Fan-Ausschreitungen: Opposition zweifelt an Sicherheitskonzept

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Vorfälle zwischen Fans werden vor allem bei Derbys erwartet. Das Innenministerium hatte bei einem Pilotversuch die Polizeipräsenz bei Spielen ohne erhöhtes Risiko reduziert. Nach den Ausschreitungen bei dem Spiel Schalke 04 gegen Hertha BSC sieht die Opposition den Versuch als gescheitert an.

DÜSSELDORF - Kommen die Fußballspiele in NRW mit weniger Polizei aus? Der Innenminister meint: Ja. Bei der Opposition wachsen die Zweifel, sie führt Ausschreitungen in Gelsenkirchen an.

Die verringerte Polizeipräsenz bei Fußballspielen in Nordrhein-Westfalen stößt bei der Landtagsopposition auf wachsende Skepsis. Dass NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) sein Konzept zum Erfolg erklärt habe, sei angesichts zahlreicher Ausschreitungen Schönfärberei, kritisierte der CDU-Abgeordnete Werner Lohn am Donnerstag im Innenausschuss des Parlaments. Zuvor hatte bereits die Gewerkschaft der Polizei in NRW (GdP) das Konzept als gescheitert bezeichnet.

Lohn kritisierte einen "Rückzug aus der Verantwortung": "Die Polizei ist in den Zustand der Hilflosigkeit versetzt worden." Dies zeige sich auch dadurch, dass nach Ausschreitungen in Gelsenkirchen nur ein Verdächtiger festgenommen werden konnte. Niemand könne ernsthaft glauben, bei Bundesligaspielen werde es künftig keine Vorfälle mehr geben, entgegnete NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD).

60 Beamte fehlten bei Schalke gegen Hertha

Die ständig steigenden Einsatzzahlen der Polizei seien dem Steuerzahler aber nicht mehr zu vermitteln, die Kosten dürften nicht weiter ausufern. Am Samstag waren in Gelsenkirchen nach dem Spiel von Schalke 04 gegen Hertha BSC Berlin zwölf Polizisten verletzt worden. Die Polizei sei mit 231 Kräften vor Ort gewesen - 60 Beamte weniger als bei der letzten Begegnung beider Vereine, sagte ein Vertreter des Innenministeriums.

Das Innenministerium hatte in einem Pilotversuch die Polizeipräsenz bei Fußballspielen reduziert, bei denen kein erhöhtes Risiko für Ausschreitungen vorliegt. So sei die Zahl der Polizisten bei vergleichbaren Spielen gegenüber der letzten Saison um fast 22 Prozent reduziert worden. In einem Bericht an den Ausschuss wird der Versuch als Erfolg bewertet. "Bei nur einem Vorfall von einem Scheitern des Pilotprojekts zu sprechen ist populistisch", sagte die Grünen-Abgeordnete Verena Schäffer.

GdP-Chef: "Die Einsätze werden Härter"

GdP-Landeschef Arnold Plickert kritisierte das Konzept erneut: "Wir sind nicht mehr an den kritischen Fan-Gruppen dran, wir kommen später und müssen dann sofort eingreifen. Die Einsätze werden härter. Dadurch ist auch die Strafverfolgung erschwert. Sie leidet unter diesem Konzept", sagte Plickert. Vier Mal habe nachträglich Verstärkung angefordert werden müssen.

Für eine echte Bewertung müssten alle Fußballspiele einbezogen werden, auch die der Regionalliga West mit Vereinen wie Rot-Weiß Essen und Rot-Weiß Oberhausen, forderte Plickert. Es habe in den vergangenen Wochen eine Reihe von Vorfällen gegeben. In zahlreichen Stadien seien die Ordner überrannt worden. So seien in zwei Stadien die Kassenbereiche und in einem Fall auch der Platz gestürmt worden. -lnw

Quelle: wa.de

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