Polizei fasst Diebesbande

Brutale Überfälle auf Werler Geldtransporter aufgeklärt

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Die Tatwaffen der Diebesbande

Werl - Es ist der Stoff, aus dem Hollywood-Streifen gemacht sind: Der Hagener Polizei ist es ins langer wissenschaftlicher Arbeit gelungen, eine Diebesbande dingfest zu machen, der sie bislang mindestens fünf Überfälle auf Geldtransporter zwischen 1997 und 2015 nachweisen kann – darunter die beiden in Werl in den Jahren 2001 und 2002.

Die Gesamtbeute dieser fünf Überfälle liegt bei schätzungsweise 1,5 Millionen. Das gab die Polizei Hagen am Freitag in einer Pressekonferenz bekannt. Sie werden beschrieben als die netten Nachbarn von nebenan. Die fünf Deutschen mit polnischen Wurzeln, gegen die in insgesamt 16 Fällen ermittelt wird, von denen ihre Schuld in fünf Fällen einwandfrei belegt ist, sind heute im Alter zwischen 30 und 53 Jahren und gingen einem absolut bodenständigen Leben nach. 

Die Realität sah anders aus. In ihrem Nebengeschäft überfielen sie mit äußerster Brutalität Geldtransporter, schossen mit Sturmgewehren auf die Wagen, und in Werl, als sie die Tageseinnahmen von Turflon in Höhe von 880.000 Euro erbeuteten, auch auf ein Pförtnerhaus, als sie merkten, dass der Wächter die Polizei alarmieren wollte. Den möglichen Tod ihrer Opfer nahmen sie billigend in Kauf. Dass niemand ums Leben kam, grenzt an ein Wunder. Ein anderes Mal soll einer der Verbrecher einen seiner Komplizen aufgefordert haben, einen Fahrer zu erschießen. Daher werden sie sich vor Gericht auch wegen versuchten Mordes verantworten müssen.

Brutale Taten von langer Hand geplant 

Ihre Taten planten sie von langer Hand: So wurden die Fluchtautos bereits jeweils schon ein Jahr vorher gestohlen. In einigen Fällen stiegen sie auf der Flucht in andere Fahrzeuge um und steckten die Fluchtwagen in Brand, um ihre Spuren zu vernichten. Darüber, dass sie auch außerhalb von NRW zuschlugen, gibt es derzeit keine Erkenntnisse. 

Auf die Schliche kam die Polizei den Männern durch eine ihrer letzten Taten. Bei ihren Nachforschungen zu einem Überfall in Dortmund 2015 kamen die Ermittler der Kommission Argos nicht recht weiter. Es gab zwar hinreichend DNA-Spuren, aber der Abgleich mit den Datenbanken führte zu keinen Ergebnissen, berichtet Klaus Müller, Erster Polizeihauptkommissar. Kein Wunder: Keiner der Täter war jemals vorbestraft gewesen. 

DNA führt die Polizei auf die richtige Spur

Also begann die Polizei, sich ältere Fälle genauer anzusehen. Fälle aus Zeiten, da die DNA-Analyse noch nicht so fortgeschritten war. Der Abgleich belegte, dass es sich oft um dieselben Täter handelte. Es gibt jedoch auch noch weitere, derzeit nicht zuzuordnende Täter-DNA. Unter den fünf festgenommenen Männern gibt es einen Azubi: Der Jüngste des Quintetts steht im dringenden Tatverdacht, dass er bei der nächsten Tat, die bereits geplant war, zum Einsatz hätte kommen sollen. 

Einer der Haupttäter konnte auf diese Weise ermittelt werden, „denn heute reicht schon eine Hautschuppe, um ein gutes DNA-Bild zu erhalten“, so Müller. Durch ihn wurde auch sein Umfeld in den Fokus genommen, und die Ermittler verschafften sich DNA-Proben dieser Personen. Vier Täter konnten auf eise Weise einwandfrei überführt werden.

Zeitgleicher Zugriff an 17 Orten 

Am Mittwoch vergangener Woche erfolgte in einer groß angelegten Aktion verschiedener Behörden zeitgleich der „reibungslos verlaufene“ Zugriff an 17 Orten – allein in einer Wohnung stieß man auf Bargeld in Höhe von 125.000 Euro. 

Jede Menge Waffen, teilweise Kriegsarsenal, Bolzenschussgeräte, Elektroschocker, Nachtsichtgeräte, Uniformen, Werkzeuge sowie ganze Sätze an Kfz-Kennzeichen für die Fluchtautos wurden sichergestellt, außerdem Wertgegenstände. Die Polizei pfändete alles, was aus der Beute finanziert worden sein könnte, darunter auch Grundstücke.

Quelle: wa.de

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