumen. Währenddessen bildeten sich auf der stark befahrenen Autobahn Rückstaus durch Autofahrer, die angesichts des Polizeiaufgebots hinter der Leitplanke auf die Bremsen traten.

Mannshoch wuchern die Brennnesseln, Müll gibt es reichlich an der Böschung. Ein verwitterter Puppenkopf mit langen Haaren, die Augen blicken ins Leere. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Tatwaffe in einer Tasche oder Tüte verpackt war, weil sich im Wagen des Verdächtigen keine Blutspuren fanden. Dann sorgt ein Fund für Aufregung: ein zerbrochenes Paddel. Der Fundort wird abgesperrt. Aber schnell ist klar: Das Paddel liegt dort noch keine acht Jahre. Außerdem wären ohnehin keine Spuren mehr daran. - lnw

Quelle: wa.de

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare