Fünfjährige als Lockvogel

Pädophilen-Netz gesprengt - Spur auch nach NRW

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Ein Polizist trägt in Aschersleben ein Kind auf dem Arm, das bei einer Razzia gegen Pädophile anwesend war.

ASCHERSLEBEN/DORTMUND - Fessel-Tipps in einem Internet-Forum, eine Fünfjährige als Lockvogel – die Polizei hat einen Ring mutmaßlicher Pädophiler gesprengt. Die Verdächtigen – darunter vier aus NRW – hatten sich aus der Anonymität des Internets herausgetraut. So konnten die Ermittler zugreifen.

Die Mitglieder eines am Wochenende enttarnten Pädophilenrings sollen ein fünfjähriges Mädchen als Lockvogel missbraucht haben. Nach Erkenntnissen der Ermittler nahmen die elf Verdächtigen das Mädchen zu ihrem Treffen in Sachsen-Anhalt mit, um etwa auf Spielplätzen mit anderen Kindern in Kontakt zu kommen. Gegen die Verdächtigen – zehn Männer und eine Frau – werde wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs von Kindern ermittelt. Zudem gebe es den Verdacht des Besitzes und der Verbreitung von Kinderpornografie. Die zunächst festgenommenen Verdächtigen im Alter von 23 bis 60 Jahren sind vorerst wieder frei.

Die Gruppe kannte sich aus einem Chatroom im Internet, wie der Leiter der Zentralen Kriminalitätsbekämpfung, Holger Herrmann, gestern in Magdeburg erläuterte. „In diesem Chatroom agiert man sehr vorsichtig und konspirativ.“ Dort seien etwa Informationen ausgetauscht worden, „wie man ein stabiles Kinderbett aufbauen sollte, falls man irgendwelche Fesselpraktiken durchführen möchte“, berichtete Herrmann. Ein 54 Jahre alter Mann aus Aschersleben habe dann das Treffen der Forumsmitglieder organisiert.

Jeder habe eine persönliche Einladung benötigt. Ziel sei gewesen, Aufenthaltsorte von Kindern zu besuchen und Kontakte zu Kindern herzustellen. Auf dem Programm stand der Besuch eines Kinderflohmarktes und eines Zoos. Der 54-Jährige soll dazu seine fünfjährige Nichte als Lockvogel mitgenommen haben. Das Kind sei von der Polizei dem Jugendamt übergeben worden und befinde sich inzwischen beim Vater, erklärten die Fahnder.

Verdächtige auch aus NRW

Laut Polizei bekamen die Ermittler von einem Journalisten Ende April den Tipp auf das Treffen in Aschersleben. Nach Angaben der Ermittler kommen vier der Verdächtigen aus NRW – eine 57-jährige Frau und ein 60 Jahre alter Mann aus Dortmund sowie zwei Männer aus dem Kreis Gütersloh und dem Bergischen Land. Weitere Verdächtige stammen aus Dresden, Leipzig und der Schweiz. Den Samstag über habe man die Gruppe beobachtet, am Abend dann vor einem geplanten Grillfest zugeschlagen. Gefahr für Kinder habe nicht bestanden, sagte Herrmann.

Drei der Verdächtigen seien einschlägig vorbestraft, einige hätten pädophile Neigungen eingeräumt. Die Verdächtigen seien verhört, dann aber auf freien Fuß gesetzt worden. Es gebe zwar einen Anfangsverdacht, das reiche aber nicht für einen Haftbefehl, erklärte Herrmann. Die Ermittlungen stünden am Anfang. - dpa/WA

Quelle: wa.de

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