Nach dem Oroville-Staudamm-Schaden im Norden Kaliforniens

Wie wird Hochwasser bei Talsperren in NRW abgeleitet?

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Die 1913 erbaute Möhnetalsperre ist 650 Meter lang und hat eine bis zu 40 Meter hohe Gewichtstaumauer aus Bruchsteinen. 134,5 Millionen Kubikmeter Wasser  können dort aufgestaut werden.

NRW - Wegen der seit vergangenem Sonntag bestehenden Gefahr einer Überflutung am Oroville-Stausee im Norden Kaliforniens wurden knapp 190.000 Anwohner evakuiert. Seit Dienstagmorgen (Ortszeit) gab es erste Entwarnungen für den höchsten Staudamm der USA mit einer Länge von rund 2.300 Metern. Doch weitere Regenfälle sind angekündigt. Wie sieht die Situation bei den Talsperren in unserer Region aus? Wie kann Hochwasser abgeleitet werden?

Nach einer langen Dürreperiode stürzten 2.800 Kubikmeter Wasser pro Sekunde durch die Überlaufrinne am Oroville-Staudamm. Dem enormen Wasserdruck war der Ausfluss wohl nicht gewachsen – auch undichte Stellen stellte man an dem Kanal fest - die Notüberlaufrinne wurde aktiviert. Doch der Notabflusskanal des 235 Metern hohen Staudamms weist starke Erosionsschäden auf und musste wieder geschlossen werden. Arbeiter sind rund um die Uhr im Einsatz, um die Stauanlagen 125 Kilometer nördlich von Sacramento zu befestigen.

Zu einem tragischen Bruch in der Staumauer kam es in unserer Region zuletzt während des zweiten Weltkriegs im Jahr 1943. Die durch einen Bombenangriff ausgelöste Flutwelle an der Möhnetalsperre riss 1.500 Menschen in den Tod.

„Wir gehen davon aus, dass natürliche Ereignisse, wie starke Regenfälle, solch ein Ereignis bei uns nicht hervorrufen können“, erklärt Ruhrverbandsprecherin Britta Balt mit Blick auf Kalifornien.

Der Ruhrverband betreibt acht Talsperren

Der Ruhrverband betreibt in Nordrhein-Westfalen insgesamt acht Talsperren, vier davon sind noch als Staudamm aus aufgeschütteten Erdmaterial gebaut worden, die anderen vier besitzen Staumauern. Gemeinsam haben aber alle Talsperren, dass diese so konstruiert sind, dass sie keinen Notüberlauf benötigen. Das mögliche maximale Hochwasser könne allein durch die Hochwasserentlastung abgeführt werden. 

Die Anlagen seien so dimensioniert, dass überschüssiges Wasser bei Staumauern durch Öffnungen in der Mauer abgelassen wird. So kann das Wasser in den Unterlauf ablaufen. Bei Staudämmen wird die Hochwasserentlastung meist seitlich am Hang betrieben. Dabei führt ein Einlaufgerinne das überschüssige Wasser durch ein Abflussgerinne zum Dammfuß.

Hinzu kommt, dass die Talsperren regelmäßig kontrolliert werden, so Balt. Automatisch gemessen und überwacht werde das Sickerwasser, dass durch die Dichtung des Staudamms oder der Staumauer hindurch kommt. Sollte es zu einem Anstieg kommen, wird sofort ein Alarm ausgelöst. Genauso verhält es sich mit der Bewegung des Damms oder der Mauer. Mithilfe einer Lotanlage werde diese überwacht. Kommt es zu Schwankungen, ertönt auch hier ein Alarm. 

„Zu der automatischen Überwachung kommt aber auch noch die tägliche Kontrolle per Augenschein durch die Beschäftigten an der Talsperre“, sagt Balt. Händische Messungen werden auch regelmäßig vorgenommen. Jährlich wird zudem ein Sicherheitsbericht angefertigt, der der Bezirksregierung Arnsberg vorgelegt wird. Dieser enthält alle wichtigen Messungen sowie Beobachtungen eines Jahres. 

Nach menschlichem Ermessen reichten die Sicherheitsvorkehrungen also aus, um einen Bruch auszuschließen, erklärt die Sprecherin. Ein Restrisiko sei natürlich nie auszuschließen (bei Erdbeben oder extremen Hochwasserereignissen). Aber rein rechnerisch wurden die vergangenen maximalen und die erwarteten maximalen Niederschläge ausgewertet und demnach auch die Anlagen konstruiert.

So wenig Niederschlag wie seit 1927 nicht mehr

Die Biggetalsperre wurde in den 1960er Jahren vor den Toren der Stadt Attendorn erbaut. Ihre Besonderheit: ein 50 Meter Hochwasserentlastungsturm vor dem Damm. Er leitet das überschüssige Wasser in einen unterirdischen Stollen. Von dort wird das Wasser in den Unterlauf der Talsperre weitergeleitet.

Erst kürzlich teilte der Ruhrverband in einer Pressemitteilung mit, dass es im zweiten Halbjahr des vergangenen Jahres so wenig Niederschlag gegeben hat wie seit 80 Jahren nicht mehr. Doch die Ruhrverbandsprecherin macht auch deutlich: „Deshalb können wir aber noch lange nicht die Füße still halten.“ Gravierend seien Ereignisse wie Starkregenfälle, die auch die Keller überfluten oder wie die Überschwemmung in Bayern im vergangenen Juni. „Deshalb muss die Sicherheit immer kontrolliert werden.“

Talsperren des Ruhrverbands:

Der Ruhrverband betreibt im Märkischen Kreis und im Kreis Soest insgesamt acht Talsperren. Diese Talsperren sperren durch Staumauern oder Staudämme Taleinschnitte zu Wasserspeichern (den Stauseen) ab. Die Sorpetalsperre, die Hennetalsperre, die Versetalsperre sowie die Biggetalsperre haben ein Damm, welcher aus Erdschüttmaterial aufgeschüttet wurde. Die Möhnetalsperre, Ennepetalsperre, Fürwiggetalsperre sowie die Listertalsperre haben Staumauern. Stauseen unterscheiden sich nach der Definition des Ruhrverbandes dadurch, dass die Stauseen wie der Baldeneysee in Essen oder der Kemnader See in Bochum zwar Stauwehre besitzen, jedoch keinen Taleinschnitt haben, also nicht am Hang eines Berges verlaufen.

In der Karte sind die acht Talsperren mit deren Daten eingetragen.

Quelle: wa.de

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