Größtes Outlet-Center Deutschlands in Werl geplant

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Eine Stadt in der Stadt: Aus vielen einzelnen Läden, Stores genannt, bildet sich ein FOC. Unser Bild entstand in Roermond, dem europaweit erfolgreichsten Outlet-Standort.

WERL In der Stadt am Hellweg soll ein bedeutendes Handels-Projekt realisiert werden, das in seiner Art, seinem Umfang, seinem Investitionsvolumen und der Zahl neuer Arbeitsplätze in die Kategorie „einzigartig“ einzustufen sein dürfte: Auf einer Fläche von etlichen zehntausend Quadratmetern plant eine Investorengruppe ein so genanntes Outlet-Center.

Von Matthias Dietz

Erste Gespräche sind geführt, Wirtschaftsring-Vorstand, IHK und Bezirksregierung informiert, gestern Abend wurden dem Rat Einzelheiten präsentiert. Das Echo ist positiv. Die Investoren haben strenge Parameter bei ihrer Auswahl festgelegt, weil wichtige Voraussetzungen für den Bau eines solchen Vorhabens zwingend erfüllt sein müssen – auch und gerade sind das blendende Verkehrsanbindungen und ein attraktives Einzugsgebiet. Beides sei in Werl in solch herausragender Weise anzutreffen, dass die Hellwegstadt allererste Adresse für die Ansiedlung geworden sei, sagen Sprecher der Investoren.

FOC – diese drei Buchstaben stehen für Factory Outlet Center. Und sie stehen für einen boomenden Markt, der in Deutschland, anders als in anderen europäischen Ländern, noch in den Kinderschuhen steckt. Weil es hierzulande lange Zeit Skepsis gab, weil die Bedenkenträger sich eiligst zu Wort meldeten und böse Szenarien wie verödende Innenstädte, einen Verdrängungswettbewerb lokaler Einzelhändler, sinkende Umsätze im örtlichen Handel und den Anstieg von Arbeitslosigkeit sowie den Verlust von Fachkräften an die Wand malten. Das war gestern.

Heute weiß man, belegt durch die Erfahrungen an FOC-Standorten: Es gibt zwar ein gewisses Maß an Umverteilung. Weil diese sich aber auf ein sehr großes Einzugsgebiet erstreckt, beschert es keine wesentlichen finanziellen Nachteile für die Händler am Ort.

So ist ein Umdenken spürbar. Entscheidungsträger erkennen die vielfältigen Vorteile einer Outlet-Ansiedlung für den eigenen Standort, aber auch für die gesamte Region. Alle bisher existierenden Center sind zum wirtschaftlichen Motor geworden – und zum Tourismusziel. Entwicklungen, die den Vorstand des Werler Wirtschaftsrings überzeugen: Er bewertet die Pläne eindeutig positiv.

Outlet-Center – das waren einst schlichte Warenlagerverkäufe. Angeboten wurden Auslaufmodelle, 2.-Wahl-Produkte oder Überschuss-Produktionen. Seit Anfang der 90-er Jahre hat sich das Konzept weiterentwickelt: Einheitliche Konzepte setzten sich durch, die Architektur wurde anspruchsvoller. Eines ist geblieben: In den Centern wird keine ganz „frische“ Ware offeriert, sondern in der Regel Vorjahreskollektionen angesagter Marken mit Rabatten von 30 bis 70 Prozent. Eingebettet sind die Läden in ein attraktives Umfeld, ergänzt um Restaurants, Cafés und mehr.

Fachleute sagen: In den klassischen Innenstädten drohe Gefahr durch solche Center nur den Kaufleuten, die heute schon Trends verschliefen. Es gibt sogar die Chance so genannter Synergien: An zahlreichen Standorten im In- und Ausland haben die Betreiber der Geschäfte im Center zusätzlich Ladenlokale in der Innenstadt angemietet, wo sie ihre aktuellen Kollektionen verkaufen. In Werl soll das bislang siebte und größte deutsche Outlet-Center gebaut werden. Drei Grundstücke sind im Gespräch, eines wird leicht favorisiert. Von den zurzeit laufenden Gesprächen mit deren Besitzern hängt ab, welche Fläche den Zuschlag erhält.

Ein mittlerer zweistelliger Millionenbetrag soll investiert werden. Anfangs wird das Center 400 bis 600 neue Arbeitsplätze schaffen; langfristig geht es um eine Größenordnung von rund 1 000 Jobs. Die Investoren wollen in dieser frühen Phase noch nicht öffentlich auftreten, werden das aber kurzfristig nachholen.

Was sie an Werl so reizt: Die Stadt verfügt über ein Einzugsgebiet (nach Zeit-Distanzen) von rund 18,1 Millionen Einwohnern: 

- bis 30 Pkw-Minuten entfernt leben 1,2 Millionen Menschen, 

- 30 bis 60 Pkw-Minuten entfernt sind es 7,3 Millionen, 

- 60 bis 90 Pkw-Minuten entfernt werden 9,6 Millionen gezählt.

Aufgrund der hervorragenden Verkehrsanbindung werden die Kunden aus Teilen von NRW, Hessen, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz kommen, auch aus einzelnen niederländischen Städten und Gemeinden wird Kundschaft erwartet.

Quelle: wa.de

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